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«Ich bin enttäuscht und frustriert»

Swiss-Tennis-Präsident René Stammbach ärgert, dass der Sport noch nicht in den Genuss von ersten Lockerungen der Corona-Massnahmen kommt. Und in Bern aktuell kaum Gewicht hat.

Vorerst vergebenes Hoffen auf Spiele: Swiss-Tennis-Präsident Rene Stammbach.
Vorerst vergebenes Hoffen auf Spiele: Swiss-Tennis-Präsident Rene Stammbach.
Peter Klaunzer/Keystone

Die Gesichter des sportaffinen Teils der Schweizer Bevölkerung wurden am Donnerstag länger und länger. Der Bundesrat orientierte ausführlich über Lockerungsmassnahmen und schnitt in den zwei Stunden fast alle möglichen grösseren Branchen an. Grosse Ausnahme: der Sport mit seinen rund 2 Millionen organisierten Mitgliedern, der also immerhin einen Viertel der Gesamtbevölkerung ausmacht.

Swiss-Tennis-Präsident René Stammbach hält mit seiner Meinung nicht zurück: «Ich bin enttäuscht und auch frustriert, dass der Sport mit praktisch keinem Satz erwähnt wurde.» Diese Ignorierung bedeutet auch, dass alle in einen Topf geworfen werden, die Teamsportarten und Kampfsportarten, welche naturgemäss die Abstandsregeln nicht einhalten können, gleich gewichtet werden wie Sportarten, welche die behördenmässigen Vorgaben zu jeder Zeit erfüllen können. «Es fehlt die Verhältnismässigkeit», sagt Stammbach und betont, dass es ihm nicht nur ums Tennis gehe: «Es gilt beispielsweise auch für Golf, Bogenschiessen, oder einzelne Disziplinen in der Leichtathletik wie Weitsprung oder Diskus, Speer oder Hammer.»

Man war vorbereitet

Diese Verbände wären nicht unvorbereitet gewesen, wenn grünes Licht erteilt worden wäre. Sie hatten Schutzkonzepte bereit, teils auch schon eingereicht, und es wäre ja noch Zeit für Feinjustierungen geblieben. So wäre im Tennis ein Reservationssystem vorgesehen, damit nicht gleichzeitig zu viele Leute auf den Anlagen sind. Die Garderoben wären geschlossen, das Restaurant ebenso, und man hätte den Personen auch geraten, die Toilette zuhause aufzusuchen. Sogar die Bälle hätte man markiert. «Aus logischer Sicht sprach nichts dagegen, dass wir am 27. April beginnen können», sagt Stammbach. Es wäre ja auch nicht der erste Verband gewesen: In Tschechien wird schon gespielt, in Österreich und dem deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz bald.

Gemäss der vor kurzem veröffentlichten Studie «Sport und Wirtschaft», die das Bundesamt für Sport in Auftrag gab, hat die Sportwirtschaft Schweiz 2017 einen Umsatz von 22,2 Milliarden Franken erwirtschaftet. Das Beschäftigungsvolumen beträgt 97’900 vollzeitäquivalente Stellen, der Sport leistet einen Beitrag von 2,4 Prozent zur Gesamtbeschäftigung.

Wer am lautesten gebrüllt hat, bekommt am meisten.»

René Stammbach

Für den Bundesrat, respektive seine Zulieferer aber zu wenig, um am Donnerstag zum Thema zu werden, ebenso wenig wie der physische und psychohygienische Wert des Sports. Stammbach sagt, die Verbände, inklusive Swiss Tennis, seien mitschuldig: «Wir Verbände haben zu fest darauf vertraut, dass der gesunde Menschenverstand obsiegt, und wir haben viel zu wenig Druck ausgeübt.» Ganz anders sei es in anderen Branchen gewesen, sagt Stammbach: «Wer am lautesten gebrüllt hat, bekommt am meisten.»

Sie bleiben vorerst geschlossen: eine leere Tennishalle  in Bern.
Sie bleiben vorerst geschlossen: eine leere Tennishalle in Bern.
Peter Klaunzer/Keystone

Im Nachgang der Beschlüsse hat der Bundesrat das VBS beauftragt, bis am 13. Mai eine Strategie für die Lockerung der Massnahmen im Sport zu entwickeln und vorzulegen. Das Datum liegt zwei Tage nach Beginn der zweiten Etappe, damit wären Anpassungen erst auf den 8. Juni möglich. «Das ist zum Beispiel für Golf, Tennis und Leichtathletik viel zu spät», sagt Stammbach. Allerdings sah er am Freitagabend verlässliche Anzeichen, dass der Prozess beschleunigt werden könnte. Das setze allerdings voraus, dass die Verbände die Schutzkonzepte zeitnah zuhanden des Baspo und von Swiss Olympic einreichen.

21 Kommentare
    Raggenbass

    Herr BR Berset hat ausdrücklich gesagt, dass Einzelsportarten unproblematisch sind. 2 Meter Distanz bei Tennis ist von der Sache her schon unproblematisch.