Herrliberg/Feldmeilen

Alte Steine der Seestrasse geben zu reden

Bei Strassenarbeiten sind jene Steine zum Vorschein gekommen, die in den Anfangszeiten als Belag der Seestrasse dienten. Sie sollen zu Kies verarbeitet werden. Das passt jedoch nicht allen.

Beim Schiffsteg liess die Gemeinde Stäfa 2017 alte Pflastersteine verlegen, die zuvor aus der Seestrasse ausgebaut wurden. Ähnliches hätte sich ein Steinbruchbesitzer auch für die Herrliberger Steine gewünscht.

Beim Schiffsteg liess die Gemeinde Stäfa 2017 alte Pflastersteine verlegen, die zuvor aus der Seestrasse ausgebaut wurden. Ähnliches hätte sich ein Steinbruchbesitzer auch für die Herrliberger Steine gewünscht. Bild: Archiv Sabine Rock

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seit Anfang Jahr wird die Fahrbahn der Seestrasse in Herrliberg und Feldmeilen auf dem 1,1 Kilometer langen Teilstück von der Steinradstrasse bis zur Forchstrasse saniert. Zuletzt haben die Arbeiter unter anderem die Lichtsignalanlage bei der Kreuzung Seestrasse/Forchstrasse erneuert. Nun sind die Bauarbeiten in ihrer finalen Phase: Am Montag begann bergseits der Einbau des neuen Strassenbelags. Hierfür wurde die gesamte Asphaltdecke aufgerissen. Dadurch kamen jene Pflastersteine zum Vorschein, welche bis in die 1950er-Jahre hinein die Fahrbahn der Seestrasse bedeckten.

Dies entging auch einer ZSZ-Leserin nicht. In der Folge erkundigte sie sich, was denn nun mit den Steinen passiere. Die Antwort, nämlich, dass die fast 100-jährigen Pflastersteine zu Kies zermalen werden, gefiel der Frau jedoch nicht. Um die geschichtsträchtigen Steine vor der Zerstörung zu bewahren, nahm sie Kontakt mit der Firma Kuster Steinbrüche AG aus Freienbach auf.

Aufwändige Reinigung

Hanspeter Kuster, Geschäftsführer der Kuster Steinbrüche AG, bestätigt den Kontakt mit der ZSZ-Leserin. Wie er sagt, wäre er auch bereit gewesen, die Steine vor Ort abzuholen und bei sich einzulagern.«Man hätte die Steine für die Restauration von historischen Gebäuden und Plätzen gut brauchen können.»

«Man hätte die Steine für die Restauration von historischen Gebäuden und Plätzen gut brauchen können.»Hanspeter Kuster, Geschäftsführer der Kuster Steinbrüche AG

«Wir haben selber ein ganzes Lager voller solcher Steine, die kaum auf Interesse stossen», entgegnet derweil Thomas Maag, Mediensprecher der kantonalen Baudirektion. Ausserdem müssten die Steine vor einer Einlagerung oder einer möglichen Wiederverwendung aufwändig gereinigt werden, da diese vom Asphalt völlig geschwärzt seien. Für die Kiesherstellung dagegen könne man die Steine, so wie sie seien, direkt weiterverwenden.

«Auch Kies ist nachhaltig»

Ebendiese Haltung kritisiert Kuster. «Es ist schade, dass der Kanton die Kosten höher gewichtet, als die Nachhaltigkeit.»Als Paradebeispiel dafür, wie es eigentlich gehen könnte, nennt Kuster den Abriss des ehemaligen Zürichsee-Zeitung-Gebäudes an der Seestrasse in Stäfa. Der dort zuständige Unternehmer habe ihn lange vor den Abrissarbeiten kontaktiert. «So kommt es nun, dass ein Kalksteinsockel aus der einstigen ‹Buechdrucki› demnächst in der Stadt Zürich für eine Mauer wiederverwendet wird.»

Ähnliches hätte auch mit den Pflastersteinen von Herrliberg passieren können, ist Kuster überzeugt. Voraussetzung hierfür wäre allerdings gewesen, dass die unterschiedlichen Belagsschichten und Steine bei den Bauarbeiten voneinander gesondert worden wären. «Im eng getakteten Bauplan des Kantons bleibt dafür aber leider keine Zeit.»

Dem widerspricht man bei der kantonalen Baudirektion denn auch nicht. Es handle sich um eine einfache Interessenabwägung: «Bei einer Kantonsstrasse mit einem derart hohen Verkehrsaufkommen wie es bei der Seestrasse der Fall ist, ist es unser oberstes Ziel, die Verkehrseinschränkungen so kurz wie möglich zu halten», erklärt Thomas Maag. Daher sei es im Normalfall keine Option, die Steine gesondert zu bergen. Weshalb Kies, das im Gegensatz zu den Pflastersteinen direkt wieder im Strassenbau verwendet werden könne, weniger nachhaltig sei als der Erhalt der Steine, versteht der Mediensprecher hingegen nicht. «Was zählt ist, dass das Material recycelt wird.»

Erstellt: 07.06.2019, 15:35 Uhr

Das zweite Leben der Stäfner Quarzsteine

Im April 2017 hat die Gemeinde Stäfa das Gebiet um den Schiffsteg erneuert. So wurde die Hafenmole in mühevoller Handarbeit mit Quarzsteinen gepflästert. Bei den Steinen handelte es sich um Second-Hand-Produkte. Das heisst, sie wurden zuvor bereits einmal verwendet. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts bildeten sie nämlich den Deckenbelag der Seestrasse. Nach ihrem Ausbau wurden die Steine vom Kanton in einem Lager zwischen Ürikon und Hombrechtikon aufbewahrt. Bis zu jenem Tag, als sich die Gemeinde Stäfa für ihr Projekt danach erkundigte. Sozialhilfeempfänger reinigten die Pflastersteine in Handarbeit, bevor sie auf dem beliebten Platz schliesslich in frischen Glanz erstrahlten. (fse)

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles