Zürichsee

ZSG rechtfertigt umstrittenen Dieselkauf

Eine Ausnahmeregelung soll es der ZSG erlauben, Diesel ohne Ausschreibung zu kaufen. Aber: Selbst wenn die ZSG korrekt handelt, vergleicht sie keine Preise. Sieben Firmen würden den gewünschten Öko-Diesel anbieten.

Die Zürichseeschiffe sind in der Werft in Wollishofen am ökologischsten. Dann brauchen sie gar keinen Diesel.

Die Zürichseeschiffe sind in der Werft in Wollishofen am ökologischsten. Dann brauchen sie gar keinen Diesel. Bild: Archiv Reto Schneider

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Die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) steht nach einem Bericht der SRF-Wirtschaftssendung «Eco» in der Kritik. Die ZSG schreibe ihre Treibstoffbeschaffung nicht aus – und kaufe daher zu teuer ein. Einen Tag nach der TV-Sendung rechtfertigt sich die Schifffahrtsgesellschaft in einer ausführlichen Medienmitteilung. Ja, es sei korrekt, dass die ZSG den Dieseleinkauf nicht ausschreibe. Aber: Zu teuer sei der Treibstofflieferant nicht.

Die Zürichsee-Schifffahrts­gesellschaft stellt sich auf den Standpunkt, dass das internationale Vergaberecht für das Unternehmen nicht gelte, weil Aus­nahmen für die Lieferung von Energie oder Brennstoffen für die Energieerzeugung definiert worden seien. Weshalb es andere ÖV-Unternehmen, wie etwa die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) gibt, die sich an das Submissionsrecht halten, kommentierte die ZSG nicht. Das Schifffahrtsunternehmen wiederholt nochmals die Aussage, man werde die Praxis überprüfen.

Tieferer Literpreis

Die SRF-Sendung «Eco» rech­nete aus, dass die Schiffe auf dem Genfersee mit einem rund einen Viertel günstigeren Treibstoff unterwegs sind als jene auf dem Zürichsee. Das stimme nicht, argu­mentiert nun die ZSG: «Die ZSG zahlte in den Jahren 2015– 2016 im Schnitt 77 Rappen pro Liter­ Treibstoff auf den Kursfahrten. Im Vergleich: Die im Beitrag­ erwähnte Schifffahrt auf dem Genfersee (CGN) bezahlte im selben Zeitraum 92 Rappen für den Liter.» Die zuständige «Eco»-Redak­tion von SRF war gestern Abend für eine Stellungnahme zu den unterschiedlichen Berechnungsmethoden nicht erreichbar.

«Die ZSG hat es sich zum strategischen Ziel gesetzt, umweltfreundlich und energieeffizient unterwegs zu sein.»Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG)

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Allerdings macht auch die ZSG selbst unterschiedliche Angaben über ihre Treibstoffkosten. Gab die Schifffahrtsgesellschaft am Montag gegenüber SRF und der ZSZ noch an, 2017 für rund 1,5 Millionen Franken Treibstoff beschafft zu haben, korrigierte das Unternehmen die Kosten am Dienstag nach unten. Nun sollen es nur noch 1,3 Millionen Franken sein. Die ZSG erklärt den Unterschied so: «Die 1,5 Millionen Franken umfassen den gesamten Treibstoff – beispiels­weise auch für die Beheizung von Gebäuden. Bei den 1,3 Millionen handelt es sich um den reinen Treibstoff für die Schiffe.» Die ZSG sei im Vorfeld nicht exakt über den Inhalt des «Eco»-Beitrags informiert worden, deshalb habe man ein Gesamtvolumen kommuniziert.

Das Hauptargument bleibt

Der mögliche Preisunterschied beim Dieselkauf ändert nichts am Hauptvorwurf der Wirtschaftssendung von SRF: Selbst wenn die ZSG juristisch in Sachen Beschaffungsrecht richtig liegen würde, vergleicht sie keine Preise. In der Schweiz gibt es nebst dem Lieferanten der ZSG sechs weitere Lieferanten, welche den verwendeten Eco-Speed-Diesel anbieten. 2012, als die ZSG auf den neuen Diesel setzte, war die Firma Lang in Kreuzlingen noch der einzige Anbieter.

Weshalb vergleicht das Unternehmen die Preise nicht? «Als Importeur, der auch die Schweizer Händler bedient, bietet Lang konkurrenzfähige und marktgerechte Preise. Wir sind davon ausgegangen, dass der einzelne Händler das Produkt Eco Speed nicht günstiger anbieten kann», erklärt ZSG-Sprecherin Wiebke Sander. Zurzeit sei man jedoch mit Händlern in Abklärung, ob Eco Speed in den gewünschten Mengen zu einem noch günstigeren Preis geliefert werden könne. Allerdings: Die ZSG gibt zu, dass der Prozess der Treibstoffbeschaffung schon vor der Umstellung auf das öko­logischere Produkt gleich war wie heute. Das lässt den Schluss zu: Schon früher wurden keine Preise verglichen.

Der Diesel stinkt nicht

Vom Öko-Diesel will die ZSG nicht abrücken. «Die ZSG hat es sich zum strategischen Ziel gesetzt, umweltfreundlich und energieeffizient unterwegs zu sein.» Darüber hinaus verursache der Eco-Speed-Diesel weniger Wartungsunterhalt. Und vor allem­ sei der Treibstoff geruchsneutral. «Dies ist für die ZSG von besonderer Bedeutung – verkehrt ihre Flotte doch unter anderem mitten durch die Zürcher Altstadt und entlang dicht besiedelter Uferzonen.» Der Öko- ­Diesel ist teurer als normaler Diesel­: Die Mehrkosten betragen laut der ZSG rund 4 Rappen pro Liter oder auf das Jahr umgerechnet rund 70 000 Franken.

Die ZSG betont in ihrer Mit­teilung zudem, man über­prüfe durchaus regelmässig, wo sich Einsparmöglichkeiten böten. «So wird beispielsweise im Frühjahr 2018 der Telefonanbieter gewech­selt. Dadurch spart das Unternehmen jährlich mehr als 12 000 Franken.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 21.02.2018, 09:09 Uhr

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