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Mehr als nur weltmeisterliche Töffs

Suter Industries AG entwickelt und produziert in Turbenthal Motorräder für Weltmeister. Auch Schauspieler Keanu Reeves war deshalb zu Besuch im Tösstal. Die Firma will aber auch in anderen Branchen zum Vorreiter werden. Etwa im Recycling.

Prominenter Besuch: Hollywood-Star Keanu Reeves gibt sich die Ehre und posiert mit den Suter Mitarbeitenden.
Prominenter Besuch: Hollywood-Star Keanu Reeves gibt sich die Ehre und posiert mit den Suter Mitarbeitenden.
zvg

Wie römische Büsten stehen die Suter-Motoren auf den Sockeln in den Gängen des Firmensitzes in Turbenthal. Metall statt Marmor, Zylinder statt Cäsar, gebaut für Gladiatoren der Gegenwart: Rennfahrer. Der Turbenthaler Firmengründer Eskil Suter war vor 20 Jahren auch ein solcher.

Heute ist er erfinderischer Konstrukteur. Aus der Not geboren: «Weil wir in den Neunzigern als Schweizer Team für Sponsoren nicht attraktiv waren, mussten wir jeweils unseren Privattöff an die Rennen mitnehmen und selber entwickeln.» Als Suter seine Karriere 1998 beendete, war dies der Startschuss für das eigene Unternehmen. Er und sein Bruder Simon entwickelten weiterhin Teile für Motorräder. «Das Wissen und Netzwerk dazu war ja bereits vorhanden», sagt Suter.

Die Suter Industries AG in Turbenthal ist vielen ein Begriff – schliesslich produziert sie unter anderem Motorräder für Weltmeister.
Die Suter Industries AG in Turbenthal ist vielen ein Begriff – schliesslich produziert sie unter anderem Motorräder für Weltmeister.
Madeleine Schoder
Firmengründer Eskil Suter ist stolz auf seine Firma. Motorräder faszinierten ihn schon immer.
Firmengründer Eskil Suter ist stolz auf seine Firma. Motorräder faszinierten ihn schon immer.
Madeleine Schoder
Eine Firma mit internationaler Reputation lockt zuweilen auch Prominenz an. Vor zwei Monaten war Hollywood-Star und Motorrad-Fan Keanu-Reeves zu Gast in Turbenthal und posierte bereitwillig mit dem ganzen Suter-Team.
Eine Firma mit internationaler Reputation lockt zuweilen auch Prominenz an. Vor zwei Monaten war Hollywood-Star und Motorrad-Fan Keanu-Reeves zu Gast in Turbenthal und posierte bereitwillig mit dem ganzen Suter-Team.
zvg
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Mit Kupplung durchgestartet

Der gelernte Zimmermann hat sich das Wissen «primär autodidaktisch» angeeignet, wie er selber sagt: «Schon von klein auf faszinierten mich Motorräder.» Ihr erster Coup war eine neuartige Kupplung, die einen sanfteren Übergang bei abruptem Runterschalten ermöglicht. Es ist bis heute und nach über 350 Grand-Prix-Siegen eines der wenigen Suter-Produkte, die auch für Privatpersonen und ihre Strassenmaschinen käuflich sind. Ein weiteres ist die Suter MMX500, eine Zweitakt-Rennmaschine mit knapp 200 Pferdestärken bei 129 Kilogramm Gewicht. Das Motorrad ist auf 99 Stück limitiert und kostet 129 000 Franken.

«Der Kopf des Unternhemens wird immer in Turbenthal bleiben.»

Eskil Suter

Der Grossteil der Arbeit sind aber unterdessen komplexe Engineering-Aufträge aus der Industrie. Suter beschäftigt so mittlerweile 40 Mitarbeiter. «Wir wollen möglichst viel im Haus machen, da wir gerade durch den Rennsport jeweils sehr schnell reagieren können», sagt Suter. «Von der Designskizze bis zum fertigen Motor» steht auf der Präsentationsfolie, die an die Wand des Sitzungszimmer projiziert ist.

Im Erdgeschoss fräsen derweil CNC-Maschinen aus Aluminiumblöcken Chassis, Hinterradschwingen und Steuerköpfe. In der Werkstatt nebenan werden die Komponenten zusammengeschweisst, wenige Meter entfernt dann zusammenmontiert. Die Motorenprüfstände, vier Zellen mit dicken Wänden, befinden sich im Keller. Darin sind diverse Motoren, an denen allerlei Kabel und Gerätschaften hängen. In dieser Testanlage können die Maschinen bereits auf bestimmte Rennstrecken abgestimmt werden. An einer der Türen hängt ein Plan der «Isle of Man»-Rennstrecke.

Hollywood-Star im Tösstal

International bekannt geworden ist Suter vor allem durch seine Grand-Prix Erfolge in der Moto2-Klasse. Drei Jahre in Folge gewann Suter Racing den Konstrukteurstite l in der Moto2-Klasse und 2012 durch den Spanier Marc Marquez gar den Fahrertitel. Nach einer zweijährigen Pause in der Rennserie hat das Turbenthaler Unternehmen für die neuen Saison wieder Fahrer mit ihrer Maschine ausgerüstet. Darunter auch den Schweizer Fahrer Dominique Aegerter. «Unsere DNA ist und bleibt ganz klar der Motorsport», sagt auch Philippe Soutter, Personal- und Marketingchef.

«Keanu Reeves trinkt gerne Appenzeller.»

Philippe Soutter, Personal- und Marketingchef

Deshalb tauchte vor gut zwei Monaten auch ein prominenter Gast für ein paar Tage auf dem Firmengelände auf: Hollywood-Schauspieler Keanu Reeves. Viel lässt sich über den Besuch nicht in Erfahrung bringen. Soutter sagt: «Reeves ist ein absoluter Töfffreak. Er trinkt gerne Appenzeller. Vor allem baut er mit seiner Firma Arch Motorcycles selber coole Maschinen und er ist an einer technischen Kooperation interessiert.» Ob es zu einer Zusammenarbeit kommt, ist derzeit aber noch unklar. «Vermutlich schon», sagt Soutter.

Jetzt wird «the Tösstal» international bekannt...

Der prominente Töff-Fan macht das Tösstal weltberühmt:

Natürlich ist auch Ayako Ueda - «I love Cats, Movies, and Keanu Reeves? I'm tweeting Keanu's information» - der Besuch von Keanu Reeves nicht entgangen.

Motorisiertes Surfbrett

Seine Lösungen will Suter nun aber auch vermehrt abseits der Rennstrecke anbieten. , sagt Suter. Ein solches marktreifes Projekt ist etwa der Airgrinder, ein Art kontrollierter Tornado innerhalb eines Silos, der Abfall innerhalb von wenigen Sekunden zerhäckseln und gleichzeitig trocknen kann. Oder eine Folie, die Solarzellen morgens und abends leistungsfähiger machen soll.

«Irgendwann hat man den Rennsport ein wenig gesehen und möchte auch den Planeten etwas weiterbringen»

Auch auf dem Wasser ist Suter aktiv: 2010 konstruierte man für das Segelschiff Alinghi ein Hydraulikaggregat für den America’s Cup. Man entwickelt leistungsstarke Motoren für einen PWC-Hersteller und vor Suters Büro steht ausserdem ein Prototyp eines motorisierten Surfbretts.

Ein solches motorisiertes Surfboard befindet sich bei Suter derzeit in Entwicklung (hier ein Konkurrenzprodukt).

«Kopf» soll hier bleiben

90 Prozent aller Produkte exportiert das Unternehmen. Suter findet es schade, wenn die hiesige Industrie «ausgeschlachtet» wird. Ihm ist klar, dass bei seinen Kunden Qualität vor Preis steht: «Wenn ich eine Million für eine Motoren-Entwicklung ausgebe, ist es nicht entscheidend ob er 30 000 Franken günstiger oder teurer ist.» Das schafft aber auch Ansprüche: Man müsse aufgrund des teureren Preises einfach besser als die Konkurrenz sein, sagt Suter. Derzeit baut das Unternehmen einen zweiten Standort in Brandenburg bei Berlin auf. Dort soll vorerst die Fabrikation weniger komplexer Teile ausgelagert werden. Später kommt dann auch noch ein Engineering-Bereich dazu. «Der Kopf aber», sagt Eskil Suter, «wird immer hier in Turbenthal bleiben.»

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