Labortechnik

«Ein Frauenanteil von 27 Prozent ist für eine Ingenieursfirma respektabel»

Für den neuen Tecan-CEO Achim von Leoprechting ist Männedorf das Herz des Unternehmens. In den letzten fünf Jahren wurde der Personalbestand am Zürichsee um einen Viertel erhöht.

Im Bereich Genomik sieht der neue Tecan-Konzernchef Achim von Leoprechting einen der Hauptwachstumstreiber für die Industriegruppe.

Im Bereich Genomik sieht der neue Tecan-Konzernchef Achim von Leoprechting einen der Hauptwachstumstreiber für die Industriegruppe. Bild: Sabine Rock

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Herr von Leoprechting, Ihr Vorgänger David Martyr hat Tecan auf einen starken Wachstumskurs gebracht und die Profitabilität deutlich erhöht: Sie treten in grosse Fussstapfen...
Wir haben grosse Fortschritte in bezug auf die Entwicklungs- und operativen Prozesse sowie die Einführung von neuen Produkten im Markt gemacht. Aber natürlich konzentrieren wir uns auch weiterhin auf das Wachstum von Tecan, insbesondere in Bereichen wie der Genomik oder der Massenspektrometrie. Wir sehen global noch viel Wachstumspotenzial.

Sie leiten als CEO von Tecan weiterhin das Partnergeschäft, bei dem Tecan Diagnostikinstrumente oder Komponenten dafür an Kunden liefert, die diese dann unter ihrem eigenen Namen vermarkten: Lässt sich eine solche Doppelbelastung überhaupt vertreten?
Das lässt sich im Moment sehr gut abbilden, da wir in den letzten Jahren auch im Partnergeschäft ein sehr starkes Führungsteam aufgebaut haben. Dieses Führungsteam ist weitgehend autonom. Meine Rolle bsechränkt sich im wesentlichen auf die Betreuung von grossen Konzernkunden im Diagnostikbereich. Dieser Zeitaufwand ist überschaubar. Ich werde in den nächsten Monaten aber eine Entscheidung treffen, die Stelle in der Form wieder zu besetzen und die Doppelbelastung aufzugeben.

Bis wann genau erwarten Sie einen Entscheid?
In der Regel braucht es für einen solchen Prozess, bei dem sowohl eine interne, als auch eine externe Lösung möglich ist, einige Monate bis zu einer Entscheidung. Ich gehe davon aus, dass spätestens Ende Jahr eine solche Lösung vorliegt.

«Wir arbeiten unter anderem eng mit der Hochschule für Technik in Rapperswil-Jona zusammen».Achim von Leoprechting, CEO Tecan, Männedorf

Eines der wichtigsten Themen, die ihre Industrie in den kommenden Jahren beschäftigen wird, ist die Gensequenzierung: Um was genau geht es dabei?
Die Sequenzanalyse ist eines der am stärksten und schnellsten wachsenden Anwendungsgebiete im Bereich Genomik, also der Genanalyse. Der Hintergrund ist der, dass man vor allem Patienten immer individueller diagnostizieren und therapieren möchte. Gerade in der Krebsdiagnostik und -erforschung sowie der Infektionsbiologie ist die Gensequenzierung besonders vielversprechend. Für Tecan handelt es sich dabei um eines der grössten Marktsegmente. Wir arbeiten nicht nur im direkten Produktebereich mit vielen Universitäten, Grosslabors und klinischen Forschungsinstituten an der Automatisierung des Workflows, sondern auch im Partneringbereich mit den Kunden an der Umsetzung im klinischen Bereich.

Stimmt es, dass in den vergangenen Jahren die US-Zulassungsbehörde im Bereich Lebensmittel und Arzneimittel, die FDA, schon ein paar Mal in Männedorf zu Gast war: Was war der Grund?
Das war reine Routine. Alle Produktionsfirmen, inklusive Tecan und ihre Standorte, die medizinisch zugelassene Pprodukte in Verkehr bringen und unter FDA-Regularien stehen, werden regelmässig kontrolliert. Das gilt im übrigen auch für andere Zertifizierungsbehörden. Und was uns besonders stolz macht, ist die Tatsache, dass sämtliche Kontrollen ohne jegliche Beanstandungen über die Bühne gegangen sind. Das ist aussergewöhnlich.

«Besonders stolz bin ich auf die Diversität unserer Belegschaft.»Achim von Leoprechting, CEO Tecan, Männedorf

Wie sehen Sie die Zukunftsperspektiven für den LabTech-Standort am Zürichsee: Immerhin wurde hier das Pipetting Valley aus der Taufe gehoben. Im Laufe der Zeit sind aber die meisten Hersteller verschwunden - mit Ausnahme von Tecan.
Ich sehe das etwas anders. Was die kommerziellen Anbieter am See betrifft, so hat tatsächlich eine marktgetriebene Konsolidierung stattgefunden. Dazu gehört allen voran die von uns vor drei Jahren übernommene Sias in Hombrechtikon, aber auch andere kleine Anbieter. Neben uns gibt es heute noch die HSE in Hombrechtikon, ein Spin-off der Qiagen gleichenorts. Tecan ist aber sehr engagiert in der Weiterentwicklung von spezifischen Fähigkeiten in der Laborautomatisation am Standort Männedorf. Wir arbeiten unter anderem eng mit der Hochschule für Technik in Rapperswil-Jona zusammen. Wir haben auch einen guten Austausch mit der ETH in Zürich. Da entwickeln wir nicht nur Ingenieure für ihre beruflichen Karrieren, sondern führen auch umfassende Kollaberationsprogramme mit diversen Institutionen.

Wie hat sich der Standort Männedorf entwickelt?
Wir sind in den letzten fünf Jahren personalmässig am Zürichsee um etwa einen Viertel gewachsen und zählen heute über 600 Mitarbeitende. Das zeigt den hohen Stellenwert unseres Hauptsitzes. Wir sehen ihn als Herz des gesamten Unternehmens und der Interaktion mit unseren Kunden. Besonders stolz bin ich auf die Diversität unserer Belegschaft. Mittlerweile sind wir bei einem Anteil von 27 Prozent Frauen, was für eine Ingenieursfirma äusserst respektabel ist. Und wir sind mit 37 Nationalitäten hier in Männedorf auch sehr international aufgestellt.

Erstellt: 24.04.2019, 14:21 Uhr

Zur Person

Achim von Leoprechting trat im Oktober 2013 als Mitglied der Konzernleitung bei Tecan ein und leitete seither die Division Partnering Business (OEM-Geschäft). Als Nachfolger des aus Altersgründen ausscheidenden David Martyr wurde von Leoprechting auf den 1. April 2019 zum neuen CEO der Männedörfler Industriegruppe ernannt. Bis ein Nachfolger gefunden ist, wird der promovierte Biologe zudem das OEM-Geschäft weiter leiten. Der 50-jährige Deutsche verfügt über 20 Jahre Erfahrung in verschiedenen Führungspositionen im Life-Science-Sektor.

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