Gewässerschutz

Droht dem Hüttnersee jetzt eine Algenplage?

Die Phosphorkonzentration im Hüttnersee ist noch immer zu hoch. Erstmals seit 2003 hat auch der Zürichsee den Phosphorgrenzwert erreicht.

Obwohl der Hüttnersee seit dem Jahr 1983 über eine Belüftungs- und Zirkulationsanlage verfügt, ist die Phosphorkonzentration im Wasser nach wie vor zu hoch.

Obwohl der Hüttnersee seit dem Jahr 1983 über eine Belüftungs- und Zirkulationsanlage verfügt, ist die Phosphorkonzentration im Wasser nach wie vor zu hoch. Bild: Archiv: Patrick Gutenberg

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Inmitten von Landwirtschaftsflächen liegt der Hüttnersee zwischen Samstagern und Hütten an der Kantonsgrenze zu Schwyz. Im Sommer ist sein kühles Nass Anziehungspunkt für Badende und Ausflügler. Doch besonders die landwirtschaftliche Nutzung des Umlandes hat über die Jahre zu einer erhöhten Phosphorbelastung des Sees geführt. Seit den 1970er-Jahren ist die Phosphorbelastung in den Zürcher Seen stark gesunken. Dies etwa durch den Ausbau der Siedlungsentwässerung und der Abwasserreinigungsanlagen (ARA), sowie das Verbot von Phosphaten in Waschmitteln.

Eine Ausnahme ist der Hüttnersee. Im aktuellen Gewässerbericht stuft das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) die Wasserqualität des Sees bezüglich Phosphor, wie in den Vorjahren, als «mässig» ein. Grundlage für die Beurteilung der Gewässerqualität ist die Gewässerschutzverordnung aus dem Jahr 1998. Mit 0,032 Milligramm Phosphor pro Liter Seewasser, liegt der Wert deutlich über der vom Kanton definierten Zielvorgabe von 0,025 Milligramm pro Liter. «Die Phosphorwerte im Hüttnersee sind einerseits das Resultat der aktuellen Belastung durch die Landwirtschaft. Zudem löst sich immer wieder Phosphor aus den Sedimentablagerungen am Seegrund», erklärt Wolfgang Bollack, Mediensprecher der kantonalen Baudirektion, zu der das AWEL gehört.

Teufelskreis Phosphor

Ist ein Gewässer reich am Nährstoff Phosphor, bedeutet das in der Regel starkes Algenwachstum. Besonders in der Badesaison sei dies unerwünscht, sagt Bollack. Problematisch werde es dann, wenn es zu einer sogenannten Algenblüte, also einer massenhaften Vermehrung der Algen, komme. Bei deren Abbau können sich Toxine bilden. Zudem benötige der Abbau der Algen viel Sauerstoff, was wiederum zu schlechten Sauerstoffwerten in den tieferen Wasserschichten führt. Fehlt am Seegrund aber der Sauerstoff, löst sich wiederum Phosphor aus den Sedimenten.

Im Hüttnersee wurde aus diesem Grund 1983 eine Zirkulations- und Belüftungsanlage in Betrieb genommen. Diese soll laut Bollack auch weiterhin in Betrieb bleiben. Als weitere Massnahme sei im Rahmen der Vernehmlassung für die Agrarpolitik ab 2022 zudem vorgeschlagen worden, die erlaubte Höchstmenge an Gülle und Mist pro Hektar und Jahr zu reduzieren. «Dadurch würde die Menge an Nährstoffen, die durch Abschwemmungen von landwirtschaftlichen Nutzflächen in den Hüttnersee gelangen, reduziert», erklärt Bollack. Diese Massnahme müsse allerdings noch vom National- und Ständerat beschlossen werden.

Ausser dem Hüttnersee hat das AWEL für den aktuellen Gewässerbericht vier weitere grosse Seen im Kanton Zürich untersucht. Kleine Seen wie Seeweid-, Lützel- und Egelsee prüft das AWEL im Vierjahresrhythmus. Von den untersuchten Seen weisen einzig der Pfäffiker- und der Türlersee gute Phosphorwerte auf. Als schlecht eingestuft wird der Greifensee. Wie beim Hüttnersee beurteilt das AWEL neu auch die Phosphorwerte des Zürichsees als mässig. Wolfgang Bollack erklärt, dass seit 2013 eine leicht steigende Tendenz der Phosphorkonzentration im Zürichsee zu beobachten sei. «Es ist die Folge von mehreren Jahren mit sehr schlechter Zirkulation des Wassers während der Wintermonate.» Dies wirke sich negativ auf die Sauerstoffgehalt des Wassers aus. «Dank der tiefen Temperaturen im Februar 2018 konnte sich das Wasser relativ gut durchmischen. Dadurch kam Phosphat aus der Tiefe des Sees in die oberen Schichten», sagt Bollack. Dies habe dort im Frühjahr zu einem guten Planktonwachstum geführt. «Von diesem Frühjahrsplankton ernähren sich Wasserflöhe, die ihrerseits die Futterbasis für Fische darstellen.» Die Entwicklung des Zürichsees im Jahr 2018 beurteilt Bollack deshalb positiv. Für den Menschen sei das Bad in den Zürcher Seen weiterhin bedenkenlos möglich. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 21.02.2019, 17:13 Uhr

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