Glattfelden

Im Unterland in Sicherheit vor Tierquälerei

Die Empörung über die Tierquälerei auf dem thurgauischen Pferdehof war riesig. Nun befinden sich zwei Tiere auf einem Hof in Zweidlen. Zwei Frauen haben sie bei der Auktion in Bern ersteigert und sorgen nun für ihr Wohl.

Den beiden Pferden ist ihre traurige Vergangenheit kaum mehr anzusehen.

Den beiden Pferden ist ihre traurige Vergangenheit kaum mehr anzusehen. Bild: Francisco Carrascosa

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In der Mittagshitze haben sie sich in den Schatten eines Baumes verzogen. Nun trotten die beiden Pferde dankbar dem Stall entgegen. Etwas dünn sind sie. Beim braunen Tier treten die Rippen hervor, beim gescheckten sind einige Narben zu sehen.

Ansonsten würde ein Laie aber nicht erkennen, dass die beiden stattlichen Wallache auf einer Weide in Zweidlen-Dorf eine denkwürdige Geschichte haben: Beide stammen vom Hof im thurgauischen Hefenhofen, der Anfang August wegen Tierquälerei geräumt worden ist.

Dass sie nun hier auf dem Hof von Andreas Maag ein neues Zuhause gefunden haben, ist zwei äusserst engagierten Frauen zu verdanken. «Wir konnten einfach nicht nichts tun», sagt Michaela Oertli, die in Rümlang selber sieben Pferde besitzt. Zusammen mit Nadia Knöpfel begutachtete sie die Tiere bereits am Dienstag letzter Woche im Armeezentrum im bernerischen Schönbühl, wohin die 93 Pferde aus Hefenhofen gebracht worden waren.

«Wir wollten sieben Pferde herausholen, die am schlimmsten dran sind», erklärt Knöpfel, die mit ihrer Organisation Ex-Rennpferde langjährige Erfahrung in der Vermittlung von ehemaligen Rennpferden hat.

Spenden flossen reichlich

Der Anblick der Tiere hat die Frauen sehr bewegt. Sie gründeten kurzum eine Facebook-Gruppe um nach Plätzen für die geplagten Pferde zu suchen und Geld zu sammeln. «Das Echo war riesig», sagt Oertli. Sie sei überrannt worden von Telefonaten und Nachrichten. Mit einer Tasche voll Bargeld, die für rund 20 Pferde gereicht hätte, fuhren Oertli und Knöpfel schliesslich am letzten Donnerstag nochmals nach Schönbühl, wo die Tiere versteigert wurden.

Der Ansturm an der Auktion war aber so riesig, dass die beiden einstweilen nur zwei Tiere ergattern konnten. Für das prächtige gescheckte Pferd etwa waren über 100 Personen bereit, den Höchstpreis zu zahlen. Nur dank der grossen spontanen Solidarität der Tierfreunde hätten sie ihn schliesslich erhalten, sagt Oertli.

«Wir wollten ihn unbedingt zusammen mit dem braunen Pferd haben, weil die beiden unzertrennlich sind.» Ausserdem sei dieses Tier speziell schwierig zu führen, wie ihnen bereits die Soldaten im Armeezentrum berichteten. «Er ist praktisch wild und Lichtjahre davon entfernt, das man ihn reiten kann.» Deshalb sei es wichtig, dass er nun in Obhut erfahrener Leute sei. Ausserdem würden die Tiere Ruhe brauchen, betont Oertli. «Ein Ansturm an Schaulustigen würde sie stressen.»

Generell seien die Pferde verwurmt, unterernährt und verschmutzt gewesen, sagt Oertli. Anzeichen auf eine direkte Misshandlung gebe es aber nicht. Dass sie nun bereits so toll aussehen, sei dem Einsatz des Militärs zu verdanken. «Die Soldaten haben einen Wahnsinnsjob gemacht.»

Gefahr der Ansteckung

Sorge bereitet den beiden Frauen jedoch der Gesundheitszustand ihrer neuen Schützlinge. Am Montag war bekannt geworden, dass mehrere Pferde im Armeezentrum mit der äusserst ansteckenden Atemwegserkrankung namens Druse infiziert sind. Auch die beiden Pferde in Zweidlen haben Fieber. Dass die Tiere quer in der ganzen Schweiz verteilt worden sind, ohne zuerst ihre Gesundheit abzuklären, finden die Unterländerinnen unfassbar. Es bestehe die Gefahr, dass sie andere Tiere anstecken.

Dennoch wollen Michaela Oertli und Nadia Knöpfel wieder zur Stelle sein, wenn demnächst rund 50 weitere Pferde aus Hefenhofen in den Verkauf gelangen. Von der Facebook-Aktion sei noch viel Spendengeld übrig, sagt Oertli. «Wir sind bereit für die nächste Runde.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 22.08.2017, 18:02 Uhr

Infobox

www.ex-rennpferde.ch

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