Langnau

«Wir haben je länger, je mehr ein Problem mit Littering, Vandalismus und Gewalt»

Der Langnauer Sicherheitsvorstand Virgil Keller (FDP) will mit Adliswil eine gemeinsame Polizei aufbauen. Die Idee ist teurer als die aktuelle Lösung mit der Kantonspolizei, dafür würde die Polizeipräsenz erhöht. Die Gemeindeversammlung hat im Sommer das letzte Wort zum Vorhaben.

«Eine kommunale Polizei, die Präsenz markiert, hätte hier auch eine präventive Wirkung - davon bin ich überzeugt», Virgil Keller (FDP) erhofft sich von der gemeinsamen Polizei mit Adliswil eine Eindämmung von Vandalismus, Littering und Gewalt.

«Eine kommunale Polizei, die Präsenz markiert, hätte hier auch eine präventive Wirkung - davon bin ich überzeugt», Virgil Keller (FDP) erhofft sich von der gemeinsamen Polizei mit Adliswil eine Eindämmung von Vandalismus, Littering und Gewalt. Bild: Symbolbild/Archiv ZSZ

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Virgil Keller, die Finanzlage in Langnau ist schwierig. Warum wollen Sie genau jetzt mit Adliswil den Plan einer gemeinsamen Polizei vorantreiben, was in Langnau Mehrkosten von 78 000 Franken im Jahr generiert?
Virgil Keller: Momentan nutzen wir in Langnau die Dienste der Kantonspolizei. Seit diesem Jahr hat der Zürcher Regierungsrat die Beiträge von 10 Franken pro Einwohner auf 18 Franken erhöht. Diese Erhöhung führt zu Mehrkosten von 60 000 Franken. Zusätzlich nutzen wir die Dienste einer privaten Sicherheitsfirma. Dieser Dienst kostet uns im Jahr weitere 60 000 Franken. Aus diesem Grund habe ich Alternativen geprüft, um die Leistungen durch eine kommunale Polizei zu ersetzen und suchte das Gespräch mit Adliswil.

Wie die ZSZ berichtete, würde Langnau durch die Zusammenarbeit mit Adliswil künftig aber dennoch mehr bezahlen, als durch die Beitragserhöhung für die Dienste der Kantonspolizei und den Betrag an die private Sicherheitsfirma.
Das stimmt. Aber wir würden zusätzliche Leistungen dafür erhalten. Trotz der Erhöhung der Beiträge an die Kantonspolizei werden deren Leistungen nicht erhöht, sondern dadurch wird erreicht, dass die effektiven Kosten der Kantonspolizei verrechnet werden. Ich möchte jedoch auch festhalten, dass wir mit der Arbeit der Kantonspolizei sehr zufrieden sind. Diese wird auch weiterhin in Langnau aktiv sein - beispielsweise bei Kapitalverbrechen oder Unfällen mit Verletzten, um nur einige Leistungen zu nennen. Den Mehrwert, den wir durch eine gemeinsame Kommunalpolizei mit Adliswil bekommen würden, kann die Kantonspolizei aus Kapazitätsgründen nicht erbringen.

Zum Beispiel?
Die Vorteile einer kommunalen Polizei liegen in der Bürgernähe, den kurzen Interventionszeiten, der Präsenz, dem Erbringen von Dienstleistungen für die Bevölkerung, dem Gewerbe und den Vereinen, um nur einige zu nennen. Das würde das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung verstärken. Nicht zuletzt würde die Polizei auch ein Gesicht bekommen. Wir planen, dass es verantwortliche Beamte für den Albis, das Unterdorf und das Oberdorf geben würde - so hätte die Bevölkerung direkte Ansprechpartner. Bei Auffälligkeiten könnte die Polizei auch intensivere Kontrollen durchführen. Wir hatten kürzlich einen Fall, da bestand der Verdacht, dass ein Automobilist ein junges Mädchen in Langnau in sein Auto locken wollte. Als ich darauf hin die Kantonspolizei gebeten habe, den Schulweg in gewissen Abschnitten im Auge zu behalten, konnte sie der Anfrage aus Kapazitätsgründen nur einmalig nachkommen. Mit einer eigenen Polizei wären bei solchen ausserordentlichen Ereignissen mehr Kapazitäten vorhanden.

«Eine kommunale Polizei, die Präsenz markiert, hätte auch eine präventive Wirkung.»Virgil Keller

Wie endeten die Ermittlungen im Falle des Automobilisten?
Die Vorwürfe stellten sich am Ende glücklicherweise als Sturm im Wasserglas heraus. Der Automobilist wollte dem Mädchen nur sagen, dass es nicht um das Auto herum auf der Strasse laufen, sondern den Weg auf dem Trottoir nutzen soll. Das Mädchen hingegen dachte, der Mann wolle es ins Auto locken.

Gibt es ein Sicherheitsproblem in Langnau?
Wir haben je länger, je mehr ein Problem mit Littering. Aber auch mit Vandalismus und Gewalt. Ich denke dabei an die öffentliche Toilette auf dem Dorfplatz. Diese wird regelmässig beschädigt. Dann haben wir auch immer wieder Probleme im Parkhaus beim Bahnhof. Da wurden kürzlich beispielsweise Nägel so bei Autoreifen platziert, dass sie in den Pneu eindrangen, sobald die Autolenker los fuhren. Zudem hatten wir einen Einbruch im Gartencenter Raschle zu beklagen. Eine kommunale Polizei, die Präsenz markiert, hätte hier auch eine präventive Wirkung - davon bin ich überzeugt.

In Adliswil erbringt die Polizei weitere Leistungen wie die Kontrolle von Nachtparkierern oder auch die Hundekontrolle. Warum wird die Polizei diese Leistungen nicht auch in Langnau übernehmen?
Diese Leistungen erbringen wir bereits selber. Es macht daher keinen Sinn, diese extern einzukaufen. Wir benötigen ausschliesslich die polizeilichen Leistungen. Davon profitieren wir auch in Bereichen wie dem Verkehrsunterricht im Kindergarten. Momentan müssen wir für diese Leistung bezahlen. Bei einer Zusammenarbeit würde dieser Kostenpunkt wegfallen.

Trotz den von Ihnen beschriebenen Vorteilen - sobald eine neue Idee Mehrkosten generiert, wird das Gegner auf den Plan rufen. Suchen Sie das Gespräch mit den lokalen Parteien vor der Abstimmung über die Zusammenarbeit, die im Sommer an der Gemeindeversammlung traktandiert wird?
Wir führen im März mit Delegationen aller lokalen Parteien eine Orientierung durch. Da werden der Adliswiler Polizeichef Harald Minich, die Adliswiler Sicherheitsvorsteherin Susy Senn und ich anwesend sein. An diesem Informationsabend werden wir die kommunale Polizei vorstellen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.02.2018, 18:02 Uhr

Virgil Keller (FDP), Langnauer Sicherheitsvorstand

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