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Jan van Berkel über seine Rückkehr nach Corona«Ich hatte schon Schiss»

Der Zürcher Profi-Triathlet erzählt, wie es war, vollkommen ausgebremst zu werden, und welchen Tipp er anderen Sportlern geben würde, die nach einer Erkrankung in den Alltag zurückkehren wollen.

Normalerweise trainiert der Langdistanz-Triathlet Jan van Berkel bis zu sieben Stunden pro Tag – während seiner Corona-Erkrankung war alles anders.
Normalerweise trainiert der Langdistanz-Triathlet Jan van Berkel bis zu sieben Stunden pro Tag – während seiner Corona-Erkrankung war alles anders.
Foto: Melanie Duchene (Keystone)

«Als Triathlet treibe ich meinen Körper regelmässig ans Limit, trainiere bis zu sieben Stunden jeden Tag. Doch während der Corona-Infektion lag ich fünf Tage lang im Bett und machte rein gar nichts. Für viele Menschen mag das nicht speziell klingen, für mich war es eine absolute Ausnahmesituation.

Anfang Dezember hatte ich Kontakt mit einer infizierten Person. Am Dienstag der besagten Woche fühlte ich mich nicht hundert Prozent fit, und als es am Mittwoch noch nicht besser war, machte ich sofort den Test. Dieser bestätigte mein Gefühl ich war positiv.

Nach Rücksprache mit meinem Trainer und meinem Arzt liess ich alle Trainings ausfallen. Ich fühlte mich schlapp, hatte Gliederschmerzen, und der Hals kratzte. Es ging mir einfach nur scheisse. Fünf Tage lang liess ich meinen Körper regenerieren. Und ich sage es ganz ehrlich: In dieser Zeit hatte ich schon Schiss. Man liest ja etliche Geschichten, zum Beispiel von Langläufern aus Norwegen, die sich aus Vorsicht völlig abschotten, da Corona eine Sportlerkarriere zerstören kann.

«Ich sass 20 Minuten auf die Rolle und drückte 80 Watt – beim Ironman Hawaii fahre ich viereinhalb Stunden bei 280 Watt und renne danach einen Marathon.»

Nach fünf Tagen begann ich wieder leicht zu trainieren, sass für 20 Minuten auf die Velorolle und drückte 80 Watt das würde ich aber nicht einmal als Sport bezeichnen. Beim Ironman Hawaii drücke ich 280 Watt während viereinhalb Stunden und renne danach noch einen Marathon. Es ging lediglich darum, die Muskeln wieder mit Sauerstoff zu versorgen. Doch ich übertrieb es nicht. Ich schaute in meinem Haus aus dem Fenster, sah die verschneiten Hügel und wäre so gern auf die Langlauf-Ski gestanden. Aber ich blieb im Bett.

Nach elf Tagen ging ich zu meinem Arzt, wir checkten das Blut, die Lungenfunktion und ob eine Herzmuskelentzündung vorliegt. Alles war zum Glück okay. 17 Tage nach meinem Positivtest trainierte ich wieder normal, nach Plan und mit der üblichen Intensität.

Wenn ich Sportlern einen Tipp geben kann, wie sie nach Corona wieder in den Alltag einsteigen sollen, wäre das folgender: Gebt eurem Körper die nötige Ruhe und verzichtet komplett auf das Training. Wenn ihr nicht Profi seid und in vier Wochen euer Saisonhighlight ansteht, dann gibt es keinen Grund, zu früh einzusteigen. Wir haben nur einen Motor zu diesem sollten wir Sorge tragen.»

1 Kommentar
    Corinne Pfister

    Ja lieber Jan; kranksein gehört zum Leben. Ob Sportler oder nicht... ob Corona oder Grippe. Ruhepausen haben auch ihr gutes; also entspann dich....