Wädenswil

«Wir rufen Romy, wenn wir ein ernsthaftes Problem haben»

Physiotherapeutin Romy Ritz behandelt Artisten im Circus Knie nach ihrem Auftritt in der Manege. Daher ist die Wädenswilerin während der Tournee häufig unter dem Chapiteau anzutreffen.

Romy Ritz behandelt den Knie-Akrobaten Wioris Erani im Pressewagen.

Romy Ritz behandelt den Knie-Akrobaten Wioris Erani im Pressewagen. Bild: Patrick Gutenberg

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Der Italiener Guido Errani ist mit seinen Brüdern seit Jahren Artist im Circus Knie: Dieses Jahr präsentiert er mit seinem Bruder Maycol die Ikarier-Nummer, für die sie am Internationalen Circus-Festival in Monte Carlo den Goldenen Clown gewonnen haben. Guido Errani wird von seinem Bruder durch die Luft geschleudert. Er springt wie ein Gummiball. Kaum können die Zuschauer den verrückten Drehungen folgen.

Dass der Akrobat seinen Körper strapaziert, ist offensichtlich. Es kommt zu Überbelastungen und manchmal zu kleineren Verletzungen. Regelmässig lässt er sich deshalb von Physiotherapeutin und Osteopathin Romy Ritz behandeln.

Fahrende Physiotherapeutin

Romy Ritz hat den Pressewagen zu ihrer Praxis umfunktioniert. Der Artist legt sich auf die transportable Liege, welche die Wädenswilerin jeweils zu den Behandlungen mitbringt. Heute hat Guido Errani kein ernsthaftes Problem, aber Verspannungen machen ihm zu schaffen.

Die Physiotherapeutin arbeitet konzentriert am Rücken und im Brustbereich des Artisten. Zwischendurch erzählt sie und strahlt dabei. Der Zirkus ist die Leidenschaft von Romy Ritz. Seit Jahrzehnten behandelt sie Artisten, manchmal in ihrer Praxis in Wädenswil, oft an den Auftrittsorten selber. Ein Telefon genügt und die Fachfrau reist schnurstracks nach Rapperswil, Zürich oder Winterthur. Sie behandelte auch schon in Glarus, Wettingen, Aarau, Bern und Basel.

«Mir gefällt, dass Artisten mit ihrem Körper sorgsamer umgehen als Spitzensportler.»

In den Behandlungen geht es um gezielte Mobilisierung, um Entspannung und Vorschläge für ein Übungsprogramm. Romy Ritz erklärt: «Nur schon eine unkontrollierte Bewegung kann eine Blockade an der Wirbelsäule auslösen.» Manchmal sind bei Verletzungen Elektrotherapien angezeigt, Eispackungen helfen bei Schwellungen, und sogenannte Tapes, Pflasterklebeverbände, werden bei den Artisten wie im Sport zur Stabilisierung des Gelenks eingesetzt.

Eine Behandlung dauert jeweils rund eine halbe Stunde. Die Physiotherapeutin ist auch zuständig für die Triage: Bei gewichtigen Verletzungen muss ein Arzt konsultiert werden, bei Knochenbrüchen ist eine Spitaleinweisung nötig. Im schlimmsten Fall können die Artisten ihre Arbeit im Zirkus nicht mehr weiter ausführen, müssen abreisen und in ihre Heimat zurückkehren.

Sorgsamer Umgang

Laut Romy Ritz sind die medizinischen Probleme bei Artisten im Normalfall nach wenigen Behandlungen wieder behoben, da die Künstler die Schwierigkeiten rasch ausmerzen wollen. Sie würden die vorgeschlagenen Körperübungen zur Rehabilitation gewissenhaft umsetzen, was zu einem schnelleren Behandlungserfolg führe. Romy Ritz: «Mir gefällt, dass Artisten mit ihrem Körper sorgsamer umgehen als Spitzensportler. Der Körper ist ihr Werkzeug, mit dem sie nicht nur im Moment, sondern auf Dauer arbeiten wollen.» Im Circus Knie arbeiten im Moment rund 30 Artisten, die während der jetzigen Jubiläumstournee an 33 Spielorten in über 330 Vorstellungen auftreten werden.

Romy Ritz kam durch Zufall zum Zirkus. Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie bei einem Arzt in Wädenswil sowie mit einem Dozenten der Physiotherapieausbildung, die beide Mitglieder der Familie Knie behandelten. So sind die ersten Kontakte entstanden. Seither ist Romy Ritz beim Circus Knie «hängen geblieben». Sie sagt: «Mich beglückt die bunte Traumwelt mit den Showeinlagen und den artistischen Höchstleistungen im Zirkuszelt.» Sie schätze zudem das freundschaftliche Verhältnis mit Familie Knie, wo sie in den vielen Jahren bereits mehrere Generationen kennen lernte. Auch die Wertschätzung der Artisten sei ein «Goody erster Güte». Wenn Guido Errani nach der physiotherapeutischen Behandlung sagt: «Romy, you are fantastic», entlockt das der Wädenswiler Physiotherapeutin ein beglücktes Lächeln. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 23.04.2019, 15:31 Uhr

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