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Musk, Bezos, Zuckerberg und Dorsey im ClinchIntimfeinde im Silicon Valley

Je mächtiger Facebook, Google oder Amazon, desto ruppiger gehen deren Bosse miteinander um. Die Gründe.

Tesla-Chef Elon Musk steht zusammen mit Mark Zuckerberg, Jeff Bezos und Jack Dorsey unter einem Mehrfachdruck, der ihre Marktposition infrage stellt.
Tesla-Chef Elon Musk steht zusammen mit Mark Zuckerberg, Jeff Bezos und Jack Dorsey unter einem Mehrfachdruck, der ihre Marktposition infrage stellt.
Fotos: Getty, Keystone

Rivalen waren sie schon immer, die Technologie-Pioniere im Silicon Valley. Apple gegen Google, IBM gegen Microsoft, Cisco gegen Juniper, Oracle gegen Salesforce, Facebook gegen Twitter, Amazon gegen viele und Tesla gegen scheinbar alle. Dennoch erstaunt die Intensität der Gehässigkeiten der letzten Wochen.

Angestellte von Facebook, Google und Amazon fordern von ihren Chefs mehr soziale Verantwortung und volle Gleichberechtigung. Zugleich drohen Politiker mit verschärften Regulierungen und sogar einer Konzernspaltung: Eingriffe, die ihre Profitabilität senken dürfte. Die Wallstreet erwartet zudem jedes Quartal Topresultate, da schwächelnde Tech-Riesen die Börse ausbremsen würden. Letztlich sind auch die Neuwahlen im November ein schwer kalkulierbares Risiko: Bleibt es, wie es ist, so dürften sich Bosse wie Zuckerberg noch näher an Trump rücken, während Rivalen wie Jack Dorsey und Jeff Bezos den Abstand suchen.

Die Konflikte zwischen Facebook-Herrscher Mark Zuckerberg und Twitter-Chef Jack Dorsey sowie Tesla-Boss Elon Musk und Amazon-Gründer Jeff Bezos sind sicherlich auch Hahnenkämpfe zwischen übergrossen, superreichen Egos. Doch sie stehen alle wie noch nie unter einem Mehrfachdruck, der ihre Marktposition infrage stellt. Die wichtigsten Punkte:

Druck aus dem Kongresses

Alle gegen alle, fassen Tech-Lobbyisten die Lage zusammen. Doch im Zentrum stehe für alle die Angst, ihre immensen Datensammlungen nicht mehr unlimitiert ausbeuten zu können. «Obwohl sie alle im gleichen Boot sitzen, so würden sie sich nötigenfalls gegenseitig die Gurgel aufschlitzen», fasst ein republikanischer Lobbyist im Politmagazin «The Hill» zusammen. «Das Einzige, das sie teilen, ist die Angst vor einem verschärften Datenschutz.»

Im US-Kongress zeichnet sich eine Mehrheit für eine hartes Vorgehen gegen Facebook, Twitter, Google und die anderen sozialen Medien ab. Am meisten zu fürchten hat Zuckerberg, was erklären mag, weshalb er Twitter-Chef Dorsey ausgerechnet auf Fox wegen dessen Versuch attackierte, den Lügenschwall von Trump zu kontrollieren.

Das rief Elon Musk auf den Plan. Er nahm Dorsey in Schutz, und beglich zugleich eine Rechnung von 2016, als Zuckerberg Musk unterstellte, einen Internet-Satelliten von Facebook fahrlässig zerstört zu haben. Der Spacex-Chef kontaktierte Zuckerberg und liess sich über dessen «ziemlich begrenztes» Fachwissen aus. Facebook mache ihn nervös, sagte Musk, löste sein Facebook-Konto auf und forderte seine Anhänger auf, es ebenfalls zu tun.

Zuckerberg gegen Amazon und seine Angestellten

Zuckerberg macht noch mehr als seine Rivalen die wachsende Distanzierung durch Angestellte zu schaffen. Hunderte protestierten in den letzten Wochen gegen seine Weigerung, die Unwahrheiten von Trump zu bremsen. Ehemalige Weggenossen werfen ihm sogar Verrat an der Sache vor.

Ähnlich wie Trump versucht Zuckerberg auszuweichen, indem er einen neuen Kampf anreisst. Mit digitalen Facebook-Shops macht er Amazon das Online-Geschäft streitig, und hat gemäss Branchenkennern damit gute Erfolgschancen. Das lässt Jeff Bezos nicht einfach so zu. Er kündigte kürzlich an, das digitale Anzeigengeschäft aufzurollen und das Duopol von Facebook und Google aufzubrechen. Amazon ist bereits auf Position drei vorgerückt.

Der Streit im All

Ruppig geht es auch im Weltraum zu und her, wo Bezos und Musk ihre Bubenträume ausleben. Dort rollt bis 2024 eine neue Investitionswelle an. Musk hat klar die Oberhand, das US-Weltraumprogramm ist ohne Spacex nicht mehr denkbar. Ob Bezos sein Blue-Origin-Programm erneut ins Rennen schicken kann, ist unklar, auch wenn er jedes Jahr eine Milliarde Dollar aus seinem Vermögen dafür investiert.

Der Kampf um die Cloud

Um dicke Aufträge geht es auch für Cloud-Dienstleistungen, wo Amazon und Microsoft so dominant geworden sind, dass die US-Regierung ohne sie nicht mehr arbeiten könnte. Letztes Jahr gelang dem zurückhaltenden Microsoft-Chef Satya Nadella ein Coup sondergleichen. Er sicherte sich einen 10-Milliarden-Auftrag des Pentagons, den zuvor Amazon hatte. Bezos vermutet eine illegale Kungelei zwischen dem Präsidenten und dem Pentagon; und will den Entscheid anfechten.

Alle im Clinch ausser Apple?

Auffallend still ist dagegen Apple-Chef Tim Cook. Seine Aversion gegen Zuckerberg ist bekannt, doch hielt er sich aus den jüngsten Kontroversen zurück. Die Apple-Eigner sind zufrieden, die Aktien stehen auf einem Allzeithöchst. Der Konzern erscheint politisch deutlich weniger exponiert. Bei Facebook, Amazon und Google ist die Erwartungshaltung der Aktionäre entsprechend hoch und hat den Erfolgsdruck auf die Konzernchefs weiter erhöht.