Wädenswil/Richterswil

Zwei Männer, eine Hanfanlage und 107 Kilo Marihuana

Im Sommer stiess die Kantonspolizei Zürich auf eine Indoor-Hanfanlage in Richterswil und über 100 Kilo gelagertes Marihuana in Wädenswil. Der Nutzer der beiden Keller sagt, er sei nicht der Besitzer gewesen. Der Kosovare beschuldigt einen Landsmann — mit Erfolg.

107 Kilo Marihuana: Die von der Polizei in einem Lager in Wädenswil beschlagnahmten Drogen.

107 Kilo Marihuana: Die von der Polizei in einem Lager in Wädenswil beschlagnahmten Drogen. Bild: zvg/Kapo ZH

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Die Kontrolle eines «verdächtigen Fahrzeugs» in Wädenswil löste im Sommer 2017 einiges aus. Die Kantonspolizei fand beim Beifahrer Marihuana und nahm danach auch Xherdan*, den Lenker, fest. Anschliessend wurde dessen Wohnung in Wädenswil durchsucht. Dabei fanden die Polizisten zwei Kilo Marihuana. Xherdan, ein 34-jähriger Kosovare, schien gross in den Cannabis-Handel einsteigen zu wollen. Er besass die Schlüssel für zwei Kellerräume an anderen Orten.

In einem in Richterswil befand sich eine professionelle Indoor-Hanfanlage. Im anderen in Wädenswil lagerten 105 Kilogramm Marihuana. Xherdan gab an, nicht der Besitzer der Drogen zu sein. Er habe diese auf Bitten eines Anderen aufbewahrt. Nur die Indoor-Anlage habe er betrieben. Dass er zwei Kilo in seiner Wohnung hatte, erklärte er so, dass ihm für die Aufbewahrung 1000 Franken geboten wurden, die nie einbezahlt worden seien. Er wollte verkaufen und den Erlös für sich behalten.

Im Verlauf der Untersuchung nannte er den andern Kosovaren - Granit* - der ihm das Marihuana zusammen mit einem Unbekannten geliefert habe. Die Staatsanwaltschaft klagte beide an, am Dienstag standen sie vor Gericht. Während Xherdan bei seiner Version blieb, wies der 48-Jährige Granit jegliche Schuld von sich. Dem Jüngeren bot die Staatsanwaltschaft einen Deal an. Der Gerichtspräsident wies aber darauf hin, dass das Bezirksgericht Horgen den ersten Deal, eine bedingte Freiheitsstrafe, zurückgewiesen hatte. Der neue Deal sieht vor, Xherdan mit 18 Monaten zu bestrafen, wobei er sechs absitzen müsste.

Massive Vorstrafe

Wie soll es überhaupt zu der Grosslieferung gekommen sein? Dass sich die Beiden kannten, bestritt niemand. Xherdan gab an, dass man sich aus dem familiären Umfeld kenne. Lange habe es kaum Kontakt gegeben, bis ihn Granit gefragt habe, ob er Drogen aufbewahren könne. Seit der Lieferung habe ihn Granit dauernd kontaktiert. «Es ging immer um die Drogen», so Xherdan. Granit sagte dagegen, man habe geschäftlich wegen Autokäufen und ähnlichem zu tun gehabt. Gegen Granit spricht, dass er 2016 zu einer 24-monatigen bedingten Freiheitsstrafe verurteilt worden war — wegen Einfuhr von Heroin.

Der Staatsanwalt ist überzeugt von der Schuld beider Männer. Xherdan habe keinen Grund, Granit falsch zu beschuldigen. Seine Schilderungen seien glaubhaft. Zudem habe Granit in der Untersuchung gesgat, er kenne die Namen und Adressen der wahren Besitzer. Der Staatsanwalt forderte deshalb für Granit eine Strafe von 20 Monaten Gefängnis. Die bedingte Vorstrafe will er widerrufen und eine Gesamtsrafe von 40 Monaten unbedingt ausgesprochen sehen. Zudem soll Granit für sieben Jahre des Landes verwiesen werden.

Erinnerung an Pinocchio

Der Verteidiger des angeblichen Lieferanten Granit sieht im Deal eine Schwäche der Anklage. Indem Xherdan die Schuld abschiebe, komme er mit einer milderen Strafe weg und entgeht dem Landesverweis. Er habe von Granits Vorstrafe gewusst und bewusst diesen angeschwärzt. Auch habe er sich in der Untersuchung überhaupt nicht glaubhaft gezeigt. «Er erinnert mich an Pinocchio. Seine Nase würde nicht mal mehr in diesen Saal passen», so der Verteidiger. Sein Mandant müsse freigesprochen werden. Es gebe keine Beweise, ausser der Aussage Xherdans.

Die Richter verurteilten dennoch beide Kosovaren. Das Strafmass für Xherdan sei angemessen. Sie reduzierten die Strafe für Granit auf 36 Monate und den Landesverweis auf fünf Jahre. Die Einfuhr könne ihm nicht nachgewiesen werden. Seine Aussagen in der Untersuchung sprächen aber gegen ihn. Und niemand habe je behauptet, dass die Drogen Xherdan gehörten. Dass dieser sich an Granit wandte, um sie loszuwerden, zeige, dass Granit sein Ansprechpartner gewesen war.


*Namen der Redaktion bekannt

Erstellt: 27.02.2018, 18:15 Uhr

Blick in die Hanf-Indooranlage in Richterswil. (Bild: zvg/Kapo ZH)

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