Richterswil

Zwei Räte duellieren sich um das Gemeindepräsidium

Gleich zwei aktuelle Gemeinderäte bekunden Interesse am Amt Richterswiler Gemeindepräsidium. Nebst Marcel Tanner (FDP) schickt sich auch Hansjörg Germann (CVP) ins Rennen. Zudem stellen sich die meisten Gemeinderäte für eine weitere Legislaturperiode zur Wahl. Der parteilose Ruedi Reichmuth tritt nicht mehr an. Und einer der Räte hüllt sich in Schweigen.

Wie viele der Sitze im Richterswiler Gemeinderat auf die kommende Legislaturperiode frei werden, scheint im Moment noch unklar.

Wie viele der Sitze im Richterswiler Gemeinderat auf die kommende Legislaturperiode frei werden, scheint im Moment noch unklar. Bild: Patrick Gutenberg

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Es wird spannend: In Richterswil buhlen zwei der aktuellen Gemeinderäte um das frei werdende Präsidialamt der Gemeinde. Bereits seit Juli ist klar, dass Gemeindepräsident Hans Jörg Huber (FDP) sein Amt zur Verfügung stellen wird. Zeitgleich machte die FDP bekannt, dass sie den aktuellen Finanzvorstand Marcel Tanner ins Rennen schicken wird. Er wurde nun an der Parteiversammlung vom Mittwoch definitiv nominiert.

Ebenfalls Interesse am höchsten Amt der Richterswiler Exekutive bekundet der aktuelle Planungs- und Bauvorstand Hansjörg Germann (CVP). «Ich habe Freude an unserem aktiven Dorfleben und spüre eine starke Verbindung zu Richterswil», sagt Germann. Als Gemeindepräsident könnte er noch mehr bewirken, Projekte koordinieren und relevante Themen vorantreiben, sagt er.

Auch wenn wahrscheinlich reine Formsache, ist Hansjörg Germann noch nicht von seiner Partei, der CVP, nominiert. «Wir haben sein Interesse am Amt gerne entgegengenommen», sagt Peter Theiler, Präsident der CVP Richterswil. Da sie den formellen Weg einhalten müssten, würden sie das bekundete Interesse von Hansjörg Germann nun parteiintern prüfen und eine Nomination sobald als möglich vornehmen, so der Parteipräsident.

Marcel Tanner (links) und Hansjörg Germann rechnen sich beide gute Wahlchancen aus. Bild: Patrick Gutenberg.

Nicht aus dem Gleichgewicht

Dass nun einer seiner Ratskollegen ebenfalls für das frei gewordene Gemeindepräsidium aspiriert , bringt Marcel Tanner nicht aus dem Gleichgewicht. «Ich habe bereits damit gerechnet – und nun hat der Bürger die Wahl». Er werde aber sicherlich mit «vernünftiger Vorsicht» in den Wahlkampf ziehen. Das Wichtigste sei, dass dieser von ihm und seiner Partei gut vorbereitet werde. Seine Chancen, gewählt zu werden, stuft der 39-jährige Tanner als realistisch ein: Er sei in Richterswil aufgewachsen, gut vernetzt, weil er nicht nur in den Vereinen, sondern auch in der Feuerwehr aktiv sei, sagt der dreifache Familienvater und Inhaber einer Bau- und Planungsfirma.

Als Gemeindepräsident bliebe für den aktuellen Finanzvorstand das Thema Gemeindefinanzen weiterhin von zentraler Bedeutung: «Mir ist bewusst, dass Investitionen getätigt werden müssen. Jedoch ist es mir sehr wichtig, dass diese Investitionen finanzverträglich und nachein-ander getätigt werden».

Weitere Begegnungszonen

Als «harter Gegner» stuft auch Hansjörg Germann seinen Kontrahenten Marcel Tanner ein: «Er hat eine starke Partei im Rücken und als Gemeinderat einen guten Job gemacht.» Trotzdem stuft er seine eigenen Ambitionen keinesfalls als chancenlos ein: «Ich setze mich für das Thema «Begegnung» ein». Er wünsche sich ein aktives Dorfleben, er wolle weitere Begegnungszonen schaffen und die Vereine stärken, sagt er. «Ebenso will ich mich zusammen mit den Vereinen für eine Dreifachturnhalle einsetzen».

Hansjörg Germann lebt seit bald 20 Jahren in Richterswil. Der Betriebsökonom und Vater von vier Kindern arbeitet in Horgen als Firmenkundenbetreuer bei der Zürcher Kantonalbank. Auch wenn Hansjörg Germann und Marcel Tanner offensichtlich hochmotiviert in den Kampf ums Richterswiler Gemeindepräsidiums ziehen werden, wünscht sich Germann «einen Wahlkampf auf der Sachebene». Ebenso betont Tanner: «Wir werden uns sicherlich beide fair verhalten». Denn schliesslich stünden die Chancen gut, dass sie beide auch künftig weiterhin gemeinsam am Gemeinderatstisch sitzen werden, so der Finanzvorstand.

Zeit zu gehen

16 Jahre reichen. Das findet der Richterswiler Sicherheitsvorsteher Ruedi Reichmuth. «Ich war acht Jahre lang in der Schulpflege – und ebenso lange im Gemeinderat». Nun sei es an der Zeit zu gehen und für Jüngere Platz zu machen. Zudem wolle er sich in den kommenden Jahren wieder mehr um seinen Betrieb kümmern, sagt der selbständige Velohändler. «Das Amt hat mir aber immer Spass gemacht. Ich habe als Gemeinderat viel gelernt». Denn er sei damals ohne grosse Vorkenntisse ins sein Amt gewählt geworden, «und dabei bin ich zu Beginn manchmal ins Straucheln gekommen».

Hoch gehandelt

Nach Huber schickt die FDP mit dem aktuellen Finanzvorstand Marcel Tanner gleich wieder ein Mitglied aus den eigenen Reihen ins Rennen ums Präsidialamt. Ebenso hat der Planungs- und Bauvorstand Hansjörg Germann (CVP) Interesse am Gemeindepräsidium bekundet. Allerdings steht in seinem Fall die offizielle Nomination durch die eigene Partei noch aus.

Ebenfalls von der eigenen Partei als Kandidat für das Gemeindepräsidium hoch gehandelt wurde in den letzten Monaten der Werkvorstand Christian Stalder (SVP). «Wenn ich etwas anpacke im Leben, dann will ich es richtig machen», sagt Stalder. «Im Moment hätte ich jedoch sowohl beruflich wie privat nicht die nötigen Ressourcen für dieses Amt». Für den Gemeinderat wird sich Christian Stalder gemäss eigenen Angaben jedoch wieder zur Verfügung stellen. «Und für ein neues Ressort wäre ich bereit».

Ein Geheimnis darum, ob er sich noch einmal zur Wahl stellen wird, macht im Moment der Ligenschaftenvorstand Ivo Beeler. Er hüllt sich bezüglich der Wahl in Schweigen, sagt aber: «Ich werde mich kurz vor den Herbstferien entscheiden». Es seien einfach noch zu viele Faktoren in seinem beruflichen Umfeld ungewiss, als dass er jetzt bereits entscheiden könnte. Grundsätzlich meint er zu den bevorstehenden Wahlen: «Man sollte durchaus mit dem Gedanken spielen, ob es allenfalls an der Zeit ist, einen parteiunabhängigen Gemeindepräsidenten zu wählen.» Immerhin sei die Mehrheit der Wähler dieser Gruppe zugehörig.

«Eine reine Formsache»

Sich sehr wahrscheinlich für das Amt des Schulpräsidenten noch einmal zur Verfügung stellen will sich Markus Oertle (SP). «Allerdings bin ich von meiner Partei noch nicht offiziell nominiert», sagt er. Dies werde erst relativ spät, also voraussichtlich Ende November geschehen, sagt SP-Parteipräsident Alessandro Barbon. Doch auch er verweist darauf, dass es sich bei diesem Prozess «um eine reine Formsache handelt». Und bestätigt, dass die Partei sicherlich auch die bisherige Gemeinderätin Bernadette Dubs portieren werde. Ihr untersteht aktuell das Ressort Soziales. «Wir wollen unsere beiden Sitze im Gemeinderat auf alle Fälle verteidigen», sagt Barbon. Da es sich um ihre erste Legislatur handle, sei für sie sowieso klar gewesen, dass sie sich nochmals zur Wahl stellen werde, sagt Bernadette Dubs. Sie blicke auf eine spannende Zeit zurück, habe viel gelernt und würde ihr Ressort gerne behalten.

Ähnlich argumentiert die Gemeinderätin Melanie Züger (FDP), die ebenfalls wieder antreten will: «Ich bin zwar offen für Neues, aber mein Bereich ist extrem spannend». Daher würde die Ressortvorsteherin Gesellschaft allenfalls gerne noch einmal eine Legislatur in diesem Bereich wirken wollen.

Keine konkreten Namen

Die FDP hat an ihrer Parteiversammlung vom Mittwoch ihre Kandidaten Marcel Tanner und Melanie Züger offiziell nominiert. «Und die Suche nach einem dritten Kandidaten läuft auf Hochtouren», sagt Parteipräsidentin Esther Baumann. Konkrete Namen könne sie jedoch noch keine nennen. Auch die SVP macht dem freien Sitz im Rat Avancen. Doch Parteipräsident Markus Bachmann will noch nicht konkret werden: «Wir stehen mit zwei Personen in Gesprächen. Mehr kann ich aber noch nicht sagen».

Die Richterswiler CVP liebäugelt erst gar nicht mit dem freien Sitz. «Wir wären mit einem Sitz im Gemeinderat zufrieden», konstatiert der Präsident der CVP, Peter Theiler. Und auch Alessandro Barbon, Präsident der SP, bestätigt: «Wir stellen keine weiteren Ansprüche auf das frei werdende Amt».

Anders sieht es in den Reihen der EVP Richterswil-Samstagern aus. Sie stellen einen Kandidaten für die Wahl in den Gemeinderat. Zur Verfügung stellt sich der Parteipräsident Renato Pfeffer. Er wurde Ende August von der Parteiversammlung offiziell nominiert. Pfeffer hatte sich als Mitglied des Gemeindevereins Richterswil/Samstagern bereits für die Einführung einer Geschäftsprüfungskommission eingesetzt. «Mir ist es ein Anliegen, den Stimmen der politischen Mitte mehr Gewicht zu geben», sagt er. Pfeffer ist seit 2013 Präsident der Ortspartei. Der 32-Jährige hat im Sommer sein Theologiestudium abgeschlossen und arbeitet sowohl auf dem Parteisekretariat der EVP Kanton Zürich als auch in der reformierten Kirche als Theologe. Die EVP ist seit ihrem Alt-Gemeinderat Urs Benz nicht mehr in der Richterswiler Exekutive vertreten.

Erstellt: 07.09.2017, 15:42 Uhr

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