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Wo die Grenzen von Schuld und Unschuld verwischen

Aktuell studiert das Volkstheater Wädenswil seine neuste Produktion ein: «Die Panne» – nach der gleichnamigen Komödie von Friedrich Dürrenmatt. Eine Komödie ist das Stück indes nur vordergründig. Nächsten Freitag feiert es unter der Regie von Annina Sonnenwald seine Premiere.

Auf der Bühne der Kulturhalle «Glärnisch» geht es wild zu und her: Die Wädenswiler Produktion von «Die Panne», 1956 von Friedrich Dürrenmatt als Novelle geschrieben, 1989 als Komödie, feiert nächsten Freitag ihre Premiere.
Auf der Bühne der Kulturhalle «Glärnisch» geht es wild zu und her: Die Wädenswiler Produktion von «Die Panne», 1956 von Friedrich Dürrenmatt als Novelle geschrieben, 1989 als Komödie, feiert nächsten Freitag ihre Premiere.
Manuela Matt

Es ist eine ganz schön frivole Runde, in die Alfredo Traps da hin­ein­geraten ist. Fünf Frauen. Ein älterer Herr. Sie amüsieren sich köstlich. Scheinen nicht auf ihn gewartet zu haben – und doch: In Kürze ist er mittendrin in ihrem grotesken Treiben, das sie harmlos als Spiel bezeichnen. Etwas anderes bleibt ihm ja auch nicht übrig, nachdem er wegen einer Autopanne in der eigentümlichen Gesellschaft gelandet ist.

Zu gern macht er denn auch mit bei diesem Spiel. Bei dem der Wein aus endlos scheinenden Quellen fliesst. Und bei dem jede der Mitspielerinnen ihn in ihre erotischen Fänge verstrickt – was ihm, dem gut aussehenden 45-jährigen Generalvertreter, sehr gefällt.«Wir spielen historische Prozesse nach», sagt eine der Frauen, die sich allesamt als Juristinnen zu erkennen geben. Nun denn, er sei kein Verbrecher. Mit Fleiss und Arbeit habe er sich von ganz unten heraufgearbeitet. Sei vier Kindern liebevoller Vater. «Die Welt ist voller Verbrechen», erhält er dazu als Antwort – und ist schon längst mitten im Verhör.

Eine Herzensangelegenheit

«Langsam, nicht hetzen», unterbricht Annina Sonnenwald den Lauf der Dinge. Die 34-Jährige ist Regisseurin: Mit Mitwirkenden des Volkstheaters Wädenswil studiert sie derzeit das Stück ein, in dem Traps – dargestellt von Urs Zweifel – noch manch überraschende Wendung erleben wird: «Die Panne», 1956 von Friedrich Dürrenmatt als Novelle geschrieben, 1989 als Komödie. Nächsten Freitag feiert die Wädenswiler Produktion in der Kulturhalle Glärnisch ihre Premiere.

«Es ist mein Herzstück», sagt Sonnenwald, «seit 15 Jahren kenne ich es und träume davon, es zu inszenieren.» Das spürt man der energiegeladenen Frau an, wie sie am Donnerstag anlässlich einer Probe ihre Schauspieler anweist. Mitunter akrobatische Einsätze haben diese zu leisten. Mit ihrem ganzen Körper die Wirkungen eines Dauerbesäufnisses zu simulieren. Denn den Alkohol, in Form alter, exquisiter Weine, hat Dürrenmatt nicht zufällig in sein Stück einfliessen lassen. So dominant ist da der Stellenwert der ­berauschenden Substanz, dass sie als bewusst gesetzte Metapher auf die bürgerliche Lebenshaltung zu sehen ist. Sonnenwald unterstreicht dies mit einer ­eigens geschaffenen Figur, dem Dionysos.

Überzeugendes Spiel

Zwar gibt es ab und zu noch einen Texthänger, noch fehlt es den ­Figuren etwas an Energie, wie die Kommentare der Regisseurin deutlich machen. Sie sei indes zuversichtlich für die Premiere. Es ist dies Sonnenwalds erste Zusammenarbeit mit dem Volkstheater Wädenswil. Die gelernte Sekundarlehrerin und Schauspielerin arbeitet seit sechs Jahren im Regiefach. Hierbei studiert sie regelmässig mit Gefängnisinsassen Theaterstücke ein. «Wo die Häftlinge oft ein Zuviel an Energie haben, sind Laien eher gehemmt», verdeutlicht sie das Spannungsfeld ihrer Arbeit.

Allzu viel ist von den Hemmungen während der Probe indes nicht mehr festzustellen. Äusserst überzeugend wissen die Darsteller Nuancen in Sprache, Gestik und Mimik aufzuzeigen. Sind diese doch umso wichtiger in einem Stück wie der «Panne», das zwar als Komödie ausgelegt ist, aber unter der Oberfläche deren pures Gegenteil bereithält. Und das dem Besucher die Auf­gabe stellt, über die Grenzen zwischen Recht und Unrecht nachzudenken.

Premiere am Freitag, 22. September, 20 Uhr. Weitere Spieldaten:23., 27. bis 30. September, 1., 5. und 6. Oktober, Kulturhalle Glärnisch, Neudorfstrasse 4, in Wädenswil. www.volkstheater-waedenswil.ch. Vorverkauf auch im Kafisatz, Wädenswil.

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