Wädenswil

Wracksucher finden vor Wädenswil historische Schiffe

Auf dem Grund des Zürichsees haben Taucher zwei Schleppkähne aus dem 19. Jahrhundert entdeckt. Die Wracks werden nun erforscht.

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Das Boot gleitet langsam über das Wasser, das Radargerät ist eingeschaltet. Der Bildschirm zeigt den Seegrund. «Jetzt kommt es, siehst du es?», fragt Sporttaucher Adrian Bogdan. «Ja, eine Erhöhung! Und wie! Wunderbar,» sagt sein Kollege Adelrich Uhr aufgeregt. Tatsächlich: Auf dem Bildschirm zeichnet sich eine Wölbung auf dem Seegrund ab. Immer deutlicher wird ein Objekt auf dem Grund erkennbar, halb versunken im Boden – ein Boot. «Man sieht sogar die Seitenwände!» ruft Uhr begeistert. «Ich setze den Anker», entgegnet Bogdan.

Mit einem Radargerät wird der Seegrund untersucht. Video: pd/Adelrich Uhr

Es ist Juli, die beiden Männer suchen mit Hilfe des Radargeräts die Position des Wracks, das sie vor kurzem vor Wädenswil entdeckt haben. Sie lassen dabei die Kamera laufen und zeichnen auf, was ihnen das Gerät anzeigt. Beim Wrack, das in einer Tiefe von 23 Metern liegt, handelt es sich um einen Schleppkahn. Er stammt vermutlich aus dem 19. Jahrhundert – ähnlich wie ein Exemplar, das Adelrich Uhr vor einigen Jahren vor Bäch entdeckt hat. Vor über 100 Jahren zogen sogenannte Dampfschwalben – mit Dampf betriebene Schiffe – Lastkähne im Verbund nach Zürich. Dort wurden Sand und Steine für den Bau der Quais benötigt. Ein Sturm könnte die Kähne auseinander gerissen und zum Sinken gebracht haben, mutmasst Uhr.

Zweiten Kahn entdeckt

Seine These wird durch einen weiteren Fund gestützt: Kurz nachdem die Taucher den ersten Schleppkahn vor Wädenswil entdeckt haben, finden sie in der Nähe ein baugleiches zweites Wrack. Es liegt in 20 Metern Tiefe. Die beiden Kähne, schätzt Uhr, müssen um das Jahr 1880 gebaut worden sein.

Seit der Entdeckung der Wracks ist Projektleiter Adelrich Uhr mehrfach mit Mitgliedern des Vereins Swiss Archeo Divers zu den Kähnen vor Wädenswil getaucht, um sie zu erforschen. Der Verein, von Hobby-Unterwasserarchäologen gegründet, hat dafür die Einwilligung von der Kantonsarchäologie erhalten. Diese hat zu wenig Mittel, um alle entdeckten Objekte selber zu dokumentieren. Von Sensationsfunden – etwa besonders alten Schiffen oder Pfahlbauten – müssten die Hobbyforscher hingegen die Finger lassen, sagt Uhr. Hier würde die Kantonsarchäologie selber aktiv.

Signalhorn funktioniert noch

Die gesunkenen Kähne vor Wädenswil dürfen die Freizeitforscher aber mit der nötigen Sorgfalt untersuchen. In mehreren Tauchgängen messen sie nun das Wrack aus. Die Daten tragen sie in einem Schlussbericht zusammen. Mit Hilfe alter Zeitungsberichte über Schiffsunglücke könne man vielleicht sogar rekonstruieren, wann und unter welchen Umständen die Kähne gesunken sind, sagt Hobbyforscher Uhr.

Auch einige Gegenstände aus dem Schiff haben die Taucher zu Tage gebracht. So haben sie ein angerostetes Signal- beziehungsweise Nebelhorn geborgen. Adelrich Uhr führt es zum Mund und bläst hinein. Es ertönt ein lautes Tuten – zum ersten Mal seit über 100 Jahren.

Adelrich Uhr stösst ins Horn. Video: pd/Adelrich Uhr

Vom 31. August bis 21. September, jeweils am Freitag um 21 Uhr, ist auf SRF1 die Dok-Serie «Wasserwelten zu sehen», in der unter anderem Taucher Adelrich Uhr die heimischen Unterwasserwelt zeigt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.08.2018, 16:45 Uhr

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