Bezirksgericht Horgen

Zwei Autofahrer leisten sich eine irre Fahrt auf der A3

Mit 150 km/h rasten zwei Audi-Fahrer durch einen Baustellenbereich auf der A3 bei Rüschlikon. Nur mit Glück kam es in der 80er-Zone nicht zu einem Unfall.

Mit massiv überhöhter Geschwindigkeit fuhren zwei junge Männer im letzten August auf der A3 (Gemeindegebiet Rüschlikon) in einen Baustellenbereich. Sie hatten sich ein Rennen geliefert (Symbolbild).

Mit massiv überhöhter Geschwindigkeit fuhren zwei junge Männer im letzten August auf der A3 (Gemeindegebiet Rüschlikon) in einen Baustellenbereich. Sie hatten sich ein Rennen geliefert (Symbolbild). Bild: Keystone

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«Ich wollte nicht, dass der mich ausbremst» und«ich habe mich vom Anderen mitziehen lassen» — besonders gut sind die Ausreden der beiden Raser nicht. Am 29. August 2017, mitten am Tag, fuhren der 32-jährige Kosovare und der 20-jährige Schweizer hintereinander auf der A3 von Horgen Richtung Zürich. Bei Tempo 140 schloss der 20-Jährige in seinem Audi A3 nahe an den Audi A4 des 32-Jährigen auf.

Nachdem der Ältere auf der Höhe von Oberrieden die Spur wechselte zog der Jüngere auf 160 hoch. Kurz darauf spurte der Ältere vor dem Jüngeren wieder auf der Überholspur ein und beschleunigte dabei seinen Wagen ebenfalls auf 160 km/h. Hintereinander fuhren die Beiden in einen Baustellenbereich - mit Tempo 150, wo 80 km/h erlaubt gewesen wären.

Erst im letzten Moment bemerkten die Autofahrer, dass die linke Spur gesperrt war, ein Lastwagen stand im Weg. Ganz am Ende rissen sie ihre Fahrzeuge auf die Normalspur hinüber. Zu Unfällen kam es glücklicherweise nicht, obwohl sich mehrere Autos auf der Normalspur befanden. Eine zivile Polizeipatrouille hatte die ganze Fahrt gefilmt. So landeten die beiden Raser vor Gericht.

Glacé in Rapperswil

Staatsanwalt und Verteidiger hatten sich bereits auf einen Urteilsvorschlag geeinigt. Trotz abgekürztem Verfahren hatte der Gerichtspräsident einige Fragen an die Beschuldigten. Etwa, wieso zwei Autofahrer, die sich nicht kennen, darauf kommen, sich so zu verhalten. Erklärungen bekam er keine, nur Entschuldigungen und Beteuerungen, dass so etwas nicht mehr passieren würde.

Und eben leicht absurde Begründungen. So sagte der Kosovare, der auf dem Weg zur Arbeit war, aus, dass ihn kurz vorher ein anderer Automobilist rechts überholt und dann auf der Überholspur ausgebremst habe. Darum habe er den zweiten Fahrer nicht dasselbe machen lassen wollen. Der Schweizer, ein Schüler aus dem Bezirk Uster, gab an, mit Kollegen die ausgedehnte Mittagszeit zum Glacé-Essen in Rapperswil genutzt zu haben. Auf der Rückfahrt nach Zürich habe er nicht auf den Tacho geschaut, weil er mit den Kollegen geredet und dazu Musik gehört habe.

Auch die deutlich sichtbaren Tempo-80-Schilder seien ihm, wie dem Kosovaren, dabei entgangen. Er habe sich einfach mitziehen lassen und nicht gemerkt, wie schnell er sei, so der junge Schweizer.

Beide gaben an, dass ihnen nicht bewusst gewesen war, dass es bei ihrem waghalsigen Spurwechsel Tote hätte geben können. Auch vor Gericht beteuerten sie, dass es ja Platz gehabt habe.

An Marsch Fackel gezündet

Der jüngere Beschuldigte musste sich weiter wegen Verstössen gegen das Sprengstoffgesetz verantworten. So wurde er von der Polizei gefilmt, als er am GC-Fanmarsch vor einem Derby gegen den FC Zürich eine Handfackel, auch Pyro genannt, zündete. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei zudem drei verbotene Böller. Er habe nicht gewusst, dass Pyros auch ausserhalb des Stadions verboten seien, versicherte der GC-Fan, der schon an Spiele geht, seit er ein Kind ist. Der Gerichtspräsident fragte ihn, ob er ernsthaft glauben soll, dass ein «eingefleischter Fussballfan» nicht wisse, dass die Fackeln verboten seien. Er blieb bei seiner Antwort. Die Böller habe ihm ein Unbekannter in der Neujahrsnacht geschenkt. Dass sie verboten seien, habe er nicht gewusst.

Die Bezirksrichter verurteilten die Beiden zu 16 und 17 Monaten Gefängnis bedingt und Bussen von je 1000 Franken. Aufgrund der zusätzlichen Vergehen fällt die Strafe für den 20-Jährigen höher aus. Seine Probezeit liegt bei zwei Jahren, die des Kosovaren aber bei dreieinhalb. Grund: Er hat schon zwei Unfälle gebaut und mehrfach seinen Ausweis abgeben müssen.

Erstellt: 08.01.2019, 17:06 Uhr

Ungewöhnliches Plädoyer

Plädoyers gibt es bei abgekürzten Verfahren eigentlich nicht. Der Anwalt des jungen Schweizer Rasers, der am Dienstag in Horgen vor Gericht stand, nutzte aber die Gelegenheit, um sich fürchterlich über die Zürcher Stadtpolizei aufzuregen. Grund ist die Verurteilung wegen der gezündeten Handfackel am GC-Fanmarsch. «Die filmen ja alles. Die Polizisten kennen die Fans. Wieso stehen die nicht einfach hin und sagen denen, dass das Zünden verboten ist? Das ist doch Mumpitz!» Es sei doch keiner so blöd und begehe vor der Polizei eine Straftat.

Seinem Mandanten sei bewusst gewesen, dass er gefilmt werde. Der Jurist zog einen Bogen zur Frauendemo in Zürich am 10. März 2018, bei der das Fraumünster mit Graffiti verunstaltet wurde. Dort sei die Polizei nur dagestanden, statt Schaden zu verhindern. Ein Anwalt aus dem noblen Zürcher Seefeld auf der Seite der Ultras und als Kritiker der Polizeitaktik? Das ist doch eher ungewöhnlich. (paj)

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