Männedorf/Uetikon

90 Stimmen singen den Wiener Swing

Der Belcantochor Männedorf-Uetikon präsentiert mit den Swissair Voices unter der Leitung von Claudio Danuser Lieder im Dreiviertel Takt.

Probe des Belcanto Chors und der Swissair Voices mit Dirigent Claudio Danuser in Uetikon.

Probe des Belcanto Chors und der Swissair Voices mit Dirigent Claudio Danuser in Uetikon. Bild: Michael Trost

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Eine Woche vor dem grossen Auftritt wird noch fleissig geprobt. An diesem Samstag im Franziskus-Zentrum in Uetikon. 90 Männer und Frauen unterschiedlichen Alters sitzen im Halbkreis in vier Stimmen eingeteilt: Sopran, Alt, Tenor und Bass.

Noch sitzt der Chor, weil Claudio Danuser mit seinem Ensemble an einzelnen Sätzen wie diesem feilt: «Lasst ihn uns preisen, in Walzerweisen….» aus Johann Strauss’ «Geschichten aus dem Wienerwald» - wieder und wieder lässt der Uetiker Dirigent die Stimmen einzeln und dann im Plenum den richtigen Ton im für den Wiener Walzer so typischen Dreivierteltakt treffen. Eine Kunst, wie die Hörprobe beweist, doch das penible Üben trägt Früchte: Die 90 Stimmen intonieren im selben Augenblick den richtigen Ton. Auch bei der Aussprache lässt Danuser nicht locker und fordert Konzertration, Schludrigkeit lässt er nicht durchgehen. Wobei er stets mit dem nötigen Quantum Humor anzuspornen versteht. Die Freude und der Spass überwiegen an diesem Probenbesuch.

Drittes Projekt

Dann, eine Handbewegung Danusers und der Chor richtet sich auf und wagt den ganzen Durchlauf des Liedes. Musikalisch am Klavier unterstützt von Sevill Klöti, die nicht müde wird, auf Anweisung immer von Neuem anzusetzen. Was so leicht daherkommt, birgt im raschen Tempowechsel zwischen laut und rhythmisch und leise und langsam seine Tücken. Doch wenn alle so singen, wie der Meister es wünscht, dann ertönt purer Wiener Schmäh, der einen dahin schmelzen lässt.

Eigentlich sind es zwei Chöre, die für einen Auftritt bereits zum dritten Mal zusammenspannen. Im Juni letzten Jahres war das immerhin in der Zürcher Tonhalle Maag mit den Zürcher Symphonikern und Mozarts «Krönungsmesse». Da ist der erst seit 2018 bestehende Belcantochor Männedorf-Uetikon mit seinen rund 40 Mitgliedern, der wiederum ebenfalls aus zwei Chören entstanden ist. Nämlich aus dem Zusammenschluss des MännedorfChors mit dem Uetiker Gemischten Chor. Beide konnten wegen ungenügender Mitgliederzahl keine Projekte mehr realisieren und wagten daher die Union als Überlebensstrategie. Für das bevorstehende Konzert vom 19. Januar in Männedorf (am 18. Januar in Kloten) unter dem Titel «Wiener Zauber» hat sich der 50-köpfige Chor der Swissair Voices dazu gesellt. Dies, weil sie ebenfalls unter Claudio Danusers Leitung stehen. Zusammen ergibt das die eingangs erwähnten 90 Stimmen, deren Klangvolumen sich hören lassen kann und das Herz des Chorleiters höherschlagen lässt.

Stücke mit Tiefgang

Danuser, selbst Vollblutmusiker und seit diesem Jahr Leiter der Opera Engiadina, liebt grosse Chöre. Und da der 61-Jährige regelmässig als Gastdirigent bei den Zürcher Symphoniker auftritt, wird das Orchester die Musik fürs Wiener Programm liefern. «Da wir ein weltlicher Chor sein wollen», sagt Danuser in der Pause und meint, geistliche Chöre gäbe es am Zürichsee schon genug, «haben wir uns diesmal für Operettenlieder entschieden.» Denn Walzer und Operetten kämen aus dem gleichen Kulturraum. Neben Werken aus der Feder von Johann Strauss wird auch ein Lied aus Carl Millöckers «Bettelstudent» und Ralph Benatzkys «Im weissen Rössel» zu hören sein. Das Genre der Operette sei nicht einfach fröhlich und oberflächlich, sondern Operetten hätten Tiefgang, obschon sie nie tragisch seien: «Nicht selten werden darin die kleinen Schwächen und Unzulänglichkeiten des Menschen aufs Korn genommen», erklärt Danuser, und zwar immer mit einem Augenzwinkern.

Zu den ganz grossen Operetten gehört nach Danusers Ansicht «Die Fledermaus». Nicht von ungefähr führe die Wiener Staatsoper dieses Werk von Johann Strauss als einzige Operette in ihrem Repertoire. Und zwar wegen der grossartigen Finale. Mit jenem des 2. Aktes, das bekannte «Brüderlein und Schwesterlein», rundet der zweiteilige Chor denn auch sein Wiener Programm ab. Jeder Ton sitzt, man wiegt sich in der allzu bekannten Melodie und lässt sich einfach forttragen.

Wiener Zauber ertönt am Samstag, 18. Januar (20 Uhr) in der ref. Kichre Kloten; am Sonntag, 19. Januar (17 Uhr) im Gemeindesaal Männedorf. Vorverkauf unter 076 721 49 82 und www.srvoices.ch.

Erstellt: 13.01.2020, 13:31 Uhr

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