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Kryptowährungen für AnlegerLohnt es sich, jetzt Bitcoin zu kaufen?

Der Bitcoin-Kurs bewegt sich seit einigen Wochen wieder auf hohem Niveau. Längerfristig könnte sich eine Investition auszahlen. Kurzfristig eher nicht.

Beim Schürfen von Kryptowährungen werden wie hier in Gondo manchmal Hunderte von Grafikkarten mit hoher Rechenleistung eingesetzt.
Beim Schürfen von Kryptowährungen werden wie hier in Gondo manchmal Hunderte von Grafikkarten mit hoher Rechenleistung eingesetzt.
Foto: Valentin Flauraud (Keystone)

Nebst berechtigter Kritik an Kryptowährungen sind auch immer wieder optimistische Stimmen zu hören. So schrieb beispielsweise Jim Reid, Analyst bei der Deutschen Bank, im kürzlich veröffentlichten Papier mit dem Titel «Imagine 2030», dass Kryptowährungen durchaus zu einem Ersatz für traditionelles Geld werden könnten. Vorteile wie Tempo, geringe Transaktionsgebühr, leichte Handhabung und Sicherheit würden dafürsprechen. Bei der Frage eines Durchbruchs seien nun unter anderem die regulatorischen Hürden in bevölkerungsreichen Ländern entscheidend. Aus China und Indien gebe es ermutigende Signale.

Könnten sich Kryptowährungen tatsächlich als Zahlungsmittel etablieren, wo würde das die Kurse in die Höhe treiben? Allen voran die Leitwährung Bitcoin, die derzeit stark steigt und vergangene Woche fast schon den Rekordwert aus dem Jahr 2017 erreicht hat. Manche Computer-Nerds, die schon kurz nach dem Start im Jahr 2009 Bitcoin gekauft hatten, machten ein Vermögen. Zur Veranschaulichung: Bei der ersten Zahlung gab ein Programmierer in den USA für zwei Pizzas insgesamt 10’000 Bitcoin aus. Heute kostet ein Bitcoin mehr als 15’000 Schweizer Franken.

Kein Grund zur Euphorie

Als Handelsleiter bei der Crypto Broker AG in Zürich beobachtet Patrick Heusser den Markt der Kryptowährungen seit Jahren. Die Crypto Broker AG wickelt für Grosskunden wie Vermögensverwalter oder andere Handelsplattformen Kryptowährungen ab. Er warnt vor kurzfristiger Euphorie bei Bitcoin, denn eine «Überhitzung» sei denkbar. Heusser verweist auf eine grössere Zahl von Kleinanlegern mit gehebelten Produkten. Es kann sein, dass viele von ihnen aussteigen und ihre Kursgewinne kassieren. «Dann kommt es zu kurzfristigen Korrekturen», sagt Heusser. Als zweites Szenario hält er aber auch für möglich, dass sich der Bitcoin an der Grenze von 20’000 Dollar «die Zähne ausbeisst» und anschliessend bei einem Wert zwischen 17’000 und 19’500 Dollar einpendelt.

Nicht wenige Skeptiker raten Anlegern prinzipiell von Kryptowährungen ab und nennen dafür nachvollziehbare Gründe. Einer davon ist die hohe Volatilität: Korrekturen von 30 Prozent sind keine Seltenheit. Die Kursausschläge beim Bitcoin waren in den vergangenen Jahren ein Mehrfaches höher als beispielsweise bei Aktien während der Finanzkrise 2007.

Laut Heusser ist der Bitcoin inzwischen «gesitteter» geworden. Die Häufigkeit dramatischer Kurskorrekturen nehme ab. Zunehmend würden sehr vermögende Kunden, auf risikoreiche Anlagen spezialisierte Fonds und Vermögensverwalter in den Bitcoin investieren. «Das führt neben einem Kursanstieg zu mehr Stabilität.» Wer dem Kursverlauf folgt, stellt aber fest, dass der Bitcoin immer noch sehr volatil ist. So auch vergangene Woche: So fiel der Kurs allein von Mittwoch auf Donnerstag von rund 17’500 auf 15’000 Franken pro Bitcoin.

Öfter zu gut, um wahr zu sein

Ein weiterer Grund, nicht in Kryptowährungen zu investieren, sind die vielen Betrugsfälle. Selbst an Börsen kamen schon riesige Summen abhanden. Es kursiert auch Schadsoftware, die Rechner gezielt nach den geheimen Schlüsseln durchforsten, mit denen sich Konten knacken lassen. Und im Internet versuchen dubiose Gestalten immer wieder naive Anleger übers Ohr zu hauen. «Was zu gut klingt, um wahr zu sein, ist auch tatsächlich nicht wahr», sagt Lucas Betschart, Präsident der Bitcoin Association Switzerland und Gründer der Firma 21 Analytics, die Compliance-Software für den Transfer von Kryptowährungen entwickelt.

Da beide in diesem Geschäft tätig sind, überrascht es nicht, dass Betschart und Heusser längerfristig von einem weiteren starken Kursanstieg des Bitcoin ausgehen. Als wichtiges Argument nennen sie die Verknappung: Es werden je länger, je weniger Bitcoin erstellt. Sobald 21 Millionen Bitcoin erreicht sind, kommen keine neuen mehr hinzu. Das wird voraussichtlich im Jahr 2130 der Fall sein. «Wenn die Notenbanken weiterhin im gleichen Ausmass neues Geld drucken, während der Bitcoin limitiert wird, ist mit einem Kursanstieg zu rechnen», erläutert Betschart.

28 Kommentare
    Sandro Raveane

    Der aktuelle "Krypto - Bullenmarkt" kommt für Viele nicht überraschend.

    Die Muster scheinen sich zu gleichen:

    Start des BTC Netzwerks am 03.01.2009, platzen der 1. Blase Mitte 2011 bei $31.50

    1. Halving am 28.11.2012, platzen der 2. Blase 368 Tage später bei $1178.

    2. Halving am 09.07.2016, platzen der 3. Blase 525 Tage später bei $19800.

    3. Halving am 11.05.2020, platzen der 4. Blase ? Tage später bei $ ?

    Derzeit oft gehört: "Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich." und inzwischen spricht sogar BlackRock von BTC als "Digitales Gold".