Handball

«Ich glaube, dass wir das hinbekommen»

Pfadi kämpft ums Überleben. Wenn der Klub bis Ende März nicht 400 000 Franken generiert, muss der Spielbetrieb eingestellt werden. Präsident Jürg Hofmann erklärt die Lage.

Kämpferisch gibt sich Jürg Hofmann, der Pfadi-Präsident und Baumeister sowie Verwaltungsratspräsident von Win4, zu dem die Axa-Arena, Pfadis Heimspielstätte, gehört.

Kämpferisch gibt sich Jürg Hofmann, der Pfadi-Präsident und Baumeister sowie Verwaltungsratspräsident von Win4, zu dem die Axa-Arena, Pfadis Heimspielstätte, gehört. Bild: Urs Stanger

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Im Sommer 2016 kam Pfadi mit 1,5 Millionen Franken Schulden erstmals mit Geldproblemen an die Öffentlichkeit. Letzten Sommer waren es 1,77. Und jetzt?
Jürg Hofmann: Immer noch diese Zahl.

Was ist schiefgelaufen?
Jürg Hofmann: Eigentlich sind es immer noch jene Altlasten, die wir aus der Zeit, als ich noch nicht Präsident war, mitschleppen. Diese konnten wir noch nicht ­bereinigen. In der Zwischenzeit mussten wir den Ausstieg des Hauptsponsors, der seinen Siebenjahresvertrag wegen eines Besitzerwechsels nach zwei ­Jahren gekündigt hatte, und von ­anderen Sponsoren hinnehmen. Insgesamt hätte uns das 200 000 Franken eingebracht. Und es fehlt ein A-fonds-perdu-Dar­lehen von einer Million Franken, das man uns versprochen hat. Es war die Summe vieler Dinge.

Was gab den Ausschlag für den jetzigen Hilferuf?
Im November habe ich den Glauben endgültig verloren, dass wir diese Million noch erhalten werden. Da wusste ich, dass wir etwas unternehmen müssen, dass wir nicht mehr wie bisher Monat für Monat ums Überleben kämpfen können. Deshalb haben wir das Ganze ins Rollen gebracht. Jetzt haben wir auch noch Zeit, um die Rettung bis Ende März durch­ziehen zu können.

Von wem hätte diese Million kommen sollen?
Aus Persönlichkeitsschutz werde ich keinen Namen nennen. Ich möchte dies jetzt auch ruhen ­lassen. Wir müssen uns vielmehr darauf konzentrieren, wie wir Pfadi retten können, als in Grabenkämpfe verwickelt zu sein.

Dann haben Sie mit Geldern budgetiert, die effektiv gar nicht vorhanden waren?
Ja. Im Nachhinein muss man ­sagen, dass wir zu viel auf solche Einnahmen gehofft haben. Andererseits waren die Zusagen damals sehr fundiert gewesen.

2016 war die Rede von zwei Geldgebern gewesen. Heute ­haben Sie sich geoutet, dass Sie einer von ihnen sind. Denken Sie, dass Sie von Ihrem Darlehen von 1,27 Millionen Franken noch etwas zurückerhalten?
Ich habe das nicht abgeschrieben, für das werde ich auch kämpfen, ich kann es mir nicht erlauben, das einfach abzuschreiben. Momentan geht es aber nicht um mein Darlehen, sondern primär um die Rettung von Pfadi. Was mit meinem Geld passiert, werden wir zum entsprechenden Zeitpunkt anschauen.

Gleiches gilt für die anderen ­Personen, die Darlehen über total 230 000 Franken gewährt haben?
Wir werden mit gewissen Leuten sprechen. Vielleicht kommt man uns entgegen. Das schauen wir später an. Das primäre Ziel ist es, mit den 400 000 Franken, die wir bis Ende März brauchen, diese Saison zu retten. Zweite Priorität hat, den Bestand des Vereins längerfristig zu sichern, eine Nachhaltigkeit zu schaffen, damit wir unsere sportliche Ausrichtung beibehalten können. Dazu brauchen wir für die kommende Zeit jährlich weitere 400 000 Franken von Sponsoren und Gönnern.

Was ist mit dem Darlehen der Stadt, das – gebunden an Sanierungsversprechen – zugunsten der Junioren gewährt wurde?
Auf vier Jahre aufgeteilt, sind es 100 000 Franken. Wir erhalten den Betrag seit 2016 jährlich.

An den Ambitionen wird nicht gerüttelt? Man will trotz allem vorne mitspielen?
Sollten wir diese zusätzlichen 400 000 Franken für die Nachhaltigkeit nicht erreichen, dann muss man über die sportliche Strategie des Vereins nachdenken. Aber dafür haben wir noch Zeit. Jetzt gilt es, die ersten 400 000 heranzubringen. Je früher wir das schaffen, desto früher können wir uns um die weitere Zukunft von Pfadi Winterthur kümmern.

Einnahmen sind das eine,die Kosten das andere. An den aktuellen Verträgen der Spieler wird nichts geändert?
Das haben wir in den letzten Jahren schon ausgereizt, wir sind bei den Kosten schon sehr sparsam gewesen. Es wollten Spieler zu uns kommen. Wir haben ab­gesagt, weil wir finanziell nicht überborden konnten. Daran werden wir festhalten.

Das Team in der Nationalliga B benötigt ebenfalls Geld. Sind die Kosten nicht zu gross angesichts des Nutzens?
Insgesamt ist die NLB-Mannschaft nicht der Kostenblock, der uns zur Rettung führen würde. Im Gesamtkontext ist die Nationalliga B für den Standort Winterthur sehr wichtig. Ob das Pfadi machen muss, ist die andere Frage. Wir haben das schon 2016 und jetzt wieder besprochen. Wichtig ist einfach, dass es diese Zwischenstufe zwischen Nachwuchs und Nationalliga A gibt, dass dort Leistungssport betrieben wird. Wenn wir dieses Gefäss verlieren, ist der Schaden viel grösser als die Kosten, die es verursacht.

Sinnvoll wären auch in dieser Beziehung Allianzen mit Erst­ligavereinen, von denen es in der Umgebung doch einige gibt.
Dem werde ich mich nicht verschliessen.

Wäre es nicht besser gewesen, man hätte 2016 entschieden, dass Pfadi seine Ziele zurückschraubt, massiv Kosten spart und vorderhand halt nur noch ein Mittelfeldklub der NLA ist?
Diese Szenarien haben wir durchgespielt. Wenn wir um den Abstieg spielen, sind wir nicht mehr attraktiv. Würden wir da nicht noch mehr Sponsoren verlieren? Vielleicht würden wir heute vor einem noch schlimmeren Problem stehen. Unattraktiver Sport macht uns nicht attraktiver für Sponsoren. Ich denke, dass es jeder geniesst, hier Spitzensport schauen zu können. Nochmals: Die Kosten müssen optimiert werden, man darf nicht überborden. Das haben wir, so meine ich, wirklich auch erfüllt. Die Strategie auf der Ausgabenseite haben wir völlig erfüllt.

Ein Hauptsponsor würde etwa 150 000 Franken jährlich einbringen. Seit alten «Winterthur»-Zeiten ist Pfadi dran, einen zu finden. Weshalb ist das so schwierig?
Ich diskutiere mit sehr vielen Leuten darüber. Ist es Winterthur? Ist es unsere Sportart? Ich kann das abschliessend nicht erklären.

Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass die 400 000 Franken bis Ende März zusammen­kommen?
Ich bin immer sehr positiv und glaube, dass wir das heranbringen. Wir wollen eine Welle in Gang setzen.

Wie haben die Leute im Klub, Spieler, Sponsoren, Nachwuchsteams und Eltern, reagiert,als Sie am Dienstag die Lage schilderten?
Zunächst waren alle sehr bedrückt. Dann kehrte die Stimmung in «Wir packen das!». Das stimmt positiv und ermutigt uns.

Win4 und die Axa-Arena waren in den letzten drei Jahren das Hauptthema. Ist der Verein in den Hintergrund geraten?
Pfadi spielt in dieser Arena. Deshalb habe ich Pfadi nie aus den Augen gelassen. Wir haben sehr intensiv am Verein gearbeitet, auch an den Strukturen. Wir sind sehr professionell unterwegs.

Ausser im Verkauf der Marke Pfadi?
Ja, das stimmt. Im Marketing müssen wir uns noch steigern. Aber: Ich kann ja auch niemanden dafür einstellen, wenn man keine Mittel hat. Sobald es dem Verein etwas besser geht, werden wir uns in dieser Beziehung professionell ausrichten. Wir werden Geld wohl eher für einen Marketingprofi ausgeben als für einen neuen Spieler.

Pfadi ist der Hauptnutzer der Axa-Arena. Was würde ein Aus des Klubs für die Arena bedeuten?
Nichts Gutes.

Erstellt: 15.01.2019, 22:50 Uhr

Pfadi4ever

An der Seite von Pfadi-Präsident Jürg Hofmann und Trainer Adrian Brüngger äusserten sich gestern Romana Heuberger und Karin Leuch zur prekären Lage des Vereins. Sie vertraten jene neu gegründete Gruppe, die sich «Pfadi4ever» nennt und den Klub retten will. «Gegen das Lichterlöschen» kämpfe man an, sagte Romana Heuberger, die selbstständig arbeitende PR- Beraterin. «An Ideen mangelt es nicht», ergänzte sie. «Und wir sind froh um weitere Inputs, was man noch machen könnte.» Der Fokus liege auf der kurzfristigen Finanzierung, sagte Kommunikationsprofi Karin Leuch. «Zugleich geht es aber auch um die langfristige Sicht, damit wir in einem Jahr nicht wieder vor dem gleichen Problem stehen.»

Die Aktion, die Pfadi gestern offiziell startete, sei «ein Hilferuf an Winterthur. Wir kommen nicht weiter ohne Unterstützung aus, dazu müssen wir stehen», bemerkte Brüngger. «Ich weigere mich, zu akzeptieren, dass in Winterthur nicht gleich viel Geld zu holen ist wie in Thun oder St. Gallen.» Die NLA-Klubs jener Städte hatten sich in der Ver­gangenheit erfolgreich gegen Finanz­probleme gewehrt.

Der Verein Pfadi4ever hat das Ziel, die fehlenden 400 000 Franken bis Ende März mit diversen Aktionen und unter Ein­bezug der Bevölkerung und von Firmen aufzutreiben. Beispielsweise läuft unter www.lokalhelden.ch/pfadi4ever eine Crowd­funding-Sammelaktion über 50 000 Franken. Diverse Winterthurer Firmen machen bereits mit. Der lokale Bierbrauer Chopf­ab etwa lanciert am 30. Januar ein Benefiz-Bierkistenrennen. Mit den auf allen Ebenen sehr erfolgreichen Pfadi-Junioren sind Strassenaktionen geplant, und an kommenden Spieltagen gibts Spezialaktionen. Infos zu den Projekten sind auf www.pfadi-winterthur.ch/pfadi4ever,

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