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Konflikt im Nahen OstenIsrael wehrt einen rätselhaften Angriff ab

An der Grenze zu Syrien hat das israelische Militär nach eigenen Angaben einen Sprengstoffanschlag vereitelt. Wer dahintersteckt, ist unklar.

Sie stehen im Zentrum einer bedrohlichen Eskalation: Die Golanhöhen.
Sie stehen im Zentrum einer bedrohlichen Eskalation: Die Golanhöhen.
Foto: Ronen Zvulun (Reuters) 

Die Nacht war unruhig an Israels Grenzen, gleich zwei Angriffe vermeldete die Armee. Die erste Front tat sich im Süden auf, wo aus dem palästinensischen Gazastreifen eine Rakete auf Israel abgefeuert wurde. Sie wurde vom Abwehrsystem Iron Dome unschädlich gemacht. Die Antwort auf den Beschuss waren israelische Luftangriffe auf Stellungen der in Gaza herrschenden Hamas.

Das ist fast schon kriegerische Routine, doch weit brisanter erscheint, was sich fast zeitgleich hoch im Norden auf den Golanhöhen ereignete, die Israel 1967 erobert und 1981 annektiert hat. Dort drangen nach Armeeangaben vier Angreifer von Syrien kommend auf israelisches Gebiet vor, um dort Sprengkörper zu platzieren. Die Eindringlinge wurden getötet, doch der Vorfall könnte noch Folgen haben.

«Gleichgewicht der Abschreckung»

Im Norden sind die Spannungen seit Wochen gross. Ausgelöst wurden diese durch einen Israel zugeschriebenen Luftangriff in der Nähe von Damaskus, bei dem auch ein Kämpfer der libanesischen Hizbollah getötet wurde. Die schiitische Miliz kämpft im syrischen Bürgerkrieg mit iranischer Unterstützung aufseiten von Präsident Bashar al-Assad. Weil Hizbollah-Chef Hassan Nasrallah im Verhältnis zum Erzfeind Israel stets auf ein «Gleichgewicht der Abschreckung» dringt, wird seither mit einer Vergeltungsaktion gerechnet. Israel hat deshalb seine Truppen im Norden verstärkt und besondere Vorsichtsmassnahmen ergriffen.

Allerdings ist beim aktuellen Vorfall auf den Golanhöhen noch nicht endgültig geklärt, wer ihn ausgeführt hat. «Ich kann mit Sicherheit sagen, dass sie getötet wurden», sagte der Armeesprecher Hidai Zilberman. «Aber wir wissen nicht, wer sie geschickt hat. Es gibt viele Mitspieler in Syrien.»

In einer Erklärung der Armee wurde das syrische Regime für jeden Angriff verantwortlich gemacht, der von syrischem Boden ausgeht. Der israelische Minister Juval Steinitz lenkte den Blick nach Teheran und verkündete: «Unser strategisches Ziel ist es, zu verhindern, dass der Iran sich militärisch in Syrien festsetzt.» Die schiitische Hizbollah gilt als verlängerter Arm der Iraner.

Der zweite misslungene Vergeltungsversuch

Falls sie hinter dem Vorfall auf den Golanhöhen steckt, wäre dies mutmasslich schon der zweite misslungene Vergeltungsversuch. Denn bereits vor gut einer Woche war nach israelischen Angaben an der Grenze zum Libanon die Infiltration eines Hizbollah-Kommandos vereitelt worden.

Wenn nun bei der Konfrontation auf den Golanhöhen vier Kämpfer getötet wurden, könnte dies weitere Gewalt nach sich ziehen. Anders als vor Wochenfrist hat Israels Armee von der jüngsten Aktion auch ein Video veröffentlicht, auf dem man zunächst die Eindringlinge sieht und später auch die Explosion, bei der sie getötet wurden. Ein Armeesprecher betonte, die Truppenverstärkung im Norden würde weiter aufrechterhalten. «Wir haben viel Geduld», sagte er.

9 Kommentare
    Adrian H.

    Der Groll des Irans gegen Israel ist hauptsächlich durch die enge Allianz zwischen Israel und der USA begründet. Dabei macht sich der Iran die Instabilität im Libanon und die Verbindung zu Assad zu nutze, um seine Drohkulisse gegen Israel aufrecht zu erhalten. Leider hängt momentan die Stabilität im Libanon sehr stark von der Hisbollah ab, auch wenn sich nicht die Regierung stellen. Der Golan ist für die Israelis von hoher strategischer Bedeutung, um die Sicherheit im Hula Tal und dem ganzen Norden zu gewährleisten. Daher werden sie dieses Stück Land unter allen Umständen verteidigen. Dass gleichzeitig aus dem von der Hamas kontrollierten Gaza-Streifen Raketen abgefeuert werden ist ein Zufall und sehr wahrscheinlich nichts mit dem Angriff im Norden zu tun. Leider wird sich durch den Raketenabschuss die Situation der Palästinenser nicht verbessern. Als Vertriebene haben sie allen Grund auf Israel wütend zu sein. Leider werden sie jedoch immer wieder von den Arabern verraten, damit diese ihre eigenen Ziele verfolgen können. Nur die Versöhnung von Israeli und Palästinensern würde der Region die nötige Stabilität geben und es ermöglichen genügend Druck auf die umliegenden Staaten auszuüben, damit dies ihre staatspolitischen Ziele in friedlichere Bahnen lenken würden. Es ist wichtig in diesem Kontext den ewig währenden Konflikt zwischen den Arabern und den Persern nicht zu vergessen, welche weite Teile der Region vom Jemen bis nach Kurdistan instabil hält.