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Miniatur des AlltagsKein Fleisch, kein Problem

Ungebetene Gäste zum Znacht auf dem Balkon, Gefahr in Verzug beim Dessert, und nichts hilft: Was machen wir mit den Wespen?

Eine kleine Geschichte aus dem Alltag.
Eine kleine Geschichte aus dem Alltag.
Illustration: Olivier Samter

Was bleibt von diesem Sommer, wenn man sich nächstes Jahr erinnert? Natürlich: Corona. Mit Mundschutz in den Laden, mit Abstand in der Badi liegen, Autokino, Auto-Open-Air-Konzerte, Wandern in Adelboden-Lenk.

Aber weil sich der Mensch gerne über das Kleine aufregt, sich an den Mini-Widrigkeiten des Lebens aufreibt, glaube ich, dass man schnell einmal sagen wird: «2020, das war doch dieser Wespensommer.» Denn sie sind überall, und sie sind hungrig.

Sobald man über Mittag den Deckel des Behälters mit den Resten vom Vorabend hebt, sobald man auf dem Balkon das Essen serviert, kommt ein schwarz-gelbes Jagdgeschwader im Tiefflug über die Tischplatte. Die Wespen sondieren das Angebot: Fleisch, Zucker, wo gibt es was? Die einen setzen sich hin und fressen. Die anderen lenken die Menschen ab. Sie landen auf Händen. Sie fliegen einem ins Gesicht. Sie hocken auf den Rand des Glases, drohend: «Keinen Mucks, oder ich steche.»

Nun gibt es drei Arten Menschen in dieser Lage: Kämpfer, Angsthasen und Stoiker. Die einen schlagen nach den Insekten, die anderen rennen panisch davon, die dritten warten versteinert ab und sagen sich: «Ich brauche ein Hausmittel.» Wir haben alles ausprobiert: die Wespen mit Wasser ansprühen, Pfefferminz- oder Lavendelpflanzen aufstellen, Fünfrappenstücke auslegen, um die Wespen zu blenden – nichts hat genützt. Ruhe hatten wir erst, als wir zum Znacht vegetarisch und vegan assen. Nichts enttäuscht die schwarz-gelben Brummer so wie Blattsalat oder Wokgemüse mit Tofu.