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TribüneIm Grund nicht lustig

Eine Kolumne von Jürg Acklin.

Die Woche aus Sicht von bekannten Persönlichkeiten.
Die Woche aus Sicht von bekannten Persönlichkeiten.
Olivier Samter

Wir waren mit unserem 16-jährigen Sohn in Österreich in der Nähe von Graz in einer bezaubernden Landschaft in den Ferien. Am zweitletzten Tag bekam er plötzlich Fieber und Kopfweh. Als die Temperatur schnell auf 38,8 Grad stieg, setzten wir uns telefonisch mit einem ortsansässigen Arzt in Verbindung.

Er antwortete uns folgendermassen: Wegen etwas Fieber und Kopfschmerzen käme er nicht, und wir müssten auch nicht kommen, es handle sich sicher nur um eine Sommergrippe. Aha.

Wir riefen ein medizinisches Labor an. Da wurden wir aufgefordert, uns per Mail anzumelden, dann kämen wir schön der Reihe nach dran. Das Resultat erhielten wir frühestens in 24 Stunden. Allerdings, es war Freitag, am Wochenende werde nicht gearbeitet. Was für einen Test wir eigentlich wollten?

Ich sagte: einen Schwangerschaftstest für mich, ich sei 75 und männlich. Schnurstracks fuhren wir mit unserem fiebrigen, maskierten Sohn im Auto in die Schweiz. Nach 9-stündiger Fahrt erreichten wir Zürich und suchten sofort ein Spital auf.

In der Notfallabteilung wies uns das Personal sehr freundlich darauf hin, dass alle Ärztinnen und Ärzte überlastet seien. Auf meine schüchterne Frage, warum den Test ärztliches Personal aus dem Notfall machen müsste und nicht anderes Pflegepersonal, wusste niemand eine Antwort.

Als wir dann am nächsten Morgen getestet wurden, wäre das Resultat für uns viel zu spät gekommen, da wir am folgenden Montag alle wieder an die Arbeit mussten. Nur dank einer einsatzfreudigen und verständnisvollen Ärztin bekamen wir dann die Testresultate am Sonntagvormittag. Zum Glück waren wir alle negativ. Dankbar gingen wir am nächsten Morgen wieder arbeiten.

Jürg Acklin ist Schriftsteller und Psychoanalytiker.
Jürg Acklin ist Schriftsteller und Psychoanalytiker.
Foto: PD