Landwirtschaft

«Wir sind Gefangene des Staats»

Im Kanton Zürich werden Landwirten jährlich weit über 100 Millionen Franken überwiesen. Trotzdem sind viele Bauern unzufrieden. Der Präsident des Bauernverbands Bezirk Horgen erklärt.

Peter Bossert, Landwirt aus Wädenswil, Präsident Bauernverband Bezirk Horgen.

Peter Bossert, Landwirt aus Wädenswil, Präsident Bauernverband Bezirk Horgen. Bild: Archiv Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Peter Bossert, was bedeuten die Direktzahlungen des Bundes für die Bauern?
Glücklich sind wir Bauern damit nicht, aber ohne kommen wir nicht über die Runden. Subventionen sind politisch gewollt, damit die Konsumenten günstig inländische Lebensmittel kaufen können. Ohne Direktzahlungen könnten wir mit den aktuellen Milch- und Fleischpreisen nicht kostendeckend produzieren.

Wie viel machen die Bundessubventionen prozentual aus von einem bäuerlichen Einkommen?
Für einen intensiven Betrieb machen sie einen Viertel bis einen Drittel des Gesamtumsatzes aus. Bei einem extensiven Betrieb, in dem der Landwirt noch einem Nebenerwerb nachgeht, bis zur Hälfte.

Mit den Direktzahlungen gehen Auflagen einher. Wie einschränkend sind die?
Die Auflagen von Staat und Forschung sind in den Bereichen Tierhaltung und Pflanzenschutz enorm. Ich pflege zu sagen, wir Bauern sind Gefangene des Staats. Der administrative Aufwand ist gigantisch. Jeden Abend muss ich mich hinsetzen und genau Buch führen, welche Wiesen ich bearbeitet habe, welche Kühe wie lange draussen waren und so weiter. Für jede kleinste schriftliche Unterlassung werden die Subventionen gekürzt.

Viele Sanktionen betreffen aber das Tierwohl, nicht Schreibkram.
Tierschutz ist enorm wichtig. Aber bei den Kontrollen, und wir werden zwei bis dreimal pro Jahr kontrolliert, geht manchmal das Augenmass verloren, werden Details höher gewichtet als der Gesamteindruck. Es reicht zum Beispiel, wenn in einem tierschutzkonformen Stall die Boxenbügel, welche den Stall in Einzelplätze unterteilen, verkrümmt sind. Obwohl das null Einfluss hat auf das Tierwohl, werden dem Landwirt die Subventionen gekürzt.

Wäre das Abschaffen der Subventionen die Lösung?
So einfach ist es nicht. Wenn sie abgeschafft würden,würden sich die Landwirtschaft im Land, aber auch die Landschaft der Schweiz, dramatisch verändern. Vielleicht 10 Prozent der Bauernbetriebe würden bestehen bleiben, und zwar nur Grossbetriebe. Wer würde dann die Pflege von Wiesen in den Berggebieten sicherstellen? Das System der Direktzahlungen ist viel zu kompliziert geworden. Das Ganze muss vereinfacht werden, um den Büroaufwand zu reduzieren. (sis)

Erstellt: 01.07.2019, 16:11 Uhr

Artikel zum Thema

Bauern vom Zürichsee erhalten 16,7 Millionen aus Bern

Landwirtschaft In den Dörfern am Zürichsee gibt es rund 400 Bauernbetriebe. 363 davon erhalten Direktzahlungen des Bundes. Eine Übersicht. Mehr...

Wer gegen den Tierschutz verstösst, erhält weniger Subventionen

Landwirtschaft Am Zürichsee gibt es viele vorbildliche Bauern – und ein paar schwarze Schafe, die abgemahnt werden mussten. Eine Übersicht. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!