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TribüneHunde, Wölfe und Menschen

Eine Kolumne von Jürg Acklin.

Die Woche aus Sicht von bekannten Persönlichkeiten.
Die Woche aus Sicht von bekannten Persönlichkeiten.
Illustration: Olivier Samter

Vorweg: Ich mag Hunde, Wölfe und sogar Menschen. Jetzt gibt es ja dann wieder neue Verordnungen für Hundebesitzer und -besitzerinnen. Ausgeweitete Leinenpflicht und zum Teil Verbote für Hunde in gewissen Grünanlagen. Vielleicht wird das ja dann auch alles wieder rückgängig gemacht wie die Hundekurse. Zuerst wurden sie eingeführt, dann wieder abgeschafft und neuerdings wieder eingeführt. Das gibt doch immerhin einen gewissen Spielraum.

Übrigens finde ich die neuen Verordnungen gar nicht schlecht. Wir in den Städten Lebenden haben ja eine Schwäche für Wölfe und freuen uns darauf, wenn die ersten im Quartier auftauchen als sogenannte Zivilisationsfolger. Die können wir nur schwer an die Leine nehmen, deshalb ist es vielleicht wirklich besser, in Pärken Freiräume zu schaffen, damit die Wölfe ungestört von den Hunden ihre friedlichen Rudel bilden können. Wahrscheinlich kämen sie nämlich nicht miteinander aus, obwohl ja die einen von den anderen abstammen sollen. Das ist zum Beispiel unmittelbar einsichtig bei den Rehpinschern.

Trotzdem könnten die eine Gefahr für die Wölfe werden, wenn die Besitzerin ihn nicht rechtzeitig im Handtäschchen versorgt. Ganz abgesehen von einer letztlich unerwünschten Durchmischung. Wolfspinscher will wirklich niemand, weder wir naturliebenden Städter und Städterinnen noch die naturfernen
Bergbewohner und Bergbewohnerinnen. Stellen sie sich vor, da taucht im Puschlav plötzlich ein Wolfspinscher auf, der die Schafe bedroht: «Schiessen oder nicht schiessen?», ist da die Frage.

Solche Dilemmata gibt es aber auch in der Stadt. Sollen die Bewohner und Bewohnerinnnen von Altersheimen Wolfspinscher füttern, oder sollen sie Reissaus nehmen? Alles gar nicht so einfach. Darum am besten Leinenzwang und Parkverbot. Allerdings stört wahrscheinlich am meisten der Mensch die idyllische Natur.
Also am besten Parkverbot für Menschen. Homo homini lupus. Das wollen wir für einmal nicht übersetzen.
Jürg Acklin

Jürg Acklin ist Schriftsteller und Psychoanalytiker.
Jürg Acklin ist Schriftsteller und Psychoanalytiker.
Foto: PD