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Besonderes bei den US-WahlenIn North Dakota machte ein Toter das Rennen

Die US-Amerikaner haben nicht nur für einen neuen Präsidenten gestimmt, sondern auch zahlreiche Sitze für die Parlamente im Land verteilt. Die 6 auffälligsten Sieger des heutigen Tages.

Ambitionierter Jungpolitiker: Der 25-jährige Madison Cawthorn wurde heute als jüngster Republikaner in der US-Geschichte in den Kongress gewählt.
Ambitionierter Jungpolitiker: Der 25-jährige Madison Cawthorn wurde heute als jüngster Republikaner in der US-Geschichte in den Kongress gewählt.
Foto: Reuters 

Am heutigen Tag dreht sich – zumindest fernab der USA – alles nur um die Frage: Wer wird der neue Präsident, Donald Trump oder Joe Biden? Noch steht der Sieger nicht fest, das Rennen ist knapper als vorhergesagt. Doch auch Teile des US-Parlaments, bestehend aus Repräsentantenhaus und Senat, sowie der Parlamente in den US-Bundesstaaten werden neu gewählt. Gelegenheit also, auf die bisher auffälligsten Wahlerfolge des heutigen Tages zurückzublicken.

Die erste Transgender-Senatorin der US-Geschichte

Schaffte die Wahl in den Senat von Delaware: Die Demokratin und LGBTQ-Aktivistin Sarah McBride.
Schaffte die Wahl in den Senat von Delaware: Die Demokratin und LGBTQ-Aktivistin Sarah McBride.
Foto: Jason Minto (AP/Keystone) 

Erstmals in der US-Geschichte hat eine offen lebende Transgender-Frau den Einzug in einen Senat geschafft. Die 30-jährige Sarah McBride gewann am Dienstag gegen den Republikaner Steve Washington und zieht damit in den Senat des Bundesstaates Delaware ein. McBride gewann in einem stark demokratischen Bezirk, der vom nördlichen Wilmington zur Grenze nach Pennsylvania reicht.

Die 30-Jährige amtete zuvor als Pressesprecherin der Lobbyorganisation Human Rights Campaign, welche sich als grösste ihrer Art für die Interessen der LGBTQ-Community einsetzt. Im Weissen Haus hatte sie unter Ex-Präsident Barack Obama ein Praktikum absolviert. Bekanntheit erlangte McBride nach ihrem Coming-out in der Studentenzeitung der American University, wo sie als Präsidentin der Studentenorganisation amtete.

Ein Toter macht in North Dakota das Rennen

Der Republikaner David Andahl bekam gut 35 Prozent aller Stimmen in North Dakota und dürfte nun in das örtliche Parlament des Bundesstaates einziehen. Dürfte, denn Andahl ist bereits im Oktober verstorben. Weil der Wahlkampf weit fortgeschritten und die Wahlzettel bereits gedruckt und verteilt worden waren, war ein Rückzug seiner Kandidatur laut den örtlichen Wahlbehörden offiziell nicht mehr möglich.

Andahl starb Anfang Oktober, nachdem er mit einer Corona-Infektion ins Krankenhaus gekommen war, wie seine Familie damals mitteilte. Die Wahlbehörde hatte sich schon zu diesem Zeitpunkt unsicher gezeigt, wie sie mit einem möglichen Sieg eines verstorbenen Kandidaten umgehen würde. Die Republikaner werden nun einen Ersatz für Andahl bestimmen müssen.

Eine Parlamentarierin mit Hang zu Verschwörungstheorien

Siegte konkurrenzlos in einem der konservativsten Wahlkreise des Landes: Die Republikanerin Marjorie Taylor Greene.
Siegte konkurrenzlos in einem der konservativsten Wahlkreise des Landes: Die Republikanerin Marjorie Taylor Greene.
Foto: John Bazemore (AP/Keystone) 

Wenig überraschend gewann Marjorie Taylor Greene bei den Wahlen für das Repräsentantenhaus einen Sitz im Bundesstaat Georgia. Als Rechtsaussenpolitikerin kandidierte sie in einem der laut der «New York Times» konservativsten Wahlkreise des Landes. Ihr Gegenkandidat hatte bereits im Vorfeld aufgegeben.

Die 46-jährige Unternehmerin ist für ihren Hang zu Verschwörungstheorien bekannt. So verbreitete sie auf ihren sozialen Kanälen mehrmals Videos von QAnon-Anhängern. Die zentrale Behauptung der QAnon-Anhänger ist, dass es eine Verschwörung gegen US-Präsident Trump in den tieferen Schichten des US-Regierungsapparats gebe. Ausserdem behaupten sie oft, prominente Politiker der Demokratischen Partei in den USA liessen sich mit Hormonen behandeln, die aus dem Blut von Kindern gewonnen würden.

Aber auch mit Verschwörungstheorien zu den Anschlägen am 11. September 2001 und abschätzigen Aussagen über Muslime, Juden und Schwarze machte die Republikanerin von sich reden. Sie selbst distanzierte sich im Nachhinein immer von den Videos, die sie verbreitet hatte. Sie habe inzwischen Fehler in den Theorien entdeckt, so Greene. Die Theorien repräsentierten nicht, wofür sie stehe, sagte sie in einem Interview mit dem konservativen Nachrichtensender Fox News. «Aber ich erwarte nicht, dass viele der linksgerichteten Medien ihre Haltung ändern werden.»

Innerhalb der Republikanischen Partei ist die 46-Jährige wegen ihrer Neigung zu Verschwörungstheorien höchst umstritten. Trump gratulierte ihr nach den erfolgreichen Vorwahlen auf Twitter und bezeichnete sie als «stark in allen Belangen». Sie gebe niemals auf und sei eine «richtige Gewinnerin».

Der jüngste Republikaner im Kongress seit je

Egal, was jetzt noch folgt: Diesen Titel kann sich Madison Cawthorn nicht mehr nehmen lassen. Der 25-Jährige ist gemäss der «New York Times» nämlich der jüngste Republikaner, der jemals in den Kongress eingezogen ist. Cawthorn nimmt den frei gewordenen Platz des Republikaners Mark Meadows ein, welcher seit vergangenem März als Stabschef des Weissen Hauses amtet.

Bekanntheit erlangte der 25-Jährige, als er sich in den Vorwahlen gegen den von Trump gestellten Kandidaten für den Sitz von Meadows durchsetzte. Im August hielt Cawthorn am republikanischen Parteitag eine Rede und stand für die Pledge of Allegiance, das Treuegelöbnis, von seinem Rollstuhl auf. Seit einem schweren Autounfall vor sieben Jahren ist er teilweise gelähmt.

Der Jungpolitiker stammt aus dem Westen des US-Bundesstaates North Carolina. Mit seinen 25 Jahren hat sich «Trump’s Golden Boy», Trumps goldener Junge, wie ihn die Zeitung «Politico» bezeichnete, bereits schon im demokratischen wie auch im republikanischen Lager unbeliebt gemacht. Seiner eigenen Partei bescheinigte er fehlende Empathie, nannte sie «ausländerfeindlich» und «nichtsnutzig». «Ich kandidiere definitiv gegen die Republikanische Partei», zitierte «Politico» den Republikaner aus einem Interview im Vorfeld der Wahlen. Cawthorn hat sich zum Ziel gesetzt, frischen Wind in die Republikanische Partei zu bringen.

Der frische Wind drohte im August jedoch jäh zum Lüftchen zu verkommen. Zahlreiche Frauen warfen dem 25-Jährigen sexuelles Fehlverhalten vor. Zusätzlich gruben US-Medien alte Social-Media-Bilder des Jungpolitikers aus, welche ihn offenbar im Ferienhaus von Adolf Hitler zeigten. Cawthorn bezeichnete Hitler im Instagram-Post als «Führer» und den Besuch des Hauses als «etwas, was schon länger auf meiner Bucket List stand».

Viel investiert – und trotzdem verloren

Steckte Millionen in die Wahlwerbung und Berater: Der Demokrat Jaime Harrison.
Steckte Millionen in die Wahlwerbung und Berater: Der Demokrat Jaime Harrison.
Foto: Jeff Blake (The State/AP/Keystone) 

US-Wahlen sind teuer, deshalb sind die Kandidaten meist auf Spenden angewiesen. Der Afroamerikaner Jaime Harrison hat im vergangenen Vierteljahr 57 Millionen Dollar zusammengebracht – so viel wie noch kein anderer Senatskandidat innerhalb derselben Zeitperiode vor ihm. Doch all das Geld reichte nicht: Er verlor das Rennen gegen den amtierenden Senator von South Carolina, den Republikaner Lindsey Graham. Dieser kann sein Mandat nun um eine vierte Amtsperiode verlängern.

Ebenfalls viel und erfolglos investiert hat der Republikaner John Cummings. Der 60-Jährige unterlag im Bundesstaat New York gegen die linke Abgeordnete im Repräsentantenhaus Alexandria Ocasio-Cortez, die erneut ins Repräsentantenhaus gewählt wurde. Cummings stellte für seinen Wahlkampf der «New York Times» zufolge führende Politberater an, steckte mehrere Millionen US-Dollar in Werbung und verschickte rund 700’000 Briefe an die Bewohner in seinem Wahlbezirk. Am Schluss siegte Ocasio-Cortez jedoch mit einem Vorsprung von 37 Prozent.

Von der ISS in den Senat

Vom Astronauten zum Politiker: Der Demokrat Mark Kelly zieht in den US-Senat ein.
Vom Astronauten zum Politiker: Der Demokrat Mark Kelly zieht in den US-Senat ein.
Foto: Ross D. Franklin (AP/Keystone) 

Erstmals seit über sechzig Jahren sind die beiden Senatssitze des Bundesstaates Arizona wieder vollständig in demokratischer Hand, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete. Einer davon wird nun von Mark Kelly besetzt. Der pensionierte Nasa-Astronaut setzte sich gegen die Republikanerin Martha McSally durch, welche den Senatssitz 2018 zwischenzeitlich vom verstorbenen Republikaner John McCain übernommen hatte.

Kelly arbeitete zuerst als Pilot für die US Navy, ehe er zur Nasa stiess. Für die US-Weltraumbehörde flog er vier Einsätze auf die Internationale Raumstation (ISS). Im Alter von 47 Jahren beendete er seine Karriere bei der Nasa. Sein Bruder, Scott Kelly, war ebenfalls Astronaut.

* Mit Material der SDA

sho

5 Kommentare
    Christoph Fink

    Cool, die Verschwörungstheoretiker haben jetzt sogar eine eigene Senatorin. Man kann es nur einmal mehr betonen: USA, Land der unbegrenzten Möglichkeiten.