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100 Jahre Boesch MotorbooteLuxus aus Kilchberg

Sie stechen auch ungeübten Betrachtern ins Auge. Die edlen Holzboote der Firma Boesch. Das Traditionsunternehmen kann auf eine lange Geschichte zurückblicken.

Markus Bösch leitet das Unternehmen mit Hauptsitz in Kilchberg bereits in der vierten Generation.
Markus Bösch leitet das Unternehmen mit Hauptsitz in Kilchberg bereits in der vierten Generation.
Foto: Patrick Gutenberg

In der Badi Kilchberg spielen Kinder Fussball, die Erwachsenen liegen auf der Wiese in der Sonne oder schwimmen im See. Vor der Badi treiben einige Motorboote im Wasser. Viele davon glänzen rot-bräunlich in der Sonne. Es sind Boote aus der Kilchberger Bootswerft. Nur ein Maschendrahtzaun trennt die Badi von der Werft.

Während man sich auf der einen Seite des Zauns in der Sonne bräunt, läuft der Betrieb auf der anderen Seite auf Hochtouren. Arbeiter in blauen Poloshirts mit dem geschwungenen Boesch-Schriftzug bringen Boote wieder auf Vordermann oder verschieben die eingelagerten Schiffe mit einem roten Mini-Traktor.

Geeignet für Wasserski

Im Schatten der Halle mit den eingelagerten Booten erinnert sich Markus Bösch, der Geschäftsführer vierter Generation, an die Anfänge der Werft. Sein Urgrossvater kam Ende des 19. Jahrhunderts nach Kilchberg. «Er war gelernter Zimmermann. Da er aber nicht schwindelfrei war, suchte er nach einem neuen Job.» Gefunden hat er diesen in der Werft der Familie Treichler, in der er eine Zweitausbildung als Bootbauer absolvierte. Als die Werft 1920 Konkurs ging, übernahm Jakob Bösch die Werft. Das Startkapital dafür erhielt er von der für ihre Schokolade bekannten Familie Sprüngli, welche selber ein Boot der Werft besass.

Boesch-Boote im Einsatz an der Wasserski-EM 1961 in Montreux.
Boesch-Boote im Einsatz an der Wasserski-EM 1961 in Montreux.
Archivfoto: Boesch
Bereits die Boote, die kurz nach dem zweiten Weltkrieg gebaut wurden, erinnern an heutige Boesch-Modelle.
Bereits die Boote, die kurz nach dem zweiten Weltkrieg gebaut wurden, erinnern an heutige Boesch-Modelle.
Archivfoto: Boesch
Die Bootswerft in Kilchberg 5 Jahre nach der Übernahme durch Jakob Bösch.
Die Bootswerft in Kilchberg 5 Jahre nach der Übernahme durch Jakob Bösch.
Archivfoto: Boesch
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Während anfangs noch Segel-, Ruder- und Motorboote gebaut wurden, hat man sich bei Boesch nun seit geraumer Zeit auf die Produktion von Motorbooten spezialisiert. Und das mit Erfolg. Die Boote liegen flach im Wasser und verursachen nur wenig Wellen. Deshalb wurden sie bereits in den 50er-Jahren an Wasserski-Weltmeisterschaften eingesetzt.

Zur selben Zeit wurde die Serienproduktion im Unternehmen eingeführt. 1953 hatte Walter Bösch, der Sohn des Gründers, das Potenzial dieser Arbeitsweise bei einem Besuch der Ford-Werke in den USA erkannt. Statt die Boote nach dem Wunsch der Kunden zu bauen, entstand nun eine Palette von verschiedenen Bootsmodellen. Kurz darauf wurde der Bau von Segelbooten definitiv eingestellt.

Boot aus Mahagoni-Holz

Mit der Serienproduktion verkaufte Boesch zu Spitzenzeiten über 140 Boote pro Jahr. Heute hingegen sind es noch zwischen 15 und 20. «Wir bauen unsere Boote nur noch auf Anfrage», sagt Markus Bösch. Jedes einzelne Boot entsteht in reiner Handarbeit. Bis auf den Motor werden alle Teile hausintern produziert. Seit 25 Jahren werden die Boote auch mit Elektroantrieb angeboten.

Mit dem  B860 wurde die Modell-Palette im Frühjahr um ein Boot erweitert.
Mit dem B860 wurde die Modell-Palette im Frühjahr um ein Boot erweitert.
Foto: Boesch

Die Bootsteile, die mit dem Wasser in Berührung kommen, fertigt die Firma aus Mahagoniholz. «Diese Holzart eignet sich gut für den Bootsbau, da sie sich als Tropenholz an die Feuchtigkeit gewöhnt und somit resistent gegen Fäulnis ist», sagt Bösch. Die restlichen Holzteile werden aus Schweizer Holz gefertigt.

Boote überdauern Generationen

Markus Bösch betritt die Werkstatt, die sich in einem alten weissen Gebäude direkt am See befindet. Als Erstes sticht einem dort eine alte massive Sägemaschine ins Auge. Eine Plakette auf der Maschine verrät, dass sie aus dem Jahr 1929 stammt. Der Geschäftsführer schwärmt: «Wenn Handwerker kommen, um die Maschine zu überprüfen, sagen sie, dass heute niemand mehr so gute Maschinen baut.»

Die Maschine, die früher mit Dampf betrieben wurde, ist allerdings nicht das einzige Langlebige in der Werkstatt: Zwei Boesch-Motorboote stehen daneben. Die Boote sind sehr solide und werden oft über Generationen weitergegeben. Bösch schätzt, dass rund drei Viertel aller gebauten Boote bis heute im Einsatz stehen. Das sind ungefähr 3000 Stück.

Für Reparaturarbeiten kommt es auch vor, dass Kunden ihre Boote aus dem Ausland nach Kilchberg bringen.
Für Reparaturarbeiten kommt es auch vor, dass Kunden ihre Boote aus dem Ausland nach Kilchberg bringen.
Foto: Patrick Gutenberg

Eines der zwei Boote in der Werkstatt steckt unter einer Abdeckung. Das glänzend neue Modell wartet darauf, von seinem Käufer abgeholt zu werden. Es erfüllt den Raum mit dem Duft nach geöltem Holz. In der gegenüberliegenden Ecke steht ein Motorboot mit dem Rumpf nach oben. Ein Bootsbauer haut kaputte Holzteile aus dem Heck. Viele der Kunden bringen ihre beschädigten Boote in die Werft nach Kilchberg. Sogar aus dem Ausland erhalten die Hersteller Boote zur Reparatur.

Bootsbau in Sihlbrugg

Anfangs wurden sie hier nicht nur repariert, sondern auch gebaut. Aus Platzgründen wurde der Bootsbau 1971 aber in die eigens dafür errichtete Produktionsstätte nach Sihlbrugg ausgelagert. Seither bilden Reparatur- und Servicearbeiten die Hauptbeschäftigung in Kilchberg.

Seit der Eröffnung der Produktionsstätte in Sihlbrugg werden in Kilchberg vor allem Service-Arbeiten durchgeführt.
Seit der Eröffnung der Produktionsstätte in Sihlbrugg werden in Kilchberg vor allem Service-Arbeiten durchgeführt.
Foto:Patrick Gutenberg

Die Frage, ob Markus Bösch in seinen Anfangszeiten auch selbst Hand angelegt habe, verneint er. «Was das betrifft, habe ich zwei linke Hände. Wir haben viele Leute im Betrieb, die das wesentlich besser können.» Der heute 49-Jährige trat vor 20 Jahren Vollzeit in das Unternehmen ein. Das zuvor angefangene Maschinenbau-Studium hatte er abgebrochen und Wirtschaft studiert.

Mit der Übernahme der Geschäftsleitung des rund 35-köpfigen Unternehmens ist er in grosse Fussstapfen getreten. Sein Vater Klaus Bösch, Schiffbauingenieur, und sein Onkel Urs Bösch, Maschinenbauingenieur, hatten zuvor das Unternehmen geleitet und neue Boote und Bootsteile selbst entwickelt. Mit vielen Testfahrten, einem Boot mit Plexiglasboden und Kontrastmittel im Wasser hat Urs Bösch zum Beispiel das für Boesch bekannte «Beulenruder» entworfen. Das Lenkruder ist so geformt, dass es den Strömungsabfluss der Propeller möglichst gleichmässig aufnimmt. «Dank des Beulenruders kann der Bootsführer das Lenkrad bei voller Fahrt loslassen, und das Boot fährt trotzdem geradeaus weiter», erklärt Markus Bösch.

Mit goldener Lackierung

Die Handarbeit und Entwicklung der Bootsteile machen die Boote zu dem, was sie sind: Luxusobjekte. Die Qualität macht sich auch in den Preisen bemerkbar. Das kleinste einmotorige Boot ist ab 180’000 Franken zu haben. Der Preis des knapp zehn Meter langen Aushängeschilds «St. Tropez» hingegen beginnt bei 750’000 Franken. Extrawünsche sind in diesen Preisen nicht inbegriffen.

Die goldenen Instrumente von IWC Schaffhausen und die blaue Innenausstattung gibt es nur in Booten der «Century Edition». Hier verbaut in einem B860.
Die goldenen Instrumente von IWC Schaffhausen und die blaue Innenausstattung gibt es nur in Booten der «Century Edition». Hier verbaut in einem B860.
Foto: Patrick Gutenberg

Zum Anlass des hundertjährigen Jubiläums lancierte Boesch eine exklusive, auf 20 Stücke limitierte «Century Edition» ihrer Boote. Die Jubiläumsausgabe beinhaltet unter anderem einen in Goldton lackierten Motor, Instrumente von IWC Schaffhausen und eine nummerierte «Century Edition»-Plakette.

Ganz neue Boote sind gemäss Markus Bösch für die Zukunft allerdings nicht geplant. Erst dieses Jahr ist mit dem B 860 ein neues Model erschienen. Das Potenzial für noch grössere Boote wäre zwar durchaus vorhanden. Bei ungefähr 13 Metern wäre aber Schluss. Das hat mit den Mahagonibäumen zu tun. Länger werden deren Stämme nämlich nicht. «Wir bauen die Aussenhaut unserer Boote aus einem Stück Holz. Nur so erreichen wir die ästhetische Holzmusterung, für die wir bekannt sind.»

Das Video wurde anlässlich des 75-Jährigen Jubiläums im Jahr 1995 veröffentlicht.
Archivvideo: Boesch