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Hund fährt auf dem Sitz ­– Situation im Bus eskaliert

Das Zürcher Obergericht hat gestern einen jungen Mann aus dem Bezirk Dielsdorf verurteilt, weil er im Postauto dem Chauffeur drohte. Zudem hielten die Richter dem Mann eine Standpauke. Es nützte nichts.

In einem Postauto kam es im September 2015 zu unschönen Szenen: Der Chauffeur wurde von einem Fahrgast bedroht. (Symbolbild).
In einem Postauto kam es im September 2015 zu unschönen Szenen: Der Chauffeur wurde von einem Fahrgast bedroht. (Symbolbild).
Keystone

Ein Satz stand im Zentrum der gestrigen Verhandlung am Zürcher Obergericht: «Chum use. dänn kläred mir das und denn chan ich de Bus witerfahre.» Ein heute 20-jähriger Schweizer sagte diese Worte auf einer Busfahrt im September 2015 zum Chauffeur und wurde deshalb von diesem wegen Drohung angezeigt. Weil er den Fahrer zuvor auch noch als Wixer und Hurensohn bezeichnet hatte, lautete die Anklage zusätzlich auf Beschimpfung.

Ausgelöst hatte den Vorfall eine Diskussion um den Hund eines Kollegen des Angeklagten. Dieser liess den Vierbeiner auf einem Sitz des Postautos Platz nehmen. Der Chauffeur hielt darauf sein Fahrzeug an und forderte die beiden jungen Männer auf, den Hund vom Sitz zu nehmen. Dies missfiel dem Angeklagten. Er wollte wissen, wo geschrieben stehe, dass Hunde nicht auf den Sitz sein dürfen. Schliesslich habe sein Freund ein Ticket für den Vierbeiner gelöst, gab er an der Verhandlung zu Protokoll.

In Dielsdorf verurteilt

Das Bezirksgericht Dielsdorf verurteilte den 20-Jährigen erstinstanzlich. Vorauf hin der Beschuldigte das Urteil weiterzog ans Obergericht. Den Schuldspruch wegen Beschimpfung akzeptierte er, jedoch nicht jenen wegen Drohung. Denn entsprechenden Satz wollte er nicht gesagt haben. «Ich sagte nur, wir sollen nach draussen gehen, damit wir die Angelegenheit nicht vor den anderen Fahrgästen regeln müssen», erklärte er sich.

Die Oberrichter bezeichneten dies bei der Urteilseröffnung als reine Schutzbehauptung und bestätigten das Urteil des Dielsdorfer Bezirksgerichts vollumfänglich. So erhielt der Angeklagte eine unbedingte Geldstrafe zu 40 Tagessätzen à 30 Franken (1200 Franken) aufgebrummt. Die Oberrichter hätten gar noch gerne ein härteres Verdikt gefällt. «Das Urteil ist viel zu mild. Wir hätten ihnen noch eine höhere Geldstrafe gegeben, doch leider dürfen wir nicht über das Dielsdorfer Urteil hinausgehen», sagte dazu der vorsitzende Richter.

Einschlägig vorbestraft

Zum Verhängnis wurde dem Angeklagten neben seinem uneinsichtigen Verhalten vor Gericht auch eine Vorstrafe. So ist er bereits einmal wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte verurteilt worden. Zudem läuft gegen ihn ein Strafverfahren wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand. Die Polizei hatte bei einer Kontrolle Cannabis in seinem Blut festgestellt. Dieses Strafverfahren bezeichnete der Beschuldigte gestern als «nicht relevant» für ihn. Gegen den Strafbefehl hat er bereits Einsprache erhoben.

Laut Aussagen des Postauto-Chauffeurs war der Beschuldigte schon vor der Tat negativ in den Bussen aufgefallen. So habe er einmal im Fahrzeug gekifft. Ein anderes mal soll er gar einen Buschauffeur geschlagen haben.

Die Richter ermahnten den 20-Jährigen deshalb: «Wenn sie so weitermachen, dann werden wir uns hier bald wiedersehen. Und beim nächsten Mal gibt es mit Sicherheit keine Geldstrafe mehr, so viel kann ich ihnen sagen.»

Zu seiner Zukunft konnte der Angeklagte vor Gericht keine Aussagen machen. So sei er derzeit arbeitslos und lebe bei seiner Mutter, die ebenfalls ohne Beschäftigung sei. Auf Arbeitssuche sei er nicht, da ein Arzt ihn wegen Magenproblemen kranke geschrieben habe. Den Tag verbringe er meist schlafend, in der Nacht sei er wach und schaue fern. Bis zum Beginn der bevorstehenden Rekrutenschule habe er keine Pläne und wie es danach weitergehe, wisse er nicht.

Die Standpauke der Richter schien auf ihn ebenfalls keinen Eindruck gemacht zu haben. So redete er sich nach der Verhandlung vor dem Gerichtssaal bereits wieder in Rage und schimpfte über den Buschauffeur.

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