Wetter

Schlechtes Wetter verhindert den Frost

Im Norden des Kantons Zürich sank die Temperatur am Montagmorgen wegen Polarluft in den Minusbereich. Am Zürichsee hingegen war es 5 Grad wärmer.

Rund 5 Grad wärmer als im Norden des Kantons Zürich war es am Montagmorgen am Ufer des Zürichsees.

Rund 5 Grad wärmer als im Norden des Kantons Zürich war es am Montagmorgen am Ufer des Zürichsees. Bild: Martin Steinegger

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Die Bevölkerung in weiten Teilen des Kantons Zürich hat am Montag einen ersten Vorgeschmack auf den Winter bekommen. Wer in Kloten oder Winterthur frühmorgens aus dem Haus ging, der schlotterte bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt.

Nicht überall war es aber so kalt. An den Ufern des Zürichsees zeigte das Thermometer zum selben Zeitpunkt 4,6 Grad an. Auf einer Distanz von nur wenigen Kilometern gab es an diesem Oktobermorgen also beachtliche Temperaturunterschiede von bis zu 5 Grad.

Station Temperatur 2 m
Hallau (SH) -0,7 Grad
Kloten -0,4 Grad
Winterthur 0,4 Grad
Lachen 4,5 Grad

Das wirft Fragen auf. Haben die Meteorologen falsch gemessen? Oder bekommen die Zürichsee-Bewohner seit Neustem einen Temperatur-Bonus?

Restwolken verhindern nächtliche Auskühlung

«Nichts von alledem trifft zu», sagt Stephan Bader, Klimatologe von Meteoschweiz auf Anfrage. Der erstaunliche Temperaturunterschied lasse sich meteorologisch erklären.

Am Sonntag erreichte die Kaltfront des Sturmtiefs «Herwart», das übers Wochenende vor allem in Osteuropa gewütet hat, die Schweiz. Hinter dieser Kaltfront, die Wind, Wolken und Regen brachte, floss mit kräftigem Nordwind nach und nach sehr kalte Polarluft ins Land. «Diese Luft hat ihren Ursprung nördlich von Island», sagt Stephan Bader.

In der Nacht auf Montag klarte es dann im Norden des Kantons Zürich auf. So kam das Phänomen der nächtlichen Abstrahlung optimal zur Geltung. Das bedeutet: Bei klarem Himmel gab der Boden rasch Wärme ab, die Temperatur rasselte bis in den frühen Morgen in den Keller.

Am Zürichsee hingegen kam dieser Prozess von Sonntag auf Montag nicht oder nur sehr reduziert in Gange. Hier waberte noch bis in den Morgen hinein Restbewölkung der Kaltfront herum, die zu den Alpen weitergezogen war. «Am frühen Morgen nieselte es am rechten Zürichseeufer sogar noch leicht», erklärt Stephan Bader.

Das schlechte Wetter behinderte die nächtliche Abstrahlung – und sorgte dafür, dass die Bewohner der Zürichseeregion (und südlich davon) bei vergleichsweise milden 5 Grad in den Tag starten konnten.

Seetemperatur spielte diesmal keine Rolle

Das noch relativ warme Zürichseewasser (13,5 Grad) dürfte in diesem Fall keine wesentliche Rolle bei der Frost-Verhinderung gespielt haben, betont Stephan Bader.

In anderen Fällen, beispielsweise bei den schlimmen Frostnächten im letzten April, die den Winzern und Gemüsebauern stark zugesetzt hatten, war dies anders. Damals schützte der See die zumindest direkt am Ufer gelegenen Obstkulturen und Weinberge, indem er durch seine nächtliche Wärmeabgabe allzu tiefe Temperaturen verhinderte. (zsz.ch)

Erstellt: 30.10.2017, 12:18 Uhr

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