Hochwasserschutz

Thalwil sieht Entlastungsstollen als Chance für Seeuferplanung

Zwei Kilometer lang wird der unter Thalwil geplante Entlastungsstollen. Bei der Badi Bürger I führt er in den Zürichsee. Die Gemeinde sieht das Grossbauwerk aber positiv.

Bei der Badi soll das Wasser durch den Entlastungsstollen in den Zürichsee fliessen. Die Toskammer bremst das Wasser ab. Am Thalwiler Seeufer dürfte sich einiges ändern.

Bei der Badi soll das Wasser durch den Entlastungsstollen in den Zürichsee fliessen. Die Toskammer bremst das Wasser ab. Am Thalwiler Seeufer dürfte sich einiges ändern. Bild: Kanton Zürich / Grafik zsz

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Geschützt werden die Stadt Zürich und das Sihltal. Vom geplanten Entlastungsstollen betroffen ist aber vor allem die Gemeinde Thalwil. Der Einlauf an der Sihl befindet sich auf Gattiker Boden, leicht unterhalb des bereits erstellten Schwemmholzrechens. Der Stollen verläuft unter Gattikon und Thalwil hindurch. Der Auslauf in den Zürichsee wiederum befindet sich auf der Höhe der Badi Bürger I. Diese muss für den Bau grösstenteils abgerissen werden, wie der Thalwiler Bauvorsteher Richard Gautschi (parteilos) sagt.

Doch er ist positiv gestimmt. «Das ist eine Chance für unsere Seeuferplanung», sagt er. Die Thalwiler haben schon diverse Ideen, was geändert werden könnte. Die beiden Bürgerbadis könnten zu einer grossen Badi zusammengeschlossen werden. Die Bootshaab Bürger würde wohl aufgehoben werden. Im Gegenzug gäbe es beim Hafen Farbsteig zusätzlichen Platz für Boote. Bereits beschlossen ist die Zusammenlegung der Abwasserreinigungsanlage mit derjenigen von Horgen zur ARA Zimmerberg.

Steg über Stollen

Ein attraktiver Seeuferweg soll geschaffen werden, ebenso wie eine Aufwertung der Seestrasse mit Baumreihen und besseren Querungsmöglichkeiten. Auch für die Parkierungssituation hat die Gemeinde Ideen. Und schliesslich soll selbst der Auslauf des Stollens genutzt werden – als Fundament für einen «grosszügigen Steg zu Bade- und Erholungszwecken und die Option einer Gastronutzung». Richard Gautschi betont, dass die Detailplanung noch nicht begonnen habe. Schliesslich ist der Sihlstollen noch keine beschlossene Sache. Er muss öffentlich aufgelegt werden und das Geschäft muss durch den Kantonsrat kommen.

Thalwil wird zusammen mit dem Kanton und der Gemeinde Langnau am 24. Januar über das weitere Vorgehen am Seeufer und über ökologische Massnahmen an der Sihl informieren.

Während der Arbeiten muss die Badi Bürger I wohl eine bis zwei Saisons geschlossen werden. Auch durch die Baustelle wird es generell gewisse Einschränkungen geben. Wie genau diese aussehen, kann Gautschi aber noch nicht sagen.

Über Tunnel hinweg

Ein Punkt hat den Thalwiler Bauvorstand erstaunt. Regierungspräsident Markus Kägi (SVP) hat sich an der gestrigen Pressekonferenz dagegen ausgesprochen, dass der Aushub für Inseln im Zürichsee genutzt wird. Gautschi will nachhaken. «Das wäre für mich eine verpasste Chance», meint er. Ganz ausgeschlossen hat Kägi die Idee nicht. Sollte das jemand wollen, könne man gerne reden. Als Privatperson will Gautschi dieses Angebot gerne nutzen.

Beim Bau des Stollens muss unter anderem der Basistunnel Zimmerberg II berücksichtigt werden. Geplant ist ein Knick, sodass der Stollen über dem Tunnel hindurchführt. Danach führt der Stollen ziemlich steil den Hang hinunter. Um zu verhindern, dass das Wasser mit voller Wucht in den Zürichsee vorstösst, wird auf der Höhe der ARA eine sogenannte Toskammer eingebaut. Das Wasser wird hier gebremst und gegen unten gedrückt. Laut Matthias Oplatka, Gesamtprojektleiter beim Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft, wird man das bräunliche Wasser beim Auslauf wahrscheinlich nicht mal sehen.

Der Stollen wird rund zwei Kilometer lang sein und einen Durchmesser von weniger als sieben Metern aufweisen. Der Kanton Zürich will die Planung in enger Absprache mit der Gemeinde Thalwil durchführen. Insbesondere der geplante Ausbau der ARA und die Neugestaltung des Seeufers müssten mit dem Bau des Stollens abgestimmt werden, sagen die Fachleute des Kantons.

Erstellt: 27.10.2017, 17:14 Uhr

Hochwasserschutz

Stadt Zürich letztmals 1910 wegen Sihl-Hochwasser überschwemmt

Etwa alle hundert Jahre treten in Zürich die Sihl und die Limmat über die Ufer. Letztmals geschah dies 1910. Starke Überflutungen erlebte Zürich zuvor 1846 und 1874. Die letzten Hochwasser gab es 1999, 2005 und 2007.

Weil früher vor allem an sicheren Orten gebaut wurde, richteten die Überschwemmungen im vorletzten Jahrhundert noch nicht allzu grosse Schäden an. Das deutlich niedrige Hochwasser von 1910 richtete jedoch verheerende Schäden an, weil sich die stark gewachsene Stadt auf gefährdete Zonen, das natürliche Überschwemmungsgebiet der Sihl, ausdehnte. Weite Teile Zürichs und des Limmattals bis nach Schlieren standen unter Wasser.
Seither hat sich die Zahl der Gebäude im gefährdeten Gebiet vervielfacht. Der Sihlschwemmkegel ist mittlerweile vollständig überbaut. Das Hochwasser-Schadensrisiko im unteren Sihltal und der Stadt Zürich gehört gemäss Baudirektor Markus Kägi (SVP) denn auch schweizweit zu den höchsten - vergleichbar mit dem Alpenrhein und dem Rhonetal.

Wäre bei den Unwettern 2005 der extreme Starkregen vom 21./22. August über dem Einzugsgebiet der Flüsse Alp, Biber und Sihl statt im Berner Oberland niedergegangen, wäre es zu grossflächigen Überschwemmungen in der Zürcher Innenstadt gekommen.

Das Wasser wäre gemäss einer Computersimulation auf einer Fläche von rund fünf Quadratkilometern bis zu einem halben Meter hoch gestanden. Selbst bei einer geringen Wassertiefe an der Oberfläche sei mit hohen Schäden im Untergrund zu rechnen, schreibt die kantonale Baudirektion.

In den Untergeschossen vieler Gebäude befänden sich nämlich sensible Betriebseinrichtungen wie Rechenzentren und teure Sachwerte. Hinzu kämen Strassenunterführungen und Bahntunnels.

Bis 3600 Gebäude betroffen

Ein Extremhochwasser der Sihl wie 1846 würde heute Schäden von 6,7 Milliarden Franken anrichten. Hinzu kämen volkswirtschaftliche Folgekosten durch den Ausfall der Infrastruktur für Energie, Telekommunikation und Verkehr, die die materiellen Schäden um eine Mehrfaches überstiegen.

Im Überschwemmungsgebiet von Sihl und Limmat wären je nach Ausmass eines Jahrhunderthochwassers 1500 bis 3600 Gebäude betroffen. In fünf Prozent der Gebäude entstünden bis zu 50 Prozent der Schäden. (sda)

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