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Arbeitsmarkt im Jahr 2020Kurzarbeit hat Ziel erreicht, verschleiert aber Drama in der Gastronomie

Trotz der schlimmsten Wirtschaftskrise seit den 1970er-Jahren blieb der Schweizer Arbeitsmarkt 2020 relativ stabil. Der Grund ist der starke Einsatz der Kurzarbeit. Die weitere Entwicklung ist mit grosser Unsicherheit verbunden.

Dank Kurzarbeit blieb die Arbeitslosenquote in der Schweiz im Jahr 2020 sogar tiefer als in wirtschaftlich deutlich weniger schlechten Jahren. Beratungsszene in einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV).
Dank Kurzarbeit blieb die Arbeitslosenquote in der Schweiz im Jahr 2020 sogar tiefer als in wirtschaftlich deutlich weniger schlechten Jahren. Beratungsszene in einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV).
Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Als die Corona-Pandemie im März 2020 die Schweiz erreichte, musste man für den Arbeitsmarkt mit dem Schlimmsten rechnen. Von einer Arbeitslosenquote bis zu 5 Prozent war damals die Rede. Die jüngsten Arbeitsmarktzahlen und ein Rückblick auf das Jahr 2020 durch das Staatssekretariat für Arbeit (Seco) machen jedoch deutlich, wie stabil die Lage an den Arbeitsmärkten insgesamt trotz der Krise geblieben ist.

Trotz des grössten Wirtschaftseinbruchs seit 1975 resultiert im Jahresmittel 2020 «nur» eine Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent. Damit blieb sie tiefer als während weniger dramatischer Krisen oder wirtschaftlicher Schwächephasen wie der Dotcom-Krise ab 2002, der Finanzkrise ab 2008 und der Frankenschock-Einbrüche der 2010er-Jahre.

Die Daten zum Dezember zeigen eine Zunahme der Arbeitslosenquote von 3,3 auf 3,5 Prozent. Mit der Corona-Krise hat das aber nichts zu tun. Bereinigt um saisonale Effekte, blieb die Quote unverändert. Dass sich rund 10’000 Personen mehr als im November als arbeitslos gemeldet haben, entspricht laut Boris Zürcher, dem Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco, dem jährlichen Muster, weil im Dezember angesichts der Witterungsverhältnisse etwa weniger gebaut wird.

Bisher keine Entlassungswelle

Die Zunahme der Arbeitslosigkeit hat laut Boris Zürcher auch nicht in erster Linie mit Entlassungen zu tun. In einem gewöhnlichen Jahr würden pro Werktag im Schnitt geschätzte 3000 Personen ihre Stelle in der Absicht eines Jobwechsels aufgeben. Wegen des faktischen Einstellungsstopps der Unternehmen während des Lockdown blieb diesen Menschen dann nur der Gang aufs Arbeitsamt. Die Durchschnittszahlen verdecken allerdings eine deutlich schlimmere Entwicklung in den am härtesten betroffenen Branchen. So lag die Arbeitslosenquote im Gastgewerbe im Dezember bei 9,3 Prozent, verglichen mit 5,1 Prozent im Vorjahr.

Insgesamt haben bis im Oktober 168’000 Betriebe Kurzarbeitsentschädigungen für 1,3 Millionen Beschäftigte bezogen.

Der Grund für die insgesamt relativ milde Entwicklung bei der Beschäftigung ist die Kurzarbeitsentschädigung, die ihren Zweck vollauf erfüllt hat, eine Entlassungswelle zu verhindern. Insgesamt haben bis Oktober 2020 168’000 Betriebe Kurzarbeitsentschädigungen für 1,3 Millionen Beschäftigte bezogen. Die Kosten dafür belaufen sich bisher auf 9,2 Milliarden Franken. Da Abrechnungen erst bis zum Oktober vorliegen, bleibt das genaue Ausmass noch offen.

Gemäss Zürcher nehmen die Neuanmeldungen für Kurzarbeit jüngst wieder zu. Das bedeutet aber erfahrungsgemäss nicht, dass sie auch in jedem Fall beansprucht wird. Schon in den Vormonaten haben Unternehmen vielfach präventiv Kurzarbeit beantragt, dann aber nicht darauf zurückgegriffen.

Für den Januar erwartet man beim Seco einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf rund 3,8 Prozent. Ab der zweiten Jahreshälfte soll sie wieder sinken. Der Arbeitsmarktchef gesteht aber auch ein, dass die Lage sehr unsicher sei. Leidenden Unternehmen empfiehlt er deshalb, auch weiterhin auf Kurzarbeit zu setzen, statt Leute zu entlassen.

7 Kommentare
    BrunoF

    Selbstständig etwas machen ? Mit genügender KreativEnergie kann man das auch beim Staat ohne Risiko machen oder bei der Billag oder im Leutschenbach zB mit Wandern.