Horgen

Wo die Gebete wie Weihrauch zu Gott emporsteigen sollen

Nach zehnmonatiger Renovation wurde am letzten Samstag die katholische Kirche wieder eingeweiht. Weihbischof Marian Eleganti segnete das erneuerte Gotteshaus. Im Festgottesdienst vom Sonntag predigte dann Martin Werlen aus Einsiedeln.

Eine von vielen Symbolhandlungen: Weihbischof Marian Eleganti salbt den Altar der katholischen Kirche Horgen.

Eine von vielen Symbolhandlungen: Weihbischof Marian Eleganti salbt den Altar der katholischen Kirche Horgen. Bild: Moritz Hager

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«Es gibt Anlässe in einem Menschenleben, die Seltenheitswert haben, und zu denen gehört die heutige Wiedereinweihung unserer Kirche», sagte Ortspfarrer Adrian Lüchinger zu Beginn des Gottesdienstes am Samstag zur Wiedereinweihung der katholischen Kirche St. Josef in Horgen nach der Renovation. Dann assistierte er, unterstützt von dreizehn Ministranten und Ministrantinnen, Weihbischof Marian Eleganti, der das Zeremoniell leitete. Dieser gab ganz weltlich zu, dass er etwas aufgeregt sei, denn eine Kirchenweihe sei auch für ihn nicht alltäglich.

Der Konsekrator segnete in der renovierten Kirche zuerst den Taufbrunnen und das Taufwasser, wonach die ganze Gemeinde ihr Taufgelübde erneuerte. Danach schritt der Bischof, begleitet von Ministranten, durch die Kirche und besprengte sowohl Gemeinde wie Kirchenraum mit dem gesegneten Wasser. Neu geweiht wurden der Ambo, an dem das Evangelium verkündet wird, und der Tabernakel. Besonders feierlich war die Konsekration des Altars, der laut dem Predigtwort von Bischof Marian Eleganti ja kein blosser Tisch, sondern der Ort ist, wo Christus unter der Gestalt von Brot und Wein in seiner feiernden Gemeinde gegenwärtig wird. Er forderte die Mitfeiernden dazu auf, sich ebenfalls hinzugeben und sich der Liebe Gottes zu öffnen.

Festliche Musik

In der zweieinhalbstündigen Eucharistiefeier wurden viele weitere heilige Zeichen gesetzt. Der Bischof goss etwa Chrisam auf den Altar, um ihn mit dem geweihten Öl zu salben. Auch die während der Kirchenrenovierung sorgfältig verwahrten Reliquien des heiligen Bruders Klaus und des heiligen Fidelis von Sigmaringen wurden wieder im Altar eingelassen. Auf der Altarplatte wurde wenig später Weihrauch verbrannt. Dieser solle das heilige Haus mit wohlriechendem Duft erfüllen. Zudem, so meinte der Bischof, sollen die Gebete der Gemeinde wie Weihrauch zu Gott emporsteigen.

Der gehaltvolle Gottesdienst wurde durch feierliche Musik ­bereichert. Das Vokalensemble Suono Spirito unter der Leitung des Kirchenmusikers Marco Castellini sang geistliche Werke, etwa von Anton Bruckner oder Tomas Luis de Victoria. Unterstützt wurden die Sänger von einem Bläserensemble und einem Perkussionisten. Kantor war Marcel Fässler. Jonas Herzog spielte bravourös an der Orgel.

Einhellige Begeisterung

Auch der Festgottesdienst am Pfingstsonntag in der übervoll besetzten Kirche stand im Zeichen der Kirchweihe. Die mutige und herausfordernde Predigt über nötige Veränderungen gemäss dem Pfingstgeist hielt Pater Martin Werlen aus Einsiedeln, der für seine Worte anhaltenden Applaus erntete. In dieser Feier sang der Kirchenchor Horgen, unterstützt von Solisten und ­Orchester. Sowohl nach dem Gottesdienst am Samstag wie am Sonntag liessen die vielen Kirchgängerinnen und Kirchgänger die spirituell reichen Feiern bei einem Apéro in und um das Pfarreizentrum nachklingen.

Nur Lob war am Pfingstwochenende über die renovierte Kirche St. Josef in Horgen zu hören. Maximilian Strobel, Lernender und Ministrant, freut sich über die «viel hellere Kirche mit dem speziellen Flair im Chor». Esther Manhart, ehemalige Katechetin und Mitglied im Kirchenchor, findet die Idee mit dem Sgraffito «genial». Für Ortspfarrer Adrian Lüchinger ist der Evangelientext mit seinen über 18 000 von Hand in die Wand eingeritzten Zeichen «einerseits ein bemerkenswertes Zeugnis für hochstehendes Kunsthandwerk und andererseits auch ein schöner Hinweis auf die Handwerkstätigkeit, die traditionell mit dem Kirchenpatron assoziiert wird».

«Noch schöner als bisher»

Frieder Herfeldt, Präsident des Männervereines, gefällt die Kirche, weil sie heller sei und eine neue moderne Beleuchtung habe. Kirchenpflegepräsident Bernhard Böttinger ist begeistert «von der Frische und Helligkeit ebenso wie von der Akustik». Er sagt: «Jetzt erklingt die Musik noch schöner als bisher und erfreut die Menschen in den Gottesdiensten und Konzerten.»

Tony Imlig, Mitglied der Kirchenpflege und Leiter der Baukommission, freut sich über die renovierte Kirche, «weil sie nicht irgendein Gebäude, sondern ein schönes und würdiges Gotteshaus ist, das allen Menschen als ein Ort der Stille und der Meditation offen steht». Er hoffe, dass die gelungene Neugestaltung der Kirche neue Impulse, Freude und Begeisterung in das Pfarreileben bringen werde.

Auch das Votum von Nadja Eigenmann, Spitalseelsorgerin und Gemeindemitglied, unterstreicht die spirituelle Dimension: Eigenmann ist begeistert von der neuen Kirche, sie möchte aber nicht nur von der Architektur und der neuen Innenausstattung des Gotteshauses reden. Wichtiger sei vielmehr, was im Innern der Kirche passiere. Sie sagt: «Hier werden frohe Gottesdienste gefeiert. Traurige und einsame Menschen finden in der Kirche einen Zufluchtsort. Hier wird der Friede erbeten, und zwar für den Einzelnen, für die Gemeinschaft und die Menschen weltweit.» Frieden bewirken, das sei wichtig, meint sie. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 05.06.2017, 17:28 Uhr

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