Regierungsratswahlen

«In vielen Fragen würden sich Fehr und Rickli gegenseitig neutralisieren»

SVP-Nationalrätin Natalie Rickli will in den Regierungsrat. Würde sie 2019 gewählt, wäre sie die zweite Winterthurer Frau in der Zürcher Regierung. Der Politologe Michael Hermann sagt, warum diese Doppelvertretung Winterthur wenig nützt.

Natalie Rickli und Jacqueline Fehr: Zwei Frauen, zwei Winterthurerinnen, politisch jedoch keine Partnerinnen.

Natalie Rickli und Jacqueline Fehr: Zwei Frauen, zwei Winterthurerinnen, politisch jedoch keine Partnerinnen. Bild: Keystone

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Würde es die Stellung der Stadt Winterthur im Kanton stärken, wenn neben Jacqueline Fehr eine zweite Winterthurerin in der Zürcher Regierung sässe?
Michael Hermann: Nein, grundsätzlich nicht. Fehr ist in der SP, Rickli in der SVP. Politisch sind die beiden Frauen Gegnerinnen. In vielen Fragen würden sie sich gegenseitig neutralisieren. Einzig, wenn es um Investitionen geht, könnte ich mir vorstellen, dass die beiden zusammenspannen würden.

Wie stehen die Wahlchancen für Natalie Rickli bei den Regierungsratswahlen am 19. März 2019?
National exponierte SVP-Poli­tiker hatten es bei Wahlen im Kanton Zürich oft schwer. Nationalrat Toni Bortoluzzi scheiterte 2005 bei der Wahl in den Regierungsrat. Ueli Mauer wurde 2007 nicht als Ständerat gewählt. Bei beiden Wahlen brauchte es eine Mehrheit, eine solche ist für die SVP im Kanton Zürich schwierig zu erreichen. Es gibt in der poli­tischen Mitte einen starken Wider­stand gegen die SVP-Politik. Natalie Rickli könnte diese Reihe beenden. Bei den letzten Wahlen in den Nationalrat 2015 erhielt sie viele Stimmen von aus­ser­halb der SVP. In letzter Zeit äussert sie sich auch etwas moderater als früher. Sie wirkt magistraler. Die Wahl zur Regierungsrätin wird für Rickli sicher kein Durchmarsch. Aber ihre Chancen stehen gut.

Besteht durch diese Ent­wicklung denn wenigstenseine kleine Hoffnung, dass die Stadt Winterthur beiden hohen Sozialkosten vom Kanton entlastet wird?
Eher nicht, würde ich sagen. Winter­thur bringt mit anderen Städten urbane Interessen auch auf Bundesebene zur Geltung. Dort hat Rickli als Nationalrätin immer klar die SVP-Linie vertreten. Und die SVP vertritt die Inter­essen ihrer ländlich-konservativen Klientel. Ob sich das durch einen möglichen Rollenwechsel Ricklis von der Parlamentarierin zur Regierungsrätin ändert, ist schwer zu beurteilen.

«Im Bereich Justiz und im Strafvollzug stehen sich die beiden Frauen diametral entgegen.»
Michael Hermann, Politologe

In welcher konkreten Frage könnten Rickli und Fehr sich einigen?
Am ehesten wäre das der Fall, wenn es, wie gesagt, um Inves­titionen geht. Die beiden könnten sich zum Beispiel zusammen dafür einsetzen, dass es mit dem Brüttener Eisenbahntunnel endlich vorwärts geht.

In welcher Frage sind die beiden Politikerinnen am weitesten voneinander entfernt?
Im Bereich Justiz und im Strafvollzug stehen sich die beiden Frauen diametral entgegen. Fehr leitet das Zürcher Justizdepar­tement mit einem links-liberalen Rechtsverständnis. Eine der wichtigsten politischen Forderungen Ricklis wiederum ist gerade die Verschärfung des Strafrechts, zum Beispiel für Sexual­täter. In diesem Punkt ist Rickli sogar forscher als die SVP als Ganzes. Das könnte schon mal Krach geben im Regierungsrat.

Welche Rolle spielt eine gemein­same Herkunft heute in der Politik noch?
Die politische Einstellung ist heute sicher viel wichtiger als die gemeinsame Herkunft oder derselbe Wohnort. Ausserdem sind viele wichtigen Fragen in der Politik völlig losgelöst von einem geografischen Ort.

Rickli erlitt 2012 ein Burn-out. Wie weit beeinflusst das ihre­ Wahlchancen?
Wenn überhaupt, dann eher positiv. Sie ist offen mit ihrer Krankheit umgegangen und hat dar­aus gelernt. Seit dem Burn-out verausgabt sie sich weniger in den sozialen Medien. (Landbote)

Erstellt: 07.08.2018, 08:33 Uhr

Zur Person

Der bekannte Politologe Michael Hermann ist ursprünglich Geograf und Histo­riker. Er kombiniert politische Daten mit der gesellschaftlichen und histo­rischen Strukturforschung in der Schweiz zu einem politischen Gesamtbild. Hermann führt eine eigene Forschungsstelle.

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