Standortförderung

«Wir müssen verdichten und gleichzeitig Freiräume belassen»

Auf Einladung der Standortförderung Zimmerberg-Sihltal boten Kantonsplaner Wilhelm Natrup und ZPZ-Präsident Ruedi Hatt einen Einblick in die Raumentwicklung im Kanton Zürich und in der Region.

Dass die prognostizierte Bevölkerungszunahme im Bezirk Horgen eine «immense Herausforderung» darstelle, erläuterte Ruedi Hatt, Präsident der Zürcher Planungsgruppe Zimmerberg, bei seinem Referat vor den Mitgliedern der Standortförderung Zimmerberg-Sihltal.

Dass die prognostizierte Bevölkerungszunahme im Bezirk Horgen eine «immense Herausforderung» darstelle, erläuterte Ruedi Hatt, Präsident der Zürcher Planungsgruppe Zimmerberg, bei seinem Referat vor den Mitgliedern der Standortförderung Zimmerberg-Sihltal. Bild: Sabine Rock

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Im Anschluss an die Generalversammlung des Vereins Standortförderung Zimmerberg-Sihltal vorgestern in der Zurich Inter­national School in Wädenswiler griff Architekt Ruedi Hatt, Alt-Gemeindepräsident von Richterswil und seit zehn Jahren Präsident der Zürcher Planungs­gruppe Zimmerberg (ZPZ), das Wort.

Er umschrieb in seinem Referat zur Raumentwicklung vor den rund 50 Mitgliedern und Gästen zuerst die Situation im Bezirk Horgen: 123'626 Einwohnerinnen und Einwohner lebten Ende 2017 in den elf Gemeinden mit hohem Anteil an Vorzugswohnorten. In diesem Gebiet gab es Ende 2015 insgesamt 48'555 Beschäftigte in verschiedenen Betriebsstrukturen. Doch die Bevölkerung wird hier wie im ganzen Kanton zahlenmässig weiter anwachsen: Laut Hochrechnungen werden bis ins Jahr 2040 31'000 Personen mehr im Bezirk Horgen leben. «Diese müssen wohnen und arbeiten können und zudem befördert werden», sagte Hatt. Auch die Versorgung und Entsorgung müsse klappen.

Diese prognostizierte Zunahme ist laut Hatt auch eine «immense Herausforderung» für die kantonalen Verantwortlichen in der Raumplanung, die gemäss seiner Einschätzung der aktuellen Situation wenig Rechnung tragen. «Wir müssen einerseits verdichten und andererseits Freiräume belassen, um der Zersiedelung möglichst Einhalt zu gebieten», so Hatt. Er liess es in seinem Input in unterhaltsamer Manier auch nicht an Beispielen fehlen: Zuerst zeigte er im Bild eine missratene Verdichtung in seiner Wohngemeinde Richterswil, fand weiter, dass das Dichteziel im Gestaltungsplan Breiteli in Thalwil nur knapp erreicht wurde, und bemängelte, dass die strikten Vorgaben des Kantons im Neubüel in Wädenswil den Dienstleistungsbereich gegenüber dem Gewerbe benachteiligen würden.

Zentrale Lagen stärken

Kantonsplaner Wilhelm Natrup sieht die Unterschiede in der Einschätzung der Situation gegenüber Ruedi Hatt nicht so dramatisch. Auch er trägt im Auftrag des Kantons der demografischen Entwicklung Rechnung. Er zeigte aber anhand von Fakten auf, dass die Stadt- wie die urbanen Wohnlandschaften gegenüber der Landschaft anwachsen würden, und zwar im Verhältnis 80:20. Das bedeute, dass in den städtischen Gebieten konsequenter verdichtet werden müsse. «Die Räume können nicht beliebig ausgetauscht werden, da sich die Siedlungsentwicklung auf den öffentlichen Verkehr ausrichtet», meinte Natrup.

Die Attraktivität eines Standortes widerspiegle sich nicht nur in den Bodenpreisen, sondern auch in der Erreichbarkeit: Geprüft würden bei der Suche nach dem idealen Wohnort etwa die Fahrzeit nach Zürich, die Nähe zum Arbeitsplatz, zu Detailgeschäften, Autobahn oder Grundschulen sowie die ÖV-Erschliessung.

Laut Natrup müssen also genügend Kapazitäten im Verkehrsnetz sichergestellt werden. In den dicht bewohnten Regionen sei «die Innenentwicklung daher anspruchsvoller und aufwendiger als eine weitere Ausdehnung der Siedlungsfläche». Noch deutlicher heisst das laut dem Kantonsplaner: «Im urbanen Raum müssen alle Potenziale aktiviert werden, während im ländlichen Raum die vorhandenen Bauzonen ausreichen.»

Natrup stellte weiter klar, dass der Erhalt der gewerblich-industriellen Areale dem politischen Auftrag des Souveräns entspricht und «das produzierende Gewerbe nicht übermässig durch Wohnen und Dienstleistung verdrängt werden soll». Ein Gleichgewicht müsse gewahrt bleiben, weil so Arbeitsplätze erhalten und bestenfalls neue geschaffen werden könnten.

Kleiner Verlust

Im Vorfeld der beiden Referate hatten die Stimmberechtigten sämtliche Traktanden der 21. Generalversammlung gutgeheissen. Die Jahresrechnung 2017 mit einem Gesamtumsatz von rund 300'000 Franken schloss aufgrund des letztjährigen 20-Jahr-Jubiläums mit einem kleinen Verlust von 2500 Franken. Die Finanzlage ist laut Geschäftsführer Beat Ritschard aber nach wie vor gut. Das Budget 2018 sieht einen Umsatz von rund 320'000 Franken vor. Die zusätzlichen 20'000 Franken gegenüber dem Vorjahr wurden ins Budget eingestellt, weil in diesem Jahr erneut ein «Treffpunkt Zürich Park Side» zur Durchführung kam, ein Unternehmeranlass, der im letzten Jahr aufgrund einer Terminkollision fallen gelassen wurde.

Der Verein, präsidiert von Matthias Kaiserswerth, bezweckt die Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen in der Region. Er fördert zudem den Dialog zwischen Politik und Wirtschaft, der sich auf die Bereiche Forschung und Bildung fokussiert. Ein Beispiel dafür ist die jährliche Bildungskonferenz am Gottlieb-Duttweiler-Institut in Rüschlikon. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.04.2018, 16:09 Uhr

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