Wädenswil

ZHAW testet energiesparende Massnahmen in der Fischzucht

Seit über 20 Jahren befassen sich Fachleute der ZHAW in Wädenswil mit nachhaltiger Fischzucht. Kürzlich hat sie eine neue Aquakulturanlage in Betrieb genommen.

Mathias Sigrist leitet die neue Anlage der ZHAW, die die Fischzucht energiesparender machen will.

Mathias Sigrist leitet die neue Anlage der ZHAW, die die Fischzucht energiesparender machen will. Bild: Michael Trost

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Nur ein gleichmässiges Pumpgeräusch sowie sprudelndes Wasser aus drei rechteckigen Becken erklingen aus dem Gewächshaus auf dem Campus Grüental der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Daneben stehen drei grössere, runde und schwarz umhüllte Wasserbecken.

Was der Betrachter nicht sehen kann: In diesen drei je 12 Kubikmeter grossen Becken schwimmen rund 800 Atlantische Lachse. Durch die kleinen Seitenfenster wie auch von oben sind die Fische kaum zu erspähen. «Die Lachse sind gestresst, da so viele Personen im Raum sind», sagt Mathias Sigrist, wissenschaftlicher Assistent der Forschungsgruppe Aquakultursysteme der ZHAW, an der Medienführung am Donnerstag.

Zum ersten Mal wird die neueste Anlage der Forschungsstelle vorgeführt. Es handelt sich dabei um eine Aquakultur-Kreislaufanlage – eine kontrollierte Zuchtstation zur Produktion von Fischen und anderen Wasserlebewesen für den Verzehr. An der ZHAW dient sie allerdings nur für Lehr- und Forschungszwecke.

Nur mittels erneuerbarer Energie betreiben

Die Anlage zeichnet aus, dass das benötigte Wasser in einem Kreislauf und somit möglichst effizient durch die Anlage läuft. «Die gefütterten Fische scheiden Kot und Urin aus und verunreinigen so das Wasser, welches somit laufend gereinigt werden muss. Grobe Partikel inklusive Futterreste werden mechanisch per Trommelfilterung aus dem Wasser entfernt», erklärt Mathias Sigrist als Betriebsleiter der Anlage den ersten Schritt des Kreislaufs. Darauf würden in einer biologischen Reinigung für Fische in bereits geringen Konzentrationen giftiges Ammonium mittels Biofilter respektive Bakterienkulturen in weitaus fischtoleranteres Nitrat umgewandelt. Bevor das Wasser wieder in die Fischbecken fliesst, wird es mit Sauerstoff angereichert und per Wärmepumpe auf die richtige Temperatur gebracht. «Die ideale Wassertemperatur bei Lachsen liegt bei rund 14–15 Grad Celsius», sagt Sigrist.

Während des gesamten Kreislaufs liefern unterschiedlichste Sensoren im Minutentakt eine Vielzahl von Messwerten. Mit diesen Daten lassen sich Leistung und Energiebedarf genauestens überwachen. «Mit der Anlage wollen wir einen weiteren Schritt zur Optimierung der Fischzucht beitragen», sagt Sigrist. Aktuell laufe der Testbetrieb der Anlage, bald sollen Versuche stattfinden. «Den Fischen sollen beste Bedingungen geboten werden. Gleichzeitig optimieren wir den Energieverbrauch der Kreislaufanlage», sagt Sigrist. Das Ziel sei es, die Anlage irgendwann ausschliesslich durch erneuerbare Energie zu betreiben.

Wasserverbrauch 100-mal tiefer

Die ZHAW befasst sich seit 24 Jahren mit Aquakulturanlagen und arbeitet eng mit grossen Fischzuchtunternehmen zusammen. Das Wissen, das aus den Versuchen gewonnen wird, werde weitergegeben, um die Nutzung der Technologie zu fördern, sagt Sigrist. «Kreislaufsysteme sind die Zukunft, weil sie eine hohe Wasserqualität mit einem kleinen ökologischen Fussabdruck verbinden», sagt der Leiter der neuen Anlage. Denn durch die ständige Reinigung werde Wasser gespart. «Mit 500 Litern Wasser pro Kilogramm Fisch ist der Verbrauch der Anlage bis zu hundertmal tiefer als bei einer herkömmlichen Durchflussanlage», sagt Sigrist.

Die Kreislaufanlage dient der ZHAW in Zukunft auch zu Lehrzwecken. Einmal jährlich findet am Standort Grüental die Fachspezifische Berufsunabhängige Ausbildung Aquakultur statt. In einem sechstägigen Lehrgang mit anschliessendem dreimonatigen Praktikum werden gewerbsmässige Züchter von Fischen und Panzerkrebsen ausgebildet. Seit 2011 haben über 120 Personen diese Ausbildung absolviert.

Erstellt: 23.08.2019, 07:02 Uhr

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