Weihnachtsverkauf

Im Laden statt bei der Familie

Trotz Protest der Mitarbeitenden hat das Einkaufszentrum Glatt am Sonntag seine Türen geöffnet. Es sei dabei nicht schwierig gewesen, Personal zu finden, das am 24. Dezember freiwillig arbeitet, sagen die Verantwortlichen.

Am 24. Dezember war der Ansturm auf die Geschäfte im Glattzentrum riesig.

Am 24. Dezember war der Ansturm auf die Geschäfte im Glattzentrum riesig. Bild: Sibylle Meier

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Goldenes Sonntagsshopping am 24. und 31. Dezember – mit diesem Slogan will das Einkaufszentrum Glatt in Wallisellen Kauffreudige in seine Geschäfte locken. An Heiligabend hat es funktioniert: Nachdem bereits am Samstag 60 000 Einkaufs­willige für einen Rekord gesorgt hatten, waren es am Sonntag wohl nicht viel weniger. Die genauen Zahlen werden erst heute Mittwoch vorliegen. Bereits um 11 Uhr waren die Auswirkungen des ­Besucheransturms aber sichtbar: alle­ Parkplätze des Einkaufszen­trums besetzt. Das sind immerhin 4500. Und eine Schätzung ­gaben die Verantwortlichen am Sonntag dann doch ab: Es seien über 50 000 Besucher gewesen.

Die Geschichte dieses Sonntagsverkaufs hat indes bereits vor einem Jahr angefangen. 400 Angestellte hatten sich gegen den Verkauf an Heiligabend gewehrt – mit einer Petition an den Walliseller Gemeinderat. Die Behörde darf pro Jahr maximal vier verkaufsoffene Sonntage bezeichnen. Und hatte wenig Gehör für die Petition. Während das Verkaufspersonal zum Beispiel im Kanton St. Gallen, aber auch in der Stadt Zürich und in Dietlikon am Sonntag frei hatte, stand es in etlichen Unterländer Gemeinden bis 16 Uhr im Laden. Neben dem Glatt öffneten auch das Einkaufs­zentrum Regensdorf, die Migros Bülach Süd, der Coop Bachen­bülach und einige andere Geschäfte. Eine grosse Konkurrenz stellt für die Unterländer Läden­ der Flughafen dar, wo nicht nur am 24., sondern auch am 25. und 26. Dezember bis 21 Uhr Shopping möglich ist.

Trotz Sonntagsverkauf41 Arbeitsstunden pro Woche

Für den Detailhandel sei der Weihnachtsverkauf die intensivste und wichtigste Zeit im gesam­ten Jahr, hält Migros-Mediensprecher Francesco Laratta fest. «Die Sonntagsverkäufe sind bei den Kundinnen und Kunden beliebt», führt er aus. Dennoch würden die Mitarbeitenden nach wie vor 41 Stunden pro Woche arbeiten und hätten auch ihre Freitage.

Den erhöhten Arbeitsaufwand bewältige man mit Unterstützung von Teilzeitmitarbei­tenden und Aushilfen, die vor allem­ an Abenden, Samstagen und verkaufsoffenen Sonntagen die Vollzeitmitar­beitenden entlasten. Häufig kommen für diese Sonderschichten Studierende zum Einsatz. Diese seien flexibel, sagt Laratta. Und an Feier­tagen gibt es für alle einen Lohn­zuschlag von 50 Prozent.

Die Zufriedenheit aller Mitarbeitenden sei sehr wichtig, ­betont Patrick Milo von der Medien­stelle des Glatt. Um deren Bedürfnisse zu berücksichtigen, hätten die Geschäfte den Einsatz über die Festtage von langer Hand geplant. Milo sind keine personellen Engpässe bekannt. Im Gegenteil: «Wir wissen von einzelnen Geschäften, dass sie sogar mehr Anträge zum Arbeiten an diesen Tagen haben, als Res­sourcen benötigt werden.»

Kritiker führen an,der Umsatz verteile sich

Trotzdem hat Lorenz Keller von der Gewerkschaft Unia kein Verständnis für das Vorgehen des Einkaufszentrums und des Gemein­derats Wallisellen: «Das ist reine Zwängerei.» Dass rund ein Fünftel der Belegschaft das Begehren unterschrieben hat, findet er beachtlich. «Es braucht Mut, am Arbeitsort für seine Inter­essen einzustehen.»

Das Argument, wonach der De­tail­han­del auf den zunehmenden Druck des Onlinegeschäfts rea­gieren müsse, lässt der Gewerkschafter nicht gelten: «Der Weihnachtsverkauf kann diese Pro­bleme nicht lösen.» Insgesamt werde nicht mehr gekauft, wenn am 24. Dezember auch noch geöffnet ist. Der Umsatz teile sich einfach anders auf.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 27.12.2017, 10:21 Uhr

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