Küsnacht

Am Ende fand alles Platz in einem leeren Configlas

Für ihre Maturaarbeit versuchte Lisa Barmettler drei Monate lang keinen Abfall zu verursachen. Sie kam dem Ziel sehr nahe. Nun hat sie ein Booklet zum Thema Zero Waste erstellt.

Lisa Barmettler hat basierend auf ihrem Projekt ein Booklet mit dem Titel «Zero Waste in Zürich» erstellt.

Lisa Barmettler hat basierend auf ihrem Projekt ein Booklet mit dem Titel «Zero Waste in Zürich» erstellt. Bild: Sabine Rock

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Zum Zvieri einen Farmerstengel essen, ein in Folie verschweisstes Buch oder eine Petflasche mit Wasser kaufen — während drei Monaten waren solche Vorhaben für Lisa Barmettler tabu. Denn die ehemalige Gymnasiastin aus Küsnacht machte für ihre Maturaarbeit einen dreimonatigen Selbstversuch mit «Zero Waste», einem Lebensstil, bei dem kein Abfall produziert und nichts verschwendet wird.

«Ich wollte ein Projekt umsetzen, bei dem ich etwas lerne», sagt Lisa Barmettler. Die 20-Jährige sitzt am Küchentisch in der gemütlichen Maisonnettewohnung in Küsnacht, in welcher sie mit ihren Eltern wohnt. Vor sich ein druckfrisches Booklet, das den Titel «Zero Waste in Zürich» trägt. Darin hat die zierliche Frau mit den langen Dreadlocks Fakten und vor allem zahlreiche Tipps, Adressen, Anleitungen und Rezepte zusammen gestellt, welche sie während ihrem Selbstversuch erarbeitet hat.

Feuer und Flamme

Bevor sie sich auf ihre Maturaarbeit vorbereitet habe, sei ihr die Zero Waste-Bewegung nicht bekannt gewesen, erzählt Lisa Barmettler. Erst durch die Auseinandersetzung mit dem Thema, erfuhr sie, dass Zero Waste mehr ist, als nur das Vermeiden von Abfall. «Ich wurde sofort Feuer und Flamme dafür und identifizierte mich stark mit dem Lebensstil.» Plötzlich fiel ihr auf, wie viel Abfall wir normalerweise im Alltag produzieren: «Plastikfolien, in welche Gemüse und Früchte eingeschweisst sind, Petflaschen oder Take Away-Geschirr oder Wattepads, mit denen wir morgens das Gesicht reinigen.»

Die Absolventin des Liceo Artistico, einem italienischen Kunstgymnasium in Zürich, organisierte ihren Alltag neu: Den Zmittag für die Schule kochte sie meist am Vorabend zuhause und nahm ihn im Tupperwaregeschirr mit. «Ich lernte, so feine Sachen wie Gnocchi oder Teigwaren selber zu machen.» Gemüse kaufte sie mit ihrer Mutter beim Bauern, Grundnahrungsmittel wie Teigwaren oder Reis, aber auch Öle, Geschirrspülmittel und Zahnpastatabletten besorgte sie in ZeroWaste-Läden in Zürich, in welchen die Waren unverpackt oder im Glas angeboten werden. Besteck, Wasserflasche sowie Stoffbeutel und Stofftücher, um unterwegs Brot oder Gemüse zu kaufen, gehörten zur ständigen Ausrüstung der Schülerin. Für die fröhliche Küsnachterin keine grosse Sache: «Es brauchte einfach etwas mehr Planung und Organisation.»

Ohne Röhrli und Serviette

Besonderen Spass entwickelte sie an der Herstellung eigener Kosmetik- und Haushaltsprodukte: «Mit natürlichen Mitteln wie Kokosöl, Bienenwachs, Natron oder ätherischen Ölen machte ich Gesichtscremen, Deo, Zahnpasta und Seife.» Auch einen Ersatz für Wattepads und Papiertaschentücher fertigte sie eigenhändig - aus alten Badetüchern und Bettbezügen. «Ich habe festgestellt, dass es für fast alles eine abfalllose Alternative gibt», sagt Lisa Barmettler. Und dass man sich gar nicht so einschränken müsse, wie manche Leute denken würden. «Man lebt einfach viel bewusster.» Oft könne Abfall ganz einfach vermieden werden, indem man vorausdenke: «Im Restaurant etwa kann man dem Kellner sagen, dass man kein Röhrli und keine Papierserviette wünscht.» Das Tupperware für allfällige Resten habe man selbstverständlich dabei.

Kompromisse schloss Lisa Barmettler während des Selbstversuchs praktisch nie — ausser beim Gang auf die Toilette. «Ich dachte zuerst, ich könne mir einfach mit Wasser behelfen, aber das war mir zu mühsam.» So griff sie also wieder zum Toilettenpapier. Aus praktischen Gründen rechnete sie dieses nicht zur von ihr produzierten Abfallmenge. Zu dieser zählte, was sich weder recyclen noch kompostieren liess. «Am Ende fand alles Platz in einem leeren Konfitürenglas», sagt die 20-Jährige stolz. Gewicht des Inhaltes: 80 Gramm. «Darunter war vor allem Abfall, den ich nicht hatte verhindern können», sagt Lisa Barmettler. Ein Partybändeli etwa, ein Plastikbecher von einem Fest oder die Verpackung eines Geschenkes.

Kompromisse schliessen

Inzwischen sammelt die Küsnachterin ihren Abfall nicht mehr in einem Configlas. Aber sie kauft wenn möglich immer noch unverpackt ein, stellt ihre Kosmetik selber her und versucht, Abfall wo immer es geht zu vermeiden. Ab und zu aber packt sie spontan der Gluscht. Dann greift sie auch mal beherzt in die Farmerschachtel und reisst die Verpackung auf.

Das Zero Waste-Buch von Lisa Barmettler kostet 25 Franken und kann unter lisabarmettler@gmail.com bestellt werden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.01.2019, 15:30 Uhr

Was ist Zero Waste?

Wörtlich übersetzt bedeutet Zero Waste «Null Müll». Gemeint ist aber auch «ohne Verschwendung». Gründerin der Zero Waste-Bewegung ist die gebürtige Französin Bea Johnson. Sie lebt in den USA und produziert mit ihrer Familie pro Jahr genau ein Einmachglas voll Müll. Johnson formulierte fünf Prinzipien der Abfallvermeidung, die 5 R’s: Refuse (Ablehnen, was man nicht braucht), Reduce (Reduzieren),Reuse (Wiederverwenden), Recycle (Wiederaufbereiten) und Rot (Kompostieren). (mbs)

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