Zum Hauptinhalt springen

Miniaturen des AlltagsHund und Katz und Maus

Über einen paradiesischen Zustand und eine vertagte Bluttat im Garten.

Eine kleine Geschichte aus dem Alltag.
Eine kleine Geschichte aus dem Alltag.
Illustration: Olivier Samter

Eben habe ich noch in der Erde gewühlt – Beete von Unkraut befreit. Nun sitze ich auf einem Gartenstuhl und blinzle in die Sonne. Nirgendwo fällt mir das Nichtstun einfacher als auf diesem Stück Erde, das sich in den letzten Jahren vom langweiligen Weideland in einen Garten verwandelt hat, der in mir Glücksgefühle auslöst, wenn ich ihn betrachte. Wo früher Schafe grasten, stehen heute Obst- und Kastanienbäume. Gemüsebeete, Wege und Sitzplätze sind entstanden, und die neu gepflanzten Rosen werden mit jedem Jahr üppiger.

Dieser Garten ist auch das Territorium einer Hündin und eines Katers. Sie, deren dunkles Fell unter den Augen mittlerweile weiss gesprenkelt ist, scheint zu lächeln, wenn man mit ihr spielt. Er, dessen Fellzeichnung an einen Frack erinnert, döst unter einer Thuja, um im nächsten Moment mit einem Vogel in der Schnauze vorbeizustolzieren. Das ungleiche Paar, das sich zugleich Dinge abschaut, hat sich in meine Nähe gesellt. Allerdings nicht meinetwegen. Eine verängstigt piepsende Spitzmaus flüchtet an mir vorbei in den nächstgelegenen Busch.

Ein Spiel mit unausweichlichem Ende? Mit dem Jagdeifer des Katers ist es nicht weit her. Gelangweilt wendet er sich ab und überlässt den Nager der Hündin. Diese, ganz Terrier, nimmt die Fährte auf und schnäuzt sich aufgeregt – so, wie wenn sie beim Essen unter dem Tisch auf sich aufmerksam macht, um ein Stückchen Käse oder Fleisch zu erbetteln. Die Maus nutzt den Sekundenbruchteil. Sie rennt über den Rasen in ein anderes Versteck, unbesehen von Hund und Katz. Die alte Hündin schnüffelt noch eine Weile weiter. Ich lasse meinen Blick erneut über den üppigen Garten wandern. Die vertagte Bluttat lässt ihn noch paradiesischer erscheinen.