Horgen

Zwei Drittel stimmen für Fussgängerpasserelle beim Seegüetli

Die Passerelle über den Bahnübergang beim Seegüetli wird gebaut. Die Horgner haben das Projekt und dessen Kredit deutlich genehmigt.

Velofahrer werden weiterhin warten müssen. Für Fussgänger führt der Weg ab nächstem Sommer über die Passerelle.

Velofahrer werden weiterhin warten müssen. Für Fussgänger führt der Weg ab nächstem Sommer über die Passerelle. Bild: Sabine Rock

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Das Warten hat im doppelten Sinn ein Ende: Einerseits das jahrelange Warten auf ein mehrheitsfähiges Projekt, durch das der Bahnübergang beim Seegüetli für Fussgänger schneller überquerbar wird. Seit 2004 sind solche Projekte immer wieder und aus verschiedenen Gründen gescheitert. Andererseits das minutenlange Warten vor der verschlossenen Barriere am Bahnübergang. Dank dem nun angenommenen Bau einer Passerelle verfällt für Fussgänger zukünftig die Wartezeit, die bis zu 20 Minuten betragen kann. Die z-förmige Brücke wird vom Areal der Gemeindewerke über die Gleise in Richtung Sportbad Käpfnach führen.

3721 Stimmzettel verzeichnen ein Ja, während 1894 Personen das Projekt und dessen Kredit in Höhe von 3,2 Millionen Franken ablehnen. Die Stimmbeteiligung liegt bei 43,5 Prozent.

Diskussionen in Parteien

Dass das Resultat so deutlich ausfällt, ist insofern erstaunlich, als das Projekt bei den Horgner Parteien für einige Diskussionen gesorgt hatte. Die SP Horgen beschloss die Nein-Parole, weil es fraglich sei, ob das vorgeschlagene Bauwerk notwendig und dessen Kosten verhältnismässig seien. Den Wartezeiten für Autos und Velos würde die Fussgängerpasserelle keine Abhilfe schaffen. Zudem handle es sich fast ausschliesslich um Freizeitverkehr, teilte die SP im April in einer Medienmitteilung mit. Die Ortsparteien der EVP und der FDP fassten zwar die Ja-Parole, doch bei der EVP fiel diese Entscheidung gemäss Mitteilung «trotz wenig Überzeugung» und bei der FDP ebenfalls nur mit knapper Mehrheit.

Dennoch zeigen sich nach der Abstimmung weder Befürworter noch Gegner überrascht. «Ich habe gehofft, dass die Einsicht grösser ist als die Polemik und freue mich über die Deutlichkeit des Resultats», sagt der zuständige Gemeinderat, Tiefbauvorsteher Markus Uhlmann (GLP) auf Anfrage. Er betont, dass die Passerelle nicht lediglich ein auf den Sommer ausgerichtetes Projekt sei, das nur den Badegästen des Sportbads zugute komme. Der Seezugang sei für viele Horgner das ganze Jahr hindurch wichtig, das Projekt ein Zugewinn an Lebensqualität.

Die geplante Passerelle beim Bahnübergang Seegüetli erinnert an eine Z-Form. Verschieben Sie den Regler um zu sehen, wo sie gebaut werden soll.

Ein «Autofahrer-Entscheid»?

Es handle sich beim Resultat wohl um einen «Autofahrer-Entscheid», sagt Co-Präsidentin der SP Horgen, Christa Scheidegger. Diesen kommen beim Bahnübergang zukünftig keine Fussgänger mehr in den Weg, welche die Durchfahrt verlangsamen und die Autofahrer so teils zum Absitzen einer weiteren Rotlichtphase zwingen. Sie hält aber an ihren Bedenken fest: «Es handelt sich um ein überrissenes Projekt mit vielen Unklarheiten.» Damit meint Scheidegger etwa die zukünftige Situation für Velos. Dürfen diese über die Passerelle fahren oder müssen sie weiterhin an der Bahnschranke warten? «Es ist nicht die Idee, dass mit dem Velo über die Passerelle gefahren wird», sagt Markus Uhlmann. Man zähle hierbei auf die Eigenverantwortung jedes einzelnen.

Ausserdem ist es Scheidegger weiterhin unklar, ob die Passerelle rollstuhlgängig sein wird. Diesbezüglich empfahl die Arbeitsgemeinschaft Behindertengerechtes Leben in Horgen, die Vorlage abzulehnen, weil die Rampen mit 12 Prozent Steigung und Gefälle für Mobilitätseingeschränkte nicht alleine zu bewältigen seien. Uhlmann spricht von einem Kompromiss, der das Projekt mehrheitsfähig machte. Weniger Steigung hätte eine längere Rampe und dementsprechend höhere Kosten zur Folge gehabt.

Die Passerelle soll im Sommer 2020 stehen. Die Vorbereitungsarbeiten beginnen diesen Herbst. Für den Bau kann dann ein Zeitfenster genutzt werden, während dem die SBB an der Bahnlinie arbeiten. Der Gemeinderat nimmt auch einen Vorschlag der FDP-Ortspartei auf: Er will gegenüber dem Kanton die finanzielle Beteiligung am Projekt anschneiden, weil die Passerelle als Teil des Seeuferwegs betrachtet werden kann, den der Kanton bereits jetzt an verschiedenen Stellen mitfinanziert. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.05.2019, 18:13 Uhr

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