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Jetzt wendet sich Woody Allens Ehefrau gegen Mia Farrow

Ein Statement, 26 Jahre später: Soon-Yi Previn wirft ihrer Adoptivmutter vor, sie als Kind misshandelt zu haben.

Woody Allen und seine Frau Soon-Yi Previn auf dem Filmfestival in Cannes im Jahr 2016.
Woody Allen und seine Frau Soon-Yi Previn auf dem Filmfestival in Cannes im Jahr 2016.
Eric Gaillard, Reuters

Soon-Yi Previn, die Ehefrau des Filmemachers Woody Allen, hat sich seit langer Zeit erstmals öffentlich zu den Vorwürfen des Kindesmissbrauchs gegen ihren Mann geäussert. In einem Interview mit dem Online-Magazin Vulture, das am Sonntag veröffentlicht wurde, wies die 47-Jährige alle Anschuldigungen energisch zurück.

Woody Allen, 82, wird von seiner Ex-Freundin, der Schauspielern Mia Farrow, beschuldigt, ihre gemeinsame Adoptivtochter Dylan im August 1992 sexuell missbraucht zu haben, als diese sieben Jahre alt war. Allen bestreitet die Vorwürfe bis heute und wirft Farrow vor, den Missbrauch damals erfunden zu haben, damit er nach ihrer Trennung nicht das Sorgerecht für die drei gemeinsamen Kinder bekomme.

Mia Farrow sei manipulativ und rachsüchtig, sagt Soon-Yi

In dem Interview folgt Soon-Yi dieser Argumentation und stellt Mia Farrow als manipulative und rachsüchtige Persönlichkeit dar: «Mia hat die ‹Me Too'-Bewegung zu ihren Gunsten genutzt und Dylan erneut als Opfer dargestellt. Und so hört jetzt eine neue Generation von diesen Vorwürfen, von denen sie nichts hören sollte.»

Die gebürtige Koreanerin Soon-Yi ist ebenfalls eine Tochter Farrows, die diese mit ihrem zweiten Mann, dem Musiker André Previn, adoptiert hat. «Mia hat sich mir gegenüber nie wie eine Mutter verhalten», sagt Soon-Yi heute. Manchmal habe Farrow sie an den Füssen gepackt und mit dem Kopf nach unten festgehalten. «Sie dachte, dass es mich klüger machen würde, wenn mehr Blut durch meinen Kopf fliesst.» Auch habe sie mit Büchern nach ihr geworfen und sie mit einer Haarbürste geschlagen. Der Missbrauch von Dylan schliesslich sei eine Erfindung gewesen, weil Farrow wütend und eifersüchtig gewesen sei, als Allen ihre Mutter für sie verliess.

Woody Allen und Mia Farrow, zuvor beide zweimal verheiratet, waren von 1980 bis 1992 ein Paar und drehten gemeinsam 13 Filme. Als sie sich kennenlernten, hatte Farrow bereits drei leibliche Kinder aus ihrer zweiten Ehe und drei adoptierte, darunter Soon-Yi. Gemeinsam adoptierten sie und Allen noch Moses und Dylan, dazu kam der vorgeblich leibliche Sohn Ronan. Vorgeblich, weil Mia später in einem Interview andeutete, Ronan könne das Kind eines Seitensprungs mit ihrem ersten Mann Frank Sinatra sein.

Am 13. Januar 1992 fand Farrow sechs Nacktfotos ihrer damals 21-jährigen Adoptivtochter Soon-Yi in Allens Apartment, die sie mit gespreizten Beinen auf einem Sofa zeigen. Es entwickelte sich ein erbitterter Trennungs- und Sorgerechtsstreit zwischen Farrow und Allen. Gerichtlich wurde Allen mangels Beweisen nie des Kindesmissbrauchs belangt, auch wenn im Zuge der Sorgerechtsverhandlung Untersuchungen stattfanden. Mia und Dylan sagten in diesem Prozess aus, Allen hätte Dylan am 4. August 1992 in Farrows Landhaus in Connecticut festgehalten und «untenrum berührt». Der Richter Elliot Wilk urteilte, dass ein Missbrauch nicht auszuschliessen, aber auch nicht nachzuweisen sei. In seinem Abschlussbericht steht: «Mr. Allens Beziehung zu Dylan bleibt ungeklärt.» Die drei gemeinsamen Kinder wurden Farrow zugesprochen.

Warum ausgerechnet jetzt ein Statement?

Seitdem stehen sich die Lager gegenüber. Der dritte und älteste Adoptivsohn von Farrow und Allen, Moses Farrow, steht fest auf der Seite seines Vaters. Der heute 40-Jährige hat in mehreren Interviews und Magazinbeiträgen ähnliche Vorwürfe gegen Mia erhoben wie jetzt Soon-Yi. Er stellt sie als manipulative Mutter dar, die auch nicht davor zurückgeschreckt habe, ihrer Tochter einzureden, sie sei missbraucht worden.

Mia und Dylan halten an ihren Anschuldigungen fest. Bestärkt wurden sie in den vergangenen Jahren darin von Ronan Farrow, der ebenfalls davon überzeugt ist, dass Allen schuldig ist. Ronan, 30, ist mittlerweile als Investigativjournalist berühmt geworden, sein Wort hat öffentliches Gewicht, zumal in Missbrauchsfällen. Er gehört mit seinen Recherchen über den Filmproduzenten Harvey Weinstein, dem Missbrauch und Vergewaltigung vorgeworfen werden, zu den Pionieren der «Me Too»-Bewegung. Bereits am Sonntagabend meldeten sich Ronan und Dylan per Twitter zu Wort, um Soon-Yis Interview zu kommentieren. Vor allem echauffieren sie sich darüber, dass das Interview von Daphne Merkin geführt worden sei – einer langjährigen Freundin Allens. Deshalb attestieren sie dem Magazin Vulture mangelnde journalistische Sorgfaltspflicht.

Bleibt die Frage, warum Soon-Yi Previn sich ausgerechnet jetzt zu Wort meldet. Ein Grund könnte sein, dass es zwar keinerlei neue Beweise für Allens mögliche Schuld gibt, sich die öffentliche Stimmung derzeit aber eher zugunsten der Farrow-Seite gedreht hat. Was in der Praxis dazu führt, dass Allen, der seit Jahrzehnten jedes Jahr einen Film dreht, mehreren Medienberichten zufolge derzeit ohne Finanziers dasteht. 2018 wird er keinen Film machen, zum ersten Mal seit 36 Jahren. Das Interview seiner Frau könnte als PR-Befreiungsaktion aus dieser Zwangspause gedacht sein.

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