Oberrieden

Das Open Air mit der schönsten Aussicht

Zur 35. Ausgabe des Open Air Oberrieden trägt ein buntes Line-Up zur Sommerstimmung bei. Der Berner Rapper Baze sorgt mit seinem Konzert für etwas Wehmut vor der Party.

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«Das ist schon das Open Air mit der schönsten Aussicht». Bevor sie für das obligatorische Instagram-Foto posiert, bleibt eine junge Besucherin kurz stehen und bewundert die spektakuläre Szenerie: Das Open Air Oberrieden hat den idealen Standort. Bei fast kitschiger Sonnenuntergangsstimmung vor Seekulisse, liessen am letzten Wochenende zum 35. Mal Hiphop Beats den Boden über Oberrieden beben.

Neben einigen Vertretern des Schweiz-Raps tauchen auf dem Line-Up auch internationale Künstler wie Delinquent Habits oder Gavelyn auf. Am Freitag und Samstag verwandeln sie die Oberriedner Schützenwiese in eine Tanzfläche. Mit Shuttlebussen werden die Besucher vom Bahnhof zum Festivalgelände transportiert. Gegen 20 Uhr ist das Festivalgelände gefüllt.

Endlich Sommerstimmung

Während ein frisches Bier geholt und die nächste Zigarette angezündet wird, bauen die Helfer für den nächsten Künstler auf. Mit Baze kommt wieder ein Stück Berner Rap-Lyrik nach Oberrieden. Die Musiker machen langsam Stimmung und ein Pärchen in den 60ern wärmt sich schon mal zum Tanzen aufwärmt. Sie fallen auf, denn im Publikum sind hauptsächlich junge Gesichter zu sehen.

«Endlich ist der Sommer da, die Dreckssau», was Baze von der Bühne ruft, ist Tatsache. Die 35. Ausgabe des Open Air Oberrieden hat schon fast unverschämtes Glück mit dem Wetter. Bei fast 30 Grad und keiner Wolke am Himmel, stehen die Besucher entspannt bei Literkrügen mit Bier und zwischen viel Zigarettenrauch beisammen und geniessen die letzten Sonnenstrahlen. Während die Sonne untergeht, versetzt Baze das Festival-Zelt in seinem eigenwilligen Sprechgesang in wehmütige Stimmung. Zwischen melancholisch und wütend, untermalt von elektronischen Beats, deren Basslautstärke mit der Dunkelheit zunehmen, rappt der Berner von Schmerz, Freundschaft und der Liebe. Richtig Partystimmung kommt nicht auf, dafür ist Bazes Musik nicht geeignet. Er mixt langsame Beats, elektronischen Bass und immer wieder neue Sounds. Aber diese sind so reduziert, dass sie nicht von seiner rauchigen Stimme ablenken. Seine Musik ist repetitiv, manchmal fast schon monoton, nachdenklich.

Finale zur Party

Mit seinem jüngsten Album «Gott» hat der 39-Jährige eine neue Richtung eingeschlagen. Auch wenn er – ganz der Rapper – nach fast jeder Überleitung kurz flucht, hebt sich seine Musik in der Schweizer Mundartszene ab. «U statt mer d’Notbrämse zieh springe mer mit ufe Zug» – in poetischen Bildern skizziert er die Hoffnungslosigkeit. In lyrischen Momentaufnehmen sinniert er über die Einsamkeit einer reichen Gesellschaft, den Schmerz einer Trennung, Familie und Freundschaft.

Es ist dunkel geworden in Oberrieden, zwischen dem tanzenden Scheinwerferlicht sieht man nur noch die Rauchschwaden in der Luft. Baze nimmt einen Zug von seiner Zigarette, einen Schluck von seinem Bier und dreht noch einmal auf zum Finale. Der Beat wird schneller, die Lichter flackern. «So, schö gsi bi eu Oberriede». Applaus, Zugabe und dann ist es vorbei. Die Besucher strömen zum Festzelt, wo sich acht Graffiti-Künstler im Sprayen messen.

Erstellt: 02.06.2019, 17:15 Uhr

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