Männedorf

Auch als Rentner hat Franz Ebner Freude an seiner Arbeit

Franz Ebner hat ein Buch über den Umgang mit älteren Mitarbeitern geschrieben. Von der Stiftung Kreatives Alter hat der Männedörfler dafür einen Preis bekommen.

Nicht auf den Chef warten: Buchautor Franz Ebner rät zu permanenter Weiterbildung.

Nicht auf den Chef warten: Buchautor Franz Ebner rät zu permanenter Weiterbildung. Bild: Sabine Rock

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Die Spitex-Mitarbeiterin, der mit 57 Jahren gekündigt wird und die seit mehr als einem Jahr einen neuen Job sucht. Der Drucker, der mit 62 Jahren seine Stelle verlor und sich mit der Arbeitslosenversicherung knapp in die Pensionierung «retten» konnte. Oder der Kadermann einer Grossbank, der mit 60 die Kündigung erhielt und seit bald einem Jahr von seinem Ersparten lebt.

Solche Schicksale hat Franz Ebner im Kopf, wenn er über sein Buch spricht. «Von der Entdeckung älterer Mitarbeitender» heisst das 160 Seiten starke Werk, für das der Männedörfler Ende letzten Jahres einen Anerkennungspreis der Stiftung Kreatives Alter erhalten hat.

Drei Jahre lang hat der heute 80-Jährige Material gesammelt, sich in die Terminologie eingearbeitet, mit Mitarbeitern von Arbeitsämtern und Arbeitslosen gesprochen. Inzwischen ist Ebner überzeugt: Der demografische Wandel wird von der Politik zu wenig ernsthaft angepackt. Das schwierige Thema sei wohl zu wenig wahlkampftauglich, vermutet der Autor. Bei den Arbeitgebern herrsche noch immer die Meinung vor, dass die psychischen und physischen Fähigkeiten eines Mitarbeiters ab 50 abnähmen. «Doch das stimmt nicht.» Dieses Vorurteil führe dazu, dass die meisten Arbeitgeber junge Mitarbeiter bevorzugten und das Potenzial der Älteren brachliege, obwohl sie motiviert seien.

Nicht warten

Ebner nimmt in seinem Buch aber auch die Arbeitnehmer in die Pflicht. Sein wichtigster Ratschlag: Weiterbildung. Diese dürfe jedoch nicht erst ab 50 beginnen. «Man muss sich ein Leben lang immer wieder auf die neuen Anforderungen eines Jobs einstellen.» Niemand könne sich heute mehr auf seiner Erfahrung ausruhen.

Der Buchautor empfiehlt Arbeitnehmern, nicht zu warten, bis sie von ihrem Chef zur Weiterbildung aufgefordert werden. Eigeninitiative sei auch in diesem Bereich wichtig. «Regsam bleiben», nennt es Ebner. Allerdings, so sagt er weiter, müsste auch das Weiterbildungsangebot der Firmen viel breiter sein. Allzu oft richte es sich nämlich lediglich an Kadermitarbeiter.

Buch über General Sutter

Franz Ebner weiss aus eigener Erfahrung, wovon er spricht. Er lernte Buchdrucker in einer Zeit, als der Buchmarkt blühte. Nach dem Krieg habe ein richtiger Hunger nach Büchern geherrscht, erinnert er sich. Heute gibt es die Lehre nicht mehr, ebenso die meisten Verlage, in denen Ebner als Lektor gearbeitet hat: Conzett und Huber, Walter-Verlag, Artemis. 1995, als er 57 Jahre alt war, wurde der Artemis-Verlag verkauft.

«Ich musste mich neu orientieren», erzählt Ebner. Er probierte Verschiedenes aus, baute etwa eine Internetplattform für Bücher auf oder eine für Weiterbildungsangebote. Seine Liebe zu schön gestalteten Büchern begann in der Lehre, als er Manesse-Klassiker drucken durfte. Das Buch und die Beschäftigung mit diesem Kulturgut hat Ebner ein Berufsleben lang begleitet. Auch nach seiner Pensionierung kam er nicht davon los. So hat er 2003, zum 200. Geburtstag von Johann August Sutter, ein Buch über den wohl berühmtesten Amerika-Auswanderer mit Schweizer Abstammung herausgegeben. Nicht ohne zuvor den 3000 Kilometer langen Weg, den Sutter in Amerika gegangen ist, selber abzufahren.

Die Reise auf den Spuren des «Kaisers von Kalifornien» versöhnte Franz Ebner ein Stück weit mit einem Traum, den er als junger Mann begraben hatte: Damals wollte er als Schiffskoch die Welt bereisen. Und selbst als er längst Buchdrucker gelernt hatte, träumte er davon, einmal eine Schiffszeitung herauszugeben. «Das war alles in meinem Kopf, mit der Realität hatte das wenig zu tun», sagt Ebner rückblickend. Ganz real ist hingegen, dass im kommenden Herbst ein Buch über die Schweizer Alpen erscheinen wird, mit Beiträgen über Geologie, Klima, Botanik oder die Gebirgswälder. Herausgeber: Franz Ebner.

Zurück zum Thema seines preisgekrönten Buches über ältere Arbeitnehmer. Franz Ebner spricht auch das Rentenalter an. Viele würden gerne länger als bis 64 oder 65 arbeiten, sagt er. Aber dafür brauche es flexible Arbeitgeber und einen flexiblen Arbeitsmarkt. Fliessend aus dem Arbeitsleben aussteigen können, das wäre ideal. «Doch davon sind wir noch weit entfernt.»

Franz Ebner: Von der Entdeckung älterer Mitarbeitender. Beschäftigungsfähigkeit und Weiterbildung im mittleren und späteren Erwerbsalter. Verlag publications.ch. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.01.2019, 17:44 Uhr

Stiftung Kreatives Alter

Die vom Bankier Hans Vontobel 1990 gegründete Stiftung Kreatives Alter führt alle zwei Jahre einen Wettbewerb durch, in dem sie Arbeiten in den Bereichen Literatur, Wissenschaft, Musik und Theater auszeichnet. Teilnahmeberechtigt sind Personen über 70. Es werden in der Regel 12 Preise und 20 Anerkennungsurkunden vergeben. Dieses Jahr gingen rund 500 Arbeiten ein; diese werden von jeweils zwei Fachpersonen geprüft. (jä)

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