Sie bekommt, was sie will

Herzogin Meghan brachte Glamour und frischen Wind in das britische Königshaus. Dass sie nun schon wieder aussteigt, ist nur konsequent.

Was ist denn so schlimm am Leben als Prinzengattin? Meghan und Harry auf Hawaii.

Was ist denn so schlimm am Leben als Prinzengattin? Meghan und Harry auf Hawaii.

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Die Briten sind enttäuscht. «Was ist bloss passiert mit dem zauberhaften Prinzen Harry und Meghan Markle, in die wir uns so verliebt haben?» Das fragt die «Daily Mail» konsterniert, nachdem Prinz Harry und Herzogin Meghan verkündet haben, den royalen Job zu kündigen und finanziell unabhängig zu werden. Sie wollen künftig einen Teil ihrer Zeit in Nordamerika verbringen. Ein Affront gegenüber der Queen, die offenbar von nichts wusste und mit einem dürren Statement in zwei Sätzen reagierte, das keinen anderen Schluss zulässt als: Sie ist sauer.

Ja, was ist bloss aus diesem Paar geworden, das vor mehr als drei Jahren ein royales Märchen lancierte. Da war echte Liebe, Leidenschaft und Rock’n’Roll; und wir waren begeistert. Schon bei der Hochzeit brachen die beiden vor drei Milliarden TV-Zuschauern mit dem Protokoll. Wir fanden es cool, dass Meghan die letzten Schritte durch die St. George’s Chapel, vorbei an Victoria Beckham, George Clooney und Priyanka Chopra, demonstrativ alleine ging – als selbstbestimmte Frau, die niemanden braucht, der sie an der Hand nimmt und zu Harry führt, diesem kleinen rothaarigen Rüpel von einst, der immer irgendwie verloren schien in diesem angepassten royalen Gefüge und nun wirkte, als sei er endlich angekommen. Wir freuten uns für ihn und wussten: Die beiden würden ihre Liebe leben, ihre eigene Identität behalten und sich nichts vorschreiben lassen, nicht zu seelenlosen Marionetten werden wie all die anderen drögen Royals.

Glamour! Aufbruch! Herzogin Meghan und Prinz Harry bei ihrer Hochzeit im Frühjahr 2018. (Bild: Keystone)

Und nun pfeifen die beiden plötzlich auf alles? Dass Meghan die treibende Kraft hinter der Entscheidung war, scheint offensichtlich. Sie war es, die im Herbst in einem TV-Interview den Tränen nahe zugab, sie sei mit dem Leben hinter den Palastmauern überfordert. Sie habe versucht, auf die bösen und teilweise rassistischen Angriffe des britischen Boulevards mit einer «stiff upper lip» zu begegnen, also jenem würdevollen Stoizismus, den man Briten gerne zuschreibt. Hat nicht geklappt.

Nicht nur, dass sie immer wieder mit kleinen Fauxpas auffiel (einmal hatte sie die Fussnägel rot lackiert, ein andermal schlug sie beim Aussteigen die Autotür selber zu), sie musste auch erkennen, dass ein Promi-Leben als einigermassen erfolgreiche Seriendarstellerin in den USA nicht dasselbe ist wie ein Dasein in der bekanntesten Monarchie der Welt.

Bloss: Was ist denn so schlimm am Leben als Prinzengattin? Was macht es so unerträglich, einen Alltag zu führen, in dem man keinen Finger krümmen muss – als Gegenleistung für ein paar Repräsentationstermine bei der Einweihung von Kindergärten und höflichen Tanzeinlagen bei Empfängen in den entfernten Ländern des Commonwealth? Den angenehmen Seiten dieses Daseins scheinen Meghan und Harry jedenfalls keineswegs abgeneigt, ihr Frogmore Cottage in Windsor, in dem sie mit Sohn Archie leben, haben sie für grosszügige drei Millionen Franken renoviert, und zur Baby-Shower-Party kurz vor der Niederkunft flog Meghan mal kurz nach New York zu ihren alten Freundinnen.

Wenig später sieht alles viel düsterer aus: Meghan Markle gesteht, wie unglücklich sie im Königshaus ist. (Video: Youtube)

Und trotzdem beklagt sich die Herzogin nun, sie fühle sich, als würde sie nur existieren, nicht leben. Das Problem: Eine andere Rolle ist für Mitglieder der königlichen Familie nicht vorgesehen. Wer bei den Windsors einheiratet, gibt öffentlich seine Persönlichkeit auf, wird Teil des royalen Personals. Niemand weiss, wer die Queen wirklich ist, was sie denkt und wie sie privat lebt. Und niemand soll es wissen. Die Royals sind eine Art Marionetten; sie tragen unbequeme Hüte und weisse Handschuhe und winken uns aus Kutschen zu. Mit dem echten Leben hat das nichts zu tun – doch darum gehts gar nicht.

Das hat Meghan nun mit dreijähriger Verspätung auch erkannt. Eigentlich ahnten wir schon lange, dass es irgendwann so kommen musste. Wir alle kennen ja Harrys Motto: «What Meghan wants, Meghan gets». Heisst übersetzt, Harry soll tun, was Meghan will. Sie habe Harry komplett im Griff, ätzen die britischen Medien.

Wer von uns würde nicht auch gerne aus den Zwängen der Familie ausbrechen?

Man kann es aber auch so verstehen: Er möchte seine Frau glücklich machen und sie von allem fernhalten, was sie quält. Obwohl es für ihn so viel einfacher wäre, den vorgespurten Weg zu gehen. Harry ist aber genauso wenig konventionell wie seine Frau. Für die meisten Royal-Fans war er schon immer der coolere der beiden Söhne von Lady Di, auch, weil er schon vor Meghan eigenständige Frauen geliebt hat. Weil er gefeiert, gesoffen und auf dem Tisch getanzt hat. Und nun ist er ein Ehemann und Vater, der seiner Frau nicht vorschreibt, was sie zu tun hat, sondern auch auf ihre Wünsche Rücksicht nimmt.

So selbstlos ist das alles vielleicht auch gar nicht. Womöglich ist Meghan ja sein lang ersehntes Ausfahrt-Ticket aus der goldenen Sackgasse des Buckingham Palace. Dass Harry dieses Ticket nun einlöst, zeugt von Mumm. Wer von uns würde nicht auch manchmal gerne aus den Zwängen und Verpflichtungen der Familie ausbrechen? In seinem Fall handelt es sich dabei aber nicht nur um Charles und Camilla, sondern um das ganze Königshaus, die britische Nation, die Regenbogenpresse, die halbe Welt.


Sie sind dann mal weg: Die Hochzeitskleider des Brautpaares.

Natürlich ist es enttäuschend, dass Meghan und Harry nun einen #Megxit hinlegen. Und auch inkonsequent, wenn sie sich das Hintertürchen zu den royalen Annehmlichkeiten offenhalten wollen – ihre Titel als Herzog und Herzogin von Sussex, ihr teuer renoviertes Haus und den royalen Sicherheitsdienst, der jährlich 750’000 Franken kostet, wollen sie gemäss britischen Medien behalten.

«Was ist bloss passiert mit dem zauberhaften Prinzen Harry und Meghan Markle, in die wir uns so verliebt haben?» Vielleicht ist die Frage falsch gestellt. Vielleicht ist mit den beiden gar nichts passiert. Genau genommen sind sie nur konsequent, wenn sie nun erneut mit den Konventionen brechen. Deswegen haben wir uns am Anfang ja in sie verliebt. Vielleicht sind wir nur enttäuscht, dass es nun womöglich aus ist mit uns und unserem Lieblingsmärchenpaar. Und wir mit den verstaubten, seitengescheitelten Royals zurückbleiben.

Erstellt: 09.01.2020, 17:01 Uhr

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