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«Wir wollen junge Künstler in die freie Wildbahn katapultieren»

Die Thalwiler Kulturlandschaft wird um eine Attraktion reicher: Am Katapult-Festival erhalten Studenten der Zürcher Hochschule der Künste und der Dimitri-Schule aus dem Tessin die Möglichkeit, ihre Abschlussprojekte zu zeigen.

Übers Ziel hinauszuschiessen, ist das Anliegen des Festivals Katapult und der Projektleiter Jan von Rennenkampff und Simone Baumann.
Übers Ziel hinauszuschiessen, ist das Anliegen des Festivals Katapult und der Projektleiter Jan von Rennenkampff und Simone Baumann.
Sabine Rock

Junge Künstler auf die Realität nach dem Kunststudium vorbereiten: Das wollen Jan von Rennenkampff, Geschäftsführer des Kulturraums Thalwil, und Simone Baumann, Programmleiterin des Kultwerks. Die beiden sind federführend in der Organisation des Festivals Katapult, welches Mitte März zum ersten Mal in Thalwil stattfindet und eine Idee des Thalwiler Kulturbeauftragten Simon Niederhauser ist. Bachelor- und Masterstudenten der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und der Dimitri-Schule im Tessin erhalten die Möglichkeit, ihre Abschlussprojekte zu präsentieren.

«Wir wollen junge Künstler in die freie Wildbahn katapultieren», sagt Jan von Rennenkampff. «Darum heisst das Festival auch Katapult.» Die jungen Künstler wüssten zum Teil nicht einmal, dass nicht alle Kleintheater über eine gleich gute Infrastruktur wie die ZHdK auf dem Toni-Areal verfügten. Es gehe darum, die jungen Kollegen für die verschiedenen Spielstätten zu sensibilisieren. Simone Baumann weiss: «Es ist jeweils schon etwas anderes, wenn man mit etwas zum ersten Mal auf der Bühne steht.» «So können sie ihre Abschlussprojekte wenigstens einmal auf die Bühne bringen», schiebt von Rennenkampff nach, «sonst ist das ausserhalb der Schule oft gar nie der Fall.»

Schräge Sachen

Wichtig sei auch, dass die jungen Menschen, die professionelle Künstler werden wollen, in Kontakt mit Publikum kämen. «Sie sollen merken, dass sie sich Fragen stellen müssen, auch kritischen», sagt von Rennenkampff. Darum soll das Publikum die Möglichkeit erhalten, mit den jungen Künstlern in einen Dialog, teilweise sogar in Interaktion zu treten.

Es seien «schräge Sachen» und «provokative Themen», die die Zuschauer erwarteten, aus den Sparten Theater und Musik. Aus Film und Tanz sei niemand dabei. «Wobei viele Produktionen transdisziplinär sind», sagt Simone Baumann, «fast jedes Theater zeigt heute auch Videosequenzen, und die Abgänger der Dimitri-Schule kommen vom Bewegungstheater her.»

Zu sehen sein wird beispielsweise die Audioperformance «Da Capo / Al Fine». Diese nimmt Bezug auf den Blog eines Autors, der die Diagnose Hirntumor erhält. Auszüge daraus werden in einem Arrangement zwischen Performance, Klanginstallation und Konzert zum Klingen gebracht. Oder die Performance «Die Würstchen der Wahrheit». Sie widmet sich der Macht und der Willkür des Tötens und wie die normalen Menschen aus den Zentren der Macht mit Würstchen der Wahrheit abgespeist werden.

Bindung ans Publikum

Damit das Publikum auch kommt, sind die teilnehmenden Künstler verpflichtet, zehn Personen dazu zu bringen, eine Festival-Postkarte mit einer Antwort auf die Frage «Wann bist du das letzte Mal übers Ziel hinausgeschossen?» an den Kulturraum zu senden. Diese Kärtchen werden im Kultwerk aufgehängt. In der Hoffnung, dass die Absender sie vor Ort anschauen kommen – und sich anregen lassen, hin und wieder übers Ziel hinauszuschiessen.

Auf insgesamt 450 Besucher hoffen die Organisatoren. Das heisst, sowohl das Kultwerk als auch der Kulturraum mit den 60 respektive 70 Plätzen müssen über das Stammpublikum hinaus Besucher anlocken. Das Budget für das Festival beläuft sich auf 70 000 Franken. 30 000 Franken sind Spenden von Stiftungen, aber auch die Gemeinde Thalwil und der Kanton oder das Migros- Kulturprozent unterstützen das Festival. Die Künstler erhalten eine marktübliche Abendspiel­gage von rund 400 Franken.

Freitag, 17., bis Sonntag, 19. März, Kulturraum und Kultwerk, Thalwil. Vorverkauf ab 17. Februar unter www.katapultfestival.ch oder bei der Papeterie Grombach.

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