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Implenia sieht sich trotz Gewinneinbruch auf Kurs

Auf den ersten Blick präsentiert sich die wirtschaftliche Lage von Implenia, dem grössten Schweizer Baukonzern, schlecht. Der Reingewinn sank 2017 um 40 Prozent. Ein zweiter Blick zeigt: So schlimm ist es nicht.

Für die Zukunft zeigt sich Implenia zuversichtlich. Die Auftragsbücher seien voll und qualitativ gut.
Für die Zukunft zeigt sich Implenia zuversichtlich. Die Auftragsbücher seien voll und qualitativ gut.
Keystone

Zahlen haben etwas Brutales an sich. Sie zeigen einen Wert an, in den von allen Seiten unterschiedliche Meinungen hineininterpretiert werden können. Wo dann die eigentliche Wahrheit liegt, sieht man vielfach erst beim genaueren Hinsehen. Der Schweizer Branchenführer in Sachen Bau, Implenia, befindet sich genau in einer solchen Situation. Tatsache ist: An der gestrigen Bilanzmedienkonferenz in Zürich über das Geschaftsjahr 2017 präsentierte CEO Anton Affentranger ein Ergebnis, das auf den ersten Blick nicht eben positiv erschien. Der Reingewinn des Dietliker Baukonzerns sank nämlich um knapp 40 Prozent auf 39,0 Millionen Franken.

Trotz diesem Gewinneinbruch sprach Affentranger von einem guten Ergebnis. Man könnte jetzt behaupten: Ein CEO muss dies gegenüber aussen tun. Der Geschäftsführer von Implenia machte was anderes: Er erklärte seine Aussage mit einem zweiten Blick auf und hinter die Zahlen.

Zweites Semester bügelt schwachen Jahreseinstieg aus

In der ersten Jahreshälfte drückten nicht nur wirtschaftliche Faktoren Implenia bis in die roten Zahlen. Der Chef des Norwegen-Geschäfts wurde zuerst vermisst, dann tot aufgefunden – das Norwegen-Geschäft kam dadurch zum Stillstand. In der Deutschschweiz wurden die Kosten im Strassen- und Tiefbau gesenkt. Dazu verlor der Baukonzern in erster Instanz vor Bezirksgericht einen Kostenstreit gegen die Stadt Zürich im Zusammenhang mit dem Stadion Letzigrund.

«Im zweiten Semester haben wir ein starke Performance gezeigt und weisen für das Geschäftsjahr 2017 insgesamt eine gute Ergebnisentwicklung aus», meinte Affentranger. Der schwache Start bleibe hauptverwantwortlich für den Gewinneinbruch Ende Jahr. Der operative Gewinn (Ebit) der Geschäftsbereiche übertreffe aber den angepassten Ausblick von Mitte Jahr. Der Betriebsgewinn vor Amortisationen und Abschreibungen (Ebitda) weise mit 173,9 Millionen Franken gar einen Rekordwert aus. Der Umsatz legte um 18,1 Prozent auf 3,9 Milliarden Franken zu.

Was Affentranger optimistisch stimmt, ist, dass alle Segmente zum operativen Gewinn beigetragen haben. Das Segment Development, das sämtliche Aktivitäten der Gruppe in der Immo­bilien-Projektentwicklung umfasst, schreibt zum dritten Mal in Folge ein Rekordergebnis. Im Segment Schweiz habe vor allem der Geschäftsbereich Buildings sehr gut abgeschnitten, sagte der CEO. Das Segment Infrastruktur mit dem Tunnel- und Spezialtiefbau in ganz Europa habe die Erwartungen übertroffen.

Einzig im Segment International, das die regionalen Tiefbauleistungen in Deutschland, Österreich, Rumänien, Norwegen und Schweden sowie den Hochbau in Deutschland und Österreich bündelt, gab es wegen des erwähnten Unfalltods des CEO im Norwegen-Geschäft Unsicherheiten. Insgesamt war das Geschäftsjahr in diesem Segment aber von der Erstkonsolidierung von Bilfinger Hochbau geprägt. Mit dieser Übernahme habe Implenia die Marktposition im grössten Markt für Bauleistungen in Europa markant ausgeweitet und viel breiter abgestützt, sagte Affentranger.

Der neu integrierte Hochbau habe nach Abzug aller Kosten bereits einen positiven Ergebnisbeitrag geleistet. Für die Zukunft zeigte sich Anton Affentranger zuversichtlich. Die Auftragsbücher seien voll, mit 6 Milliarden Franken habe der Auftragsbestand der Gruppe das Rekordniveau gehalten. Der Verwaltungsrat beantragt der Generalversammlung vom 27. März unverändert zum Vorjahr die Ausschüttung einer Dividende von 2 Franken je Aktie.

Megatrends und zunehmende Vernetzung

Ausserdem machte Affentranger auf die längerfristigen Herausforderungen aufmerksam, denen sich ein Unternehmen wie Implenia stellen müsse. Die Megatrends in der Baubranche hiessen Infrastruktur und Urbanisierung. Einerseits sei in all den Ländern, in denen Implenia tätig sei, so auch in der Schweiz, die Infrastruktur veraltet und überlastet. Andererseits seien bei der Planung von Bauvorhaben neu die steigende Mobilität, der Ausstieg aus der Kernenergie und umgekehrt die Integration alternativer Energien zu berücksichtigen. Die Urbanisierung sei geprägt durch wachsende Städte oder die Verdichtung des Lebensraums. Der Hochbau komme dadurch wieder vermehrt ins Spiel, dazu auch die Nachhaltigkeit sowie «Internet of Things», die zunehmende Vernetzung von möglichst vielen Dingen sowohl untereinander als auch nach aussen hin und mit dem Internet.

Dass sich Implenia immer mehr Aufträge im Ausland sichere und nicht in der Schweiz, verneinte der CEO nicht. Im Moment würden noch 52 Prozent des Auftragsvolumens im Inland abgewickelt. «Aber dieses Verhältnis wird sich in nicht allzu ferner Zukunft auf 50:50 einpendeln», sagte Affentranger. Renato Cecchet

SDA/mcp

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