Stäfa

25-Jähriger darf nach Drohungen Stäfa nicht mehr betreten

Seine wüsten Drohungen sorgten für Angst im Gemeindehaus. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft einen 25-jährigen Syrer zu einer unbedingten Geldstrafe verurteilt. Zudem wurde ein Rayonverbot ausgesprochen.

Mehrere Monate lang wurde der Eingang des Gemeindehauses Stäfa von einem Sicherheitsdienst kontrolliert.

Mehrere Monate lang wurde der Eingang des Gemeindehauses Stäfa von einem Sicherheitsdienst kontrolliert. Bild: Archiv Patrick Gutenberg

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Er werde ihn nach Feierabend abpassen und ihn «so behandeln, dass er sein Gesicht nicht wiedererkennen könne». So konkret waren die Drohungen eines 25-Jährigen im Frühling gegen einen Mitarbeiter der Gemeinde Stäfa.

Sinngemäss habe er auch gesagt, er werde das Gemeindehaus abfackeln, heisst es im rechtskräftigen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland. Aufgrund der Drohungen hatte die Gemeinde im Frühling diverse Sicherheitsmassnahmen ergriffen. Unter anderem war längere Zeit ein Sicherheitsangestellter am Eingang postiert.

Streit um Wohnung

Hintergrund der Drohungen, die der junge Syrer ausgestossen hatte, war ein Wohnungswechsel seiner Eltern, den die Gemeinde bestimmt hatte. Der Mann selber ist als vorläufig aufgenommener Flüchtling in Winterthur gemeldet. Der Strafbefehl beschreibt detailliert, was diesen Frühling passiert ist. Demnach rief der Beschuldigte am Vormittag des 15. März bei der Sozialbehörde an und forderte «in lautem Tonfall», dass ihm die neue Wohnung gezeigt werde. Nur wenige Minuten später tauchte der 25-Jährige im Gemeindehaus auf.

«Ich habe vor niemandem Respekt, die Polizei soll nur kommen.»Beschuldigter.

Er trat nahe an den Angestellten heran, der sich mit einer Kollegin im Büro befand. Der Mitarbeiter musste sich eine primitive Schimpftirade anhören. Mehrmals schlug der Beschuldigte mit der Hand auf die Theke. Als die Angestellten die Polizei rufen wollten, flippte der aggressive 25-Jährige aus. «Ich habe vor niemandem Respekt, die Polizei soll nur kommen», entgegnete er. Dem Gemeindemitarbeiter gelang es, den Wütenden durch Gesten und Worte aus dem Büro zu bugsieren.

Gemäss Strafbefehl plusterte sich der Beschuldigte im Gang auf, zog seine Jacke aus und krempelte das T-Shirt hoch. Damit habe er zeigen wollen, dass er bereit sei Gewalt anzuwenden. Erneut sagte er, er habe keinen Respekt vor Anderen. Er werde jeden Tag wiederkommen und «Party machen». Trotz der Drohungen, musste er das Gemeindehaus unverrichteter Dinge verlassen.

Mehrfach bedroht

Der Tag, der die Situation eskalieren liess, folgte zweieinhalb Wochen später. Am 2. April, die Eltern hatten die neue Wohnung mittlerweile bezogen, begab sich die Mutter ins Gemeindehaus. Offenbar beschwerte sie sich beim gleichen Angestellten über die neue Wohnung. Was genau damit nicht stimmte, wird im Strafbefehl nicht erläutert. Plötzlich traten bei der Frau gesundheitliche Probleme auf.

Nun erschien erneut der Sohn. Er trat aggressiv auf, fragte den Angestellten provokativ, was er mit seiner Mutter gemacht habe. Dann spuckte er in Richtung des Mitarbeiters, verfehlte ihn aber. In Gegenwart von Gemeindepolizisten kam es zu den anfangs erwähnten Drohungen gegen den Gemeindeangestellten. Er wiederholte diese mehrfach, auch das sinngemässe Abfackeln des Gemeindehauses.

Nachdem der Beschuldigte das Areal verlassen hatte, wurde auf der Verwaltung des Geschehene besprochen. Dabei wurde der Mitarbeiter zum ersten Mal über die Drohungen gegen ihn informiert. Die Staatsanwaltschaft hält fest, dass dieser ernsthaft befürchten musste, dass der junge Syrer gewalttätig werden würde.

Noch am selben Tag verhaftete die Polizei den Aggressor. 23 Tage verbrachte dieser in Untersuchungshaft. Nach seiner Entlassung veranlasste die Gemeinde Stäfa die Sicherheitsmassnahmen. Einige Wochen später hiess es, die Lage habe sich beruhigt, die Massnahmen hätten gewirkt.

Nicht unwesentlich dazu beigetragen haben dürfte ein bestehendes Rayonverbot. Auch wenn seine Eltern dort wohnen, darf der junge Mann Stäfa nicht mehr betreten. Auch strafrechtlich haben die Vorfälle Folgen für den 25-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft belegt ihn mit einer unbedingten Geldstrafe von 105 mal 30 Franken. Die 23 Tage in Haft werden davon abgezogen, 2460 Franken muss der Beschuldigte zahlen.

Erstellt: 23.08.2019, 17:46 Uhr

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