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Kolumne «Tribüne»Kleinkunst ist wie Briefmarkensammeln!

Joël Perrin, Slam-Poet aus Männedorf, wird von einem Kalender mit Zitaten berühmter Persönlichkeiten inspiriert.

Die Woche aus Sicht von bekannten Persönlichkeiten.
Die Woche aus Sicht von bekannten Persönlichkeiten.
Illustration: Olivier Samter

Bei uns in der Küche steht aktuell ein Kalender mit Zitaten berühmter Persönlichkeiten. Und während ich allmorgendlich bis zum Zeitpunkt des Lesens schon in den Genuss der nicht verbalen Errungenschaften von Dutzenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gekommen bin, bin ich doch froh, dass die wenigsten von ihnen Belletristik geschrieben haben. Da finden sich Sprüche, die sich inhaltlich kaum unterscheiden von: «Fliegen sind wie Elefanten: manchmal in Porzellanläden.» Ich vermute dann jeweils: «Die Aussagen eines Narren wirken weise aus der Weisen Mund.» (Aristrotteles, oder so)

Und dennoch: je abstruser der Vergleich, desto feiner die Nuancen, derer wir uns in der versuchten geistigen Sinngebung des Absurden bewusst werden können. Alles gleicht allem – die Grenze ist die Fantasie. Und: «Hin und wieder lohnt es sich, Grenzen zu überschreiten!» (Dschingis Khan)

«Deshalb.» (Edison, der sagte vieles, immer frei nach Tesla) – Kleinkunst ist wie Briefmarkensammeln! Speichellecken gehört irgendwie dazu. Haha. Und weil es sich, nicht nur aus naturwissenschaftlicher Sicht, lohnt, etwas weiter zu gehen als Edison: Was es genau ist, das da ist wie Kleinkunst, ist irrelevant. Kleinkunst ist wie Briefmarkensammeln, wie Flamenco, wie Forschung, wie Malen … Nie war es leichter als heute, den kreativen Schöpfungsgeist, das innewohnende prometheische Feuer im Dunst des lethargischen Konsums zu ersticken. Was wir brauchen, nur schon, um nicht den Verstand zu verlieren, ist, für eine «Leidenschaft intrinsisch zu brennen» (Nero), «von innen heraus zu strahlen» (Marie Curie).

Was Kleinkunst mit Briefmarkensammeln verbindet, ist das Potenzial zur Sinnstiftung und zur Selbstverwirklichung. «Wenn dabei etwas geschaffen wird, woran sich die Nachwelt erinnert, umso besser» (Oppenheimer), wenn man sich dabei auf eine Art in einer selbst geschaffenen Welt verlieren kann, die einen alles um einen vergessen und in der zeitlosen Schönheit und Intensität des Moments aufgehen lässt, ist das eigentliche Ziel, um das es geht, erreicht. Deshalb, vergessen Sie nicht: «Kleinkunst ist wie Briefmarkensammeln!» (Perrin)

Joël Perrin, Slam-Poet aus Männedorf.
Joël Perrin, Slam-Poet aus Männedorf.
Foto: PD