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Slalom von Madonna di CampiglioKristoffersen gewann viel – nie war er dabei so emotional wie jetzt

Der Norweger hatte in dieser Saison zu kämpfen. Nun steht er in Madonna zuoberst und kämpft mit den Tränen. Die Schweizer enttäuschen.

In sich gekehrt nach dem grossen Triumph: Henrik Kristoffersen zeigt sich nach dem Sieg in Madonna emotional.
In sich gekehrt nach dem grossen Triumph: Henrik Kristoffersen zeigt sich nach dem Sieg in Madonna emotional.
Foto: Alessandro Trovati (AP/Keystone)

Die ersten Technik-Rennen in dieser Saison hatten etwas gemeinsam, ob Slalom oder Riesenslalom: einen frustrierten Henrik Kristoffersen, der den Zielraum so schnell wie nur möglich verlassen wollte. Kopfschütteln, Schulterzucken, Ratlosigkeit, dem Norweger wollte nichts gelingen. Diesmal verweilt er aber etwas länger. Erstmals in dieser Saison geht es auf bei ihm. Er gewinnt den Nachtslalom von Madonna di Campiglio - weil er im ersten Lauf langsam war.

Kristoffersen fuhr da nur auf Rang 12, darum durfte er früher als die anderen grossen Namen zum zweiten Durchgang starten. Er fand eine Piste vor, die zwar ramponiert, aber ganz offensichtlich noch befahrbar war. Das änderte sich von Fahrer zu Fahrer, zuletzt wurden Ramon Zenhäusern und Daniel Yule weit zurückgespült, sie schafften es nicht einmal in die Top-10. Es war ein enttäuschender Abend für das Schweizer Team, der beste war noch Loïc Meillard, dafür reichte ihm Platz 11.

Zuoberst aber stand Kristoffersen. Dieser Norweger, der stets etwas Roboterhaftes an sich hatte. Er war in jungen Jahren schon ein ganz grosser Slalomfahrer, gewann sein erstes Rennen mit 19. Aber er hatte auch diese Nemesis, an der er zu verzweifeln drohte: Marcel Hirscher. Nach dessen Rücktritt im Sommer 2019 wurde erwartet, Kristoffersen würde nun an der Reihe sein, er würde nun den Slalom dominieren.

Plötzlich zeigt sich Kristoffersen emotional

Der 26-Jährige schaffte das nie, auch weil Konkurrenten wie eben Yule und Zenhäusern stärker wurden. Vor allem aber, weil er an sich selbst scheiterte, seine Verbissenheit wurde ihm in manchen Rennen zum Verhängnis. Letztmals gewann er vor über einem Jahr. Als er gestern im Ziel ankam, schrie der Speaker: «Welcome back, Henrik!» Es ist bereits sein dritter Sieg an diesem Ort.

Und der, der ihm von all diesen am meisten bedeute. Seine Stimme zittert, als er nach dem Rennen beim Interview ist. Er sagt: «Ich war noch nie so emotional nach einem Sieg.» Er sei schrecklich Ski gefahren in den bisherigen Rennen, ergänzt er. Dabei sei es ihm früher doch immer gelungen, auf den Saisonstart hin bereit zu sein. Er spricht von einer besonderen Herausforderung, gerade für ihn, einen, der so viele Rennen schon gewonnen hat. Man merkt, dass es ihm zu schaffen machte, dass man ihn nach den schwachen Auftritten zum Saisonstart schon beinahe abgeschrieben hatte.

Kristoffersen ist nicht der beliebteste Fahrer im Skizirkus. Unter vielen fröhlichen Norwegern ist er ein Einzelkämpfer. Das gibt ihm den Ruf des Egoisten. Dass er anders kann, zeigt er im Interview auch noch. Mit Tränen in den Augen gratuliert er Landsmann Sebastian Foss-Solevaag zu Platz 2. Und er bedankt sich sogar beim norwegischen Verband, mit dem er sich schon oft angelegt hatte. Was ein Sieg alles bewirken kann.

2 Kommentare
    Per Holund

    Diese CH Skitechnik Equipe ist viel viel besser als die CH FB Nati.