Obergericht

42-Jähriger muss nach Messerattacke an Oetwiler Chilbi ins Gefängnis

Ein 42-Jähriger soll an der Oetwiler Chilbi einen Mann mit einem Messer verletzt haben. Das Obergericht verurteilte den Serben zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 28 Monaten – sechs davon muss der Familienvater absitzen.

Tatort Chilbi: Vor zwei Jahren eskalierte ein Streit zwischen zwei Männern am Oetwiler Chilbiwochenende.

Tatort Chilbi: Vor zwei Jahren eskalierte ein Streit zwischen zwei Männern am Oetwiler Chilbiwochenende. Bild: Symbolbild/Archiv ZSZ

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Ist im Dorf Chilbi, bleibt kaum jemanden zuhause. Geht es nach dem Obergericht sollte ein 42-Jähriger Serbe aus dem Bezirk Meilen künftig aber lieber genau dort bleiben. Dies weil der Familienvater 2015 an der Oetwiler Chilbi einen Bosnier mit einem Messer am Hals verletzt haben soll. Es war nicht das erste Mal, dass der Mann straffällig wurde: Bereits als 18-Jähriger hatte er mit einem weiteren Täter ein Mann an der Chilbi Meilen lebensgefährlich verletzt.

Für seine Messerattacke musste sich der Serbe am Freitag vor dem Obergericht verantworten. Sowohl der Beschuldigte als auch die Staatsanwaltschaft hatten das Urteil des Bezirksgericht Meilen weitergezogen.

Die Situation dürfte jeder Chilbibesucher kennen: Man trifft sich mit Freunden und Bekannten im Festzelt und genehmigt sich einen Umtrunk. Auf das erste Getränk folgt vielleicht ein zweites und so kommt unweigerlich einmal der Moment, an dem der Gang zur Toilette nötig wird. So ging es auch dem Beschuldigten. Während seines Besuchs auf dem mobilen WC hat der betrunkene Mann an die Wand des danebenliegenden WC-Häuschens gepoltert. Der Mann in der Toilette begann daraufhin auf serbisch zu fluchen. So soll er etwa «fick deine Mutter» gerufen haben.

Lange Schnittwunde am Hals

Die Beleidigung liess beim Angeklagten alle Sicherungen durchbrennen. Als der fünf Jahre ältere Bosnier die Toilette verliess, packte er diesen und drückte ihn gegen die Wand des WC-Häuschens. Dann soll er ein Klappmesser gezückt und seinem Opfer die Klinge an den Hals gesetzt haben. Schliesslich soll er den Widersacher in den Hals geschnitten haben, zwar nur einen Milimeter tief, aber auf einer Länge von neun Zentimetern. Erst als die Ehefrau des Opfers sich einmischte und die dreijährige Tochter zu weinen begann, sei der Heisssporn schliesslich zur Vernunft gekommen und habe von seinem Kontrahenten abgelassen.

Erst als die Ehefrau des Opfers sich einmischte und die dreijährige Tochter zu weinen begann, sei der Heisssporn zur Vernunft gekommen.

Wie schon vor der Bezirksgericht Meilen bestritt der 42-Jährige auch am Feitag vor dem Obergericht die Tatsache an jenem Abend ein Messer dabei gehabt zu haben. «Ich laufe doch nicht mit einem Messer herum.» Es treffe zwar zu, dass er den Mann, den er flüchtig kannte, gegen die Toilettenwand gedrückt habe. Wo und wie sich dieser verletzt habe, konnte sich der Beschuldigte jedoch nicht erklären.

Anwalt forderte Freispruch

Das Bezirksgericht Meilen verurteilte den Familienvater vor rund einem Jahr wegen Gefährdung des Lebens zu einer 24-monatigen bedingten Freiheitsstrafe. Aus der Sicht des Staatsanwalts eine eindeutig zu milde Strafe. Er beantragte am Freitag denn auch, der Beschuldigte sei wegen eventualvorsätzlicher schwerer Körperverletzung zu einer 34 monatigen Freiheitsstrafe – 12 Monate Gefängnis, den Rest bedingt – zu verurteilen. «Es handelt sich eindeutig nicht um ein Gefährdungs- sondern um ein Verletzungsdelikt», argumentierte der Staatsanwalt. Zudem habe der Beschuldigte mit seinem Handeln in Kauf genommen, sein Opfer weitaus gravierender zu verletzen.

«Es handelt sich eindeutig nicht um ein Gefährdungs- sondern um ein Verletzungsdelikt.»Staatsanwalt

Währenddessen plädierte der Anwalt des Beschuldigten auf einen Freispruch. Sein Mandant sei wenn, dann höchstens nach dem Tatbestand einer Tätlichkeit oder einer leichten Körperverletzung zu verurteilen. In seinen Ausführungen zweifelte der Verteidiger stark an den Aussagen des Ofpers und dessen Ehefrau. Da es dunkel gewesen sei, habe die Ehefrau gar nicht sehen können, ob der Beschuldigte ein Messer dabei gehabt habe.

Keine Bagatelle

Der Anwalt argumentierte zudem, die Verletzung des Opfers könne auch von den Fingernägeln des Beschuldigten herrühren.In diesem Zusammenhang forderte der Verteidiger seinen Mandanten denn auch auf, dies an seinem eigenen Hals einmal vorzumachen. «Das Opfer kann sich aber auch im Gerangel an einer scharfen Kante des WC-Häuschens verletzt haben», ergänzte der Verteidiger. Er stellte deshalb die Anträge, wonach ein Augenschein vor Ort oder eine Rekonstruktion des Tathergangs vorzunehmen sei.

Das ausführliche Plädoyer des Verteidigers vermochte das Gericht am Freitag nicht zu überzeugen. Es verurteilte den Chilbi-Streitbold zu einer einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 28 Monaten, wovon sechs im Gefängnis abzusitzen sind. «Was zum Schluss passierte, war vergleichsweise wenig. Dennoch handelt es sich keinesfalls um eine Bagatelle», betonte der Gerichtspräsident. Das Strafmass sei als Warnschuss zu verstehen. «Bekommen Sie ihre Selbstbeherrschung in den Griff.»

Erstellt: 18.01.2019, 16:46 Uhr

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