Fussball

Kosovas Endspurt in die 1. Liga

Kosovaren aus der ganzen Deutschschweiz kamen nach Zürich, um den letzten Schritt des FC Kosova in die 1. Liga zu sehen. Den tat die Mannschaft mit einem 6:3 gegen den Absteiger aus Uster. Aber zehn Minuten vor Schluss stands noch 3:3.

Jürgen Seeberger, einst Trainer in Schaffhausen und Winterthur,  führte den FC Kosova von der 2. Liga interregional in die 1. Liga.

Jürgen Seeberger, einst Trainer in Schaffhausen und Winterthur, führte den FC Kosova von der 2. Liga interregional in die 1. Liga. Bild: Heinz Diener

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es war so eine Sache mit den Parkplätzen um den Juchhof zwischen Altstetten und Schlieren. Wer aus der Ferne gekommen war – und das waren nach Autonummern manche –, riskierte einen ordentlichen Fussmarsch. Rund 1500 standen und sassen dann um den Platz. Eine Delegation der Berner Botschaft von Kosovo war gemeldet, das kosovarische Fernsehen RTK war da, um zu sehen, wie sich «der erfolgreichste albanische Verein in der Schweiz» (Eigenansicht) in diesem bedeutungsvollen Match schlagen würde.

Die Ausgangslage war klar: Schlägt der FC Kosova den FC Uster, der seit einer Woche als Absteiger feststeht, kehrt er nach einem Jahr in die 1. Liga zurück. Andernfalls kann ihn der einen Punkt zurückliegende FC Freienbach mit einem Sieg in Frauenfeld überholen.Die Stimmung ist gut, zumindest in der kleinen Fankurve. Auf der Tribüne ist sie eher erwartungsvoll als beeindruckend oder gar beängstigend. Was sie aber vor allem ist: in keinem Moment aggressiv, auch dann nicht, als sportlich längst nicht alles läuft wie geplant.

Es reichen auch ein paar vereinseigene Ordner, um alles unter Kontrolle zu halten – in zivilem Ton zudem. Irgendwann wird einer von weit her auch zum Umparkieren aufgefordert: einer, wie es der Speaker fein formuliert, «mit schönem Bentley» und St. Galler Nummer. Das hören auch manche in rotem Xhaka-Leibchen – allerdings mit der Nummer 14 des «Albaners» Taulant und nicht der Nummer 10 des «Schweizers» Granit.

Gleich dreimal in Rücklage

Die Mannschaft aber hat offensichtlich Mühe mit dem Moment. Sie ist nervös, sie spielt nicht gut, und sie gerät bei erster Gelegenheit in Rückstand. Dabei ist Uster mit nur vier Ersatzspielern an­gereist, mit der Nummer 2 im Tor und ohne Ersatzgoalie. Stefan Iten (32), ehedem U17-Europameister, bis vor zwei Jahren Captain des FC Winterthur und vor einer Woche ein letztes Mal als Spieler im Einsatz, sitzt in Freizeitkleidung auf der Bank. Mark Disler führt die Mannschaft ein letztes Mal als Trainer.

Aber es sind genug Ustermer da, um den Kosovaren das Leben schwer zu machen. Cristian Tis­car schiesst in der 3. Minute das 1:0, in der 16. das 2:0. Er spielte einst für den Winterthurer Quartierverein Phönix Seen, wie Andreas Hofstetter, 34 mittlerweile, aber noch immer schnell – zu schnell jedenfalls für sämtliche Kosovaren. Also reagieren die Ustermer nicht nur geschwind aufs 1:1, sondern – nach einer Stunde – durch Hofstetters Flügellauf mit anschliessendem Hocheckschuss auch aufs 2:2. Jürgen Seeberger, seit vergangenem Spätherbst Trainer Kosovas, hatte zur Pause so reagiert, dass er gleich beide aus seinem zentralen Mittelfeld auswechselte. Nach Hofstetters Solo brachte er einen dritten Neuen, den Stürmer Shqiperim Alija.

Der präsidiale Einpeitscher

Seeberger musste etwas tun, nachdem einer seiner namhafteren Spieler, Rexhep Thaqi (vor einem Jahr noch in Wohlen), nicht mal einen Elfmeter verwertet hatte. Der Situation nicht angemessen war doch, dass er das Bällchen wie einst Antonin Panenka ins Tor lupfen wollte. Leo Sturzenegger fing den Ball dann einfach. In der 74. Minute glich Kosova zum dritten Mal aus, durch Alija, nach einem groben Patzer Sturzeneggers. Usters ­Disler nahm Hofstetter vom Feld. Fortan wars dann der Sturmlauf, wie ihn die Kosovaren wohl von Anfang an vorgesehen hatten. Nun wurde es auch lauter auf der Tribüne. Präsident Arsim Hyseni hatte seine Einpeitscher von der Fankurve vors Tribünenpublikum geschickt und trat auch selbst als Einpeitscher auf.

Denn mit dem 3:3 war die ­Sache noch nicht erledigt. Freienbach führte in Frauenfeld 2:0, es musste ein Sieg her. Den schafften die Kosovaren in den letzten Minuten: Alija – 4:3 in der 82. Minute; Almir Murati – 5:3 in der 85.; Thomas Weller – 6:3 in der 93. Die letzten Tore schossen die zwei mit der meisten Oberliga-Erfahrung: Murati hat schon für elf Vereine gespielt, für den FC Winterthur, La Chaux-de-Fonds und Cham in der Challenge League, für TuS Koblenz ein paar Mal gar in der 2. Bundesliga.

Für den FCW hat er mal an einem Wochenende gleich sieben Tore geschossen: am Samstag, nach 53 Minuten eingewechselt, vier binnen einer guten Viertelstunde zu einem 7:1 gegen Concordia Basel (mit dem Torschützen Raul Bobadilla); am Sonntag drei zu einem 7:0 der U21 in der 1. Liga gegen Seefeld. Und das Tor Wellers, des Deutschen im Kader, war die letzte Aktion. Der Linksfuss ist bald 37 und hat manche Jahre in der Super League (bei Schaffhausen und St. Gallen) und der Challenge League (zuerst in Winterthur) hinter sich.

Jetzt hoffen sie beim FC Kosova einfach, der zweite Auftritt in der 1. Liga währe länger als der erste, der nach einem Jahr zu Ende war. Seeberger bleibt Trainer. Einen neuen Torhüter brauchen sie. Der könnte Christian Leite (32) heissen und brächte ebenfalls einige Oberliga-Erfahrung mit, vor allem aus Winterthur und Thun. (red.)

Erstellt: 18.06.2017, 23:25 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.