Stäfa

Am Ende bleiben die Zweifel

Das Theater Purpurrot führte im Rössli «Zweifel – eine Parabel» von John Patrick Shanley auf. Das Bühnenstück wurde 2009 mit Meryl Streep in der Hauptrolle verfilmt.

Schwester Aloysius (rechts) ist der weltoffene Pater Flynn ein Dorn im Auge. Die junge Schester James (hinten) weiss nicht, wem sie ihr Vertrauen schenken soll.

Schwester Aloysius (rechts) ist der weltoffene Pater Flynn ein Dorn im Auge. Die junge Schester James (hinten) weiss nicht, wem sie ihr Vertrauen schenken soll. Bild: BD/Theater Purpurrot

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Es ist ein starkes Stück, dem sich das seit 15 Jahren bestehende Theater Purpurrot mit Sitz in Rorbas-Freienstein angenommen hat. Auf seiner Tournee hat es am Donnerstagabend im Stäfner Rössli gastiert. In «Zweifel – eine Parabel» geht es um nichts weniger als der Behauptung, ein Übergriff auf eine Minderjährige sei geschehen.

Wer dies behauptet und von der Tat felsenfest überzeugt ist, ist Schwester Aloysius (Karen Ochsner), die eine katholische Schule in einem amerikanischen Kloster leitet. Und zwar mit eiserner Hand und rigiden Regeln.

Ganz anders erscheint da der weltoffene Pater Flynn (Richard Rabelbauer), der sich eine menschliche Kirche wünscht und der davon überzeugt ist, seine Schützlinge bräuchten Wärme und Verständnis. Diesen Pater mit der sanften Stimme verdächtigt Schwester Aloysius, das einzige Flüchtlingsmädchen der Schule, die 12-jährige Alessia, im Pfarrhaus missbraucht zu haben. Er mit seinen progressiven Ansichten war ihr ja schon lange suspekt. Bei ihren Vermutungen stützt Aloysius sich auf die Aussage der jungen Schwester James (Leyla Siegen), die ein ungewöhnliches Verhalten bei Alessia beobachtet haben will, nachdem diese das Pfarrhaus verlassen hatte.

Von den 1960er-Jahren in die Gegenwart

Im Original «Doubt: A Parable» von John Patrick Shanley, das dieser 2004 geschaffen hat, geht es um den erste schwarzen Junge der Schule. Doch da Purpurrot über keinen schwarzen Schauspieler verfügt, ist Regisseur Christian Kraut auf das Flüchtlingsthema ausgewichen, zumal er auch die Handlung nicht wie der Autor in die 1960er-Jahre versetzt, sondern in der Gegenwart spielen lässt.

Shanley erhielt für sein Drama den Pulitzerpreis, 2009 wurde sein Drehbuch für die Verfilmung mit Meryl Streep gar für einen Oscar nominiert. Als Christian Kraut nach eigener Aussage den Film gesehen hatte, «wollte ich nur noch das Stück zurück auf die Bühne bringen».

Konkrete Beweise für ihre Anschuldigung hat die Schulleiterin zwar keine, dennoch verfolgt sie mit sturer Verbissenheit ihr Ziel, den Pater aus der Pfarrei loszuwerden. Bis sie es erreicht hat. Sie, die schon mal verheiratet war und deren Mann in Afghanistan umkam, hat Lebenserfahrung, wie sie sich gegenüber der gutgläubigen Schwester James verteidigt. Sie kenne daher die Menschen und vor allem die Männer. Und von diesem ihrem düsteren Bild lässt sie sich nicht abbringen, zumal Pater Flynn nicht ihre Ideale und ihre Weltordnung teilt.

Auch als Schwester James, die sich schliesslich aus den Fängen ihrer Chefin losreisst und nicht mehr gewillt ist, sich von ihr manipulieren und aufhetzen zu lassen, ihre anfängliche Aussage hinterfragt, lässt sie sich nicht umstimmen: «Den Fuchs muss man in seiner Klugheit überlisten», richtet sie ihre Kriegserklärung auch an die kirchliche Hierarchie, «die von alten Männern verwaltet» wird und an die sie sich nicht wenden kann.

Raffiniertes Bühnenbild

Das Stück fährt ein, und verunsichert. Wohl darum, weil das rar gesäte Publikum im Rösslisaal bis zum Schluss nicht erfährt, ob Pater Flynn tatsächlich schuldig war. Er bestreitet ja alles, lässt aber auch einiges aus seiner Vergangenheit unausgesprochen. Was Schwester Aloysius nur noch mehr bestärkt in ihrem Ansinnen.

Die letzte Szene offenbart Unheimliches: Aloysius sitzt im Klostergarten – geschaffen durch ein raffiniertes mobiles Bühnenbild von Nicolas E. Wittig – und gesteht Schwester James, dass sie bei ihren Behauptungen gelogen habe mit der Begründung: «Bei der Verfolgung des Bösen entfernt man sich von Gott.» Schlimmer noch, sie werde seit dem Wegzug von Flynn gar von Zweifeln heimgesucht.

Nächste Vorstellung am Donnerstag, 20. Februar, 20 Uhr im Kulturkarussell Rössli, Bahnhofstr. 1 in Stäfa. Reservationen mail@theater-purpurrot.ch oder 079 706 25 99. Infos: www.theater-purpurrot.ch.

Erstellt: 14.02.2020, 14:55 Uhr

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